Rumänien 2007 – 8.

01.08.

Ich koche gerade.

Ich koche gerade.


Heute ist ein bedeutendes Ereignis eingetreten, die Roamingkosten mussten massiv gesenkt werden und liegen fortan bei unter 60 Cent, wenn man angerufen wird. Vorher waren es in Rumänien wesentlich mehr. Hätte ich jemand mit meinem dt. Handy anrufen wollen, so wäre ich in der Minute über 2,50€ losgeworden.
Die ganze Nacht hat es geregnet und auch am Morgen, als ich mir das Kloster anschauen mag, hört es nicht auf, wird aber schwächer. Das scheint durchaus Glück zu sein, es kommen nur wenige Leute auf die Idee zum Kloster zu pilgern und so habe ich Ruhe zum Bestaunen, Platz zum Fotografieren und bin nicht Menschenmassengenervt. Währenddessen steht mein Rad unangeschlossen und vollbepackt vor dem Kloster bei einem Andenkenverkäufer, der ein Auge drauf haben wollte und fast böse wurde, als ich es trotzdem anschließen wollte. Gut, habe ich ihm also vertraut und mein Rad bei der Rückkehr unangetastet wiedergefunden. Vor der endgültigen Weiterfahrt schaute ich noch in einem Laden vorbei und gönnte mir Getränke, dann ging es los. Die HüTTT liegt nur bei 20°C.
Irgendwie bin ich heute etwas kraftlos und so lege ich schon bald eine Mittagspause an einem schönen Bach hinter (südlich) von Stulpicani ein. Es gibt Nudeln mit irgendeiner Soße, das wird mir nie langweilig.

Die Straße steigt stetig bergan, ich komme durch Ostra und entdecke ein paar Kilometer weiter ein… ein… ja, ich hab überhaupt keine Ahnung was ich da entdecke. Eine alte Brücke? Viel eher sieht es wie eine Vorrichtung aus, auf der einmal etwas über die darunter liegende Straße geleitet wurde. Wenige Augenblicke später macht sich Endzeitstimmung in mir breit. Eine alte Fabrik (oder ein derlei Ding) taucht vor mir auf. Rechts der Straße sind Wasserläufe, in einem ist das Wasser pechschwarz. Alte Baugeräte stehen auf dem Gelände, die Fenster der maroden Fabrik sind zerschlagen. Ich fühle mich wie in Half-Life.
Nur wenige hundert Meter weiter steht ein idyllischer Bauernhof – das sind mal Gegensätze! Wiederum etwas weiter folgt die Krone sozialistischer Baukunst, ein künstlicher Wassersturz.
Von diesen Eindrücken benebelt, passiere ich bald einen weiteren Bauernhof, aus dem auch gleich zwei fies dreinblickende Hundeviecher rausgestürmt kommen und mich fressen wollen. Als sie mich gerochen haben, sind sie geflüchtet.
Nun hinderte mich nichts mehr an der Erstürmung des Bergpasses, dessen höchster Punkt immerhin auf rund 1170 Meter Höhe liegt. Einem 15Km langen Aufstieg folgt nun eine 11Km lange Abfahrt bis hinunter nach Broşteni, wo ich wieder auf meinen auch durch Vatra Dornei fließenden Fluss stoße. An einer Tanke gönne ich mir eine Pause, esse mehr oder weniger lecker und trinke ordentlich und folge nun dem Fluss lange Zeit richtung Süden. Wer meint, Flussradwege seien stets flach, wird (u.a.) hier eines besseren belehrt. Erst einmal sei gesagt, dass es dort natürlich überhaupt keinen Radweg gibt, nur eine ganz normale Straße, die sich neben dem Fluss am Berg entlang windet. Dort geht es hoch und runter, manchmal steiler, manchmal angenehmer. Die Straße gefällt mir, wenngleich ich nicht verhehlen will, dass mir eine Ebene durchaus mal wieder gelegen käme.


Irgendwann hat mich wohl das Verwöhnverlangen gepackt und so wollte ich diese Nacht auf einem richtigen C’platz nächtigen. Ich steuerte derer zwei an, allerdings gibt es eine ordentliche Diskrepanz zwischen den auf Karten eingezeichneten und den wirklich vorhandenen Plätzen. Keiner von beiden war auffindbar. Also fuhr ich weiter und weiter und weiter, es wurde dunkel und immer später und schließlich, um 22Uhr, folgte ich einer Seitenstraße und suchte mir dort ein Plätzchen zum Schlafen. Mittlerweile war es mir bei 12°C empfindlich kühl geworden. Die heutigen 110Km waren anstrengend und ich schlief praktisch sofort ein.

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