Northland Quito II

Northland Quito 2

Mit dem Quito 2 vom österreichischen Hersteller Northland war ich im Sommer 2008 insgesamt rund 5 Wochen unterwegs und an den gesammelten Erfahrungen möchte ich euch nun teilhaben lassen.

Bei dem Quito handelt es sich um einen schön geräumigen Querschläfer mit drei Gestängebogen. Zwei der Bögen richten direkt das Innenzelt auf und überkreuzen sich zweifach, wie z.B. beim Salewa Micra. Der dritte Bogen läuft durch das Außenzelt, überkreuzt die beiden anderen Bögen mittig und bildet somit gleichzeitig zwei ordentliche, max. 60cm tiefe Apsiden, von denen jede einen Eingang besitzt. Einer der beiden Eingänge ist ziemlich regensicher, aber unkomfortabel im Ausstieg, der andere ist nicht regensicher, dafür aber der wesentlich schönere, da viel größere und flexiblere Ausgang.

Das Gewicht & technischer Kram:

Komisch, normalerweise geben Hersteller die Gewichte ihrer Ausrüstung doch gern niedriger an. Nicht im Falle des Quito, bei dem ich folgende Gewichte ermittelt hab.

Außenzelt: 970
Innenzelt: 1090
Gestänge: 900
Heringe: 168
Beutel: 110
Gewicht minimum: 2960
Gewicht komplett: 3238
(natürlich jeweils in Gramm)

Northland gibt 3370 Gramm als Minimum und 3700 Gramm mit Packsack und Heringen an.
Material Aussenzelt: TEC-CRYLON 66 – Ripstop Polyamid, außen silikonisiert, innen PU, 5000mm Wassersäule
Material Boden: TEC-CRYLON 166, Polyamid, 10000mm Wassersäule
Material Gestänge: ALU 7001 T6, 9,5 mm
Packmaße (L x B x H in cm): 55x17x17

Der Aufbau:

Beim Quito wird zuerst das Innenzelt aufgestellt. Das hat den Vorteil, dass es in warmen & trockenen Nächten auch solo stehen kann und den Nachteil, dass es beim Auf- und Abbau im Regen nass wird.
Nach dem Ausbreiten des Innenzeltes werden zwei identische Gestänge in die Kanäle des Innenzeltes gesteckt. Klingt banal, ist aber nervig da die Gestängekanäle im Bogen verlaufen und es damit ganz schön fummelig wird die Gestänge durchzuführen – vor allem wenn die Gestänge/-kanäle nass sind! Gut, irgendwann sind die Gestänge also eingeführt und nun soll das Innenzelt aufgerichtet werden… und irgendwas bei der Kombi Gestänge/-kanal hakt dann mal wieder. Am Ende ist es etwas Gefummel das Gehake zu beseitigen. In der Regel lässt sich das IZ sauber aufrichten, zwischendurch hakt es aber einfach – herausbekommen wieso, habe ich nicht.
Ist das Wetter schön, kann man nun schon im Zelt nächtigen. Bei Kälte/Regen/Wind sollte noch das Überzelt drübergezogen werden, was zur Abwechslung problemlos geschehen kann. Hierzu wird der dritte Gestängebogen in den Kanal des AZ geschoben und alles zusammen über das IZ gelegt und mit sechs Steckschnallen bei den Gestängeenden fixiert und gespannt. Das Außenzelt kann via Klett zusätzlich am IZ-Gestänge befestigt werden.
Da das Zelt komplett selbststehend ist, bedarf es, je nach Windverhältnissen, keiner Heringe. Sinnvoll sind diese aber allemal, denn wenn der Wind etwas stärker bläst, schiebt er die Gestängeenden ganz schön über den Boden.
Der Abbau gelingt sehr unproblematisch, lediglich der Packsack besitzt einen zu geringen Durchmesser, aufgrund dessen sich das Zelt nur schwer verpacken lässt. Auf Tour habe ich einen anderen Packsack mitgenommen. Hier sollte Northland nachbessern.

Komfort & Praxis:

Beim Komfort gibt es nun gar nichts zu mäkeln. Aufgrund der Innenzeltlänge und -breite von ca. 210/140cm und der sehr steilen Zeltwände hatte ich mit meinen 183cm gar keine Größenprobleme und anstoßen musste ich auch nirgends. Die Sitzhöhe ist über einen weiten Bereich prima.
Im Inneren gibt es an Kopf- und Fußende insgesamt 6 Taschen und im Zelthimmel nochmal zwei fest eingenähte. Wie ein typischer Gearloft sind diese nicht gebaut, eher wie normale Einschubtaschen, jeweils seitlich der Mitte. Die IZ-Türen sind riesig und komplett zu öffnen und in (nochmals) extra Taschen sauber zu verstauen, was mir ausgezeichnet gefällt. Dabei ist es etwas schade, dass auf jeder Seite des Außenzeltes nur eine Tür vorhanden ist, was den Blick nach draußen einschränkt. Die AZ-Türen sind jeweils anders konstruiert, die schönere von beiden verläuft im Bogen und kann auch von oben nach unten geöffnet werden. Das ist prima zum Lüften und Hinausschauen, bei Regen tropft es allerdings sehr rasch ins Innenzelt. Dieser Eingang ist nicht regensicher. Der andere Eingang besitzt nur einen gerade verlaufenden Reißverschluss, er ist unkomfortabler, da kleiner und ich habe ihn nur bei Regen benutzt, denn er ist regensicherer. Rausschauen kann man hier allerdings viel schlechter.
Nicht so ganz verstanden habe ich manche Schlaufen und ihre Gegenstücke am AZ. Z.B. mit dem für die kleinere Tür konnte ich diese nicht aufhalten, dafür war die Schlaufe zu kurz. Natürlich kann man das mit einem Stück Abspannleine selbst beheben, ich frage mich allerdings, was sich die Kontrukteure dabei gedacht haben.
Am Kopf- und Fußende gibt es von außen verschließbare Lüfter. Aber ob die verschließbar sind oder nicht, im Quito zieht es im Wind ohnehin recht ordentlich: große Teile des Innenzeltes bestehen aus nicht abdeckbarem Moskitonetz. Im Sommer ist es super, wird das Wetter aber schlechter, wird es schnell zu kalt. Ein weiterer Lüfter befindet sich am oberen Ende der Bogentür.
Gut gefallen, auch wenn ich da beinah allein dastehen werde, hat mir die Farbe des Zeltes: orange. Klar, sie ist auffällig und nicht sonderlich zu empfehlen, wenn man nicht gesehen werden möchte. Andererseits baue ich, wenn ich nicht gesehen werden möchte, das Zelt tendenziell im Dunkeln und vorzugsweise an schlecht einsehbaren Orten auf. Dann ist mir die Farbe auch egal und ich freue mich über die freundliche Farbe wenn ich bei besch… Wetter mal im Zelt bleiben muss. Auch wenn ich außerhalb des Zeltes bin stimmt mich die Farbe einfach heiterer.
Apropo nicht gesehen werden: da die Zeltschnur reflektiert, hat man fast keine Chance sie in der Dunkelheit zu übersehen – zumindest nicht wenn Licht drauffällt.

Ich muss gestehen: den genauen Einsatzbereich des Zeltes kann ich mir nicht so ganz vorstellen. Die sehr hohe Sturmstabilität (einen halbwegs brauchbaren Sturm habe ich im Zelt miterlebt) prädestiniert es für stürmische Gebiete. Hierfür erscheint es aufgrund des massiven Einsatzes von Moskitonetz aber weniger brauchbar, es zieht einfach zu sehr im IZ. Für regenreiche Gebiete sind die Eingänge nicht sonderlich regensicher und der Aufbau (IZ zuerst) weniger geeignet.
Am ehesten würde ich das Zelt in wärmeren Regionen einsetzen, hier punktet es durch den alleinigen Stand des Innenzeltes, die sehr gute Belüftung und die freundliche Farbe, die sicher auch dafür zuständig ist, dass sich das Zelt in der Sonne nicht zu stark aufheizt. Bei gutem Wetter eingesetzt, empfinde ich den etwas länger dauernden Aufbau auch als nicht so kritisch. Am Ende habe ich also doch eine Empfehlung: sehr gut bei tendenziell gutem Wetter. Hier stellt sich mir allerdings die Frage, warum ich für ein Zelt mit diesem Einsatzbereich 269€ ausgeben soll, da gibt es auch weitaus günstigere.

Zuschlechterletzt hatte ich Probleme mit dem Gestänge, welches an den äußersten Enden (an denen die Pöppel, die die Gummis halten und in die Ösen des Zeltes gesteckt werden) an mehreren Stellen gerissen ist. Northland hat aber anstandslos angeboten sie zu ersetzen.

Das gefällt mir

  • komplett selbststehend
  • sehr gutes Raumangebot und -gefühl
  • Sturmstabil
  • im Sommer luftig, Innenzelt steht auch ohne Außenzelt
  • diverse Taschen im Innenzelt
  • recht ordentliches Gewicht

Das gefällt mir nicht

  • Moskitonetzflächen nicht abdeckbar, dadurch ziehts im Innenzelt bei Wind ungemein
  • Eingänge nicht regensicher
  • teils hakeliger Aufbau

Verbesserungswünsche

Gut, die Eingänge sind nicht ganz regensicher, damit kann ich leben. Verbesserungen wünsche ich mir in erster Linie beim Aufbau des Innenzeltes. Kürzere & gerade verlaufende Gestängekanäle, zusammen mit Klippverbindungen zum Gestänge, würden dem Zeltaufbau sehr gut tun. Dazu noch abdeckbare Moskitonetze und aus dem „Hmm… naja, ganz gut Zelt“ würde mein, ich möchte nicht sagen Traumzelt, aber doch… es geht schon in diese Richtung, vor allem was die Form angeht. Gerade die Verbesserung was den Windschutz angeht, würde den Einsatzbereich des Quitos erheblich erweitern und hierfür erschiende mir dann auch der Preis sehr angemessen.

Und mein Prädikat? Empfehlenswert.
Sollte Northland meinen o.g. Wünschen nachkommen, würde ich mich zu einem sehr empfehlenswert hinreißen lassen. Zumindest wenn mein Gestängeproblem ein Einzelfall war.

Ein Gedanke zu „Northland Quito II

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