Gedern im Winter

Gedern, 12. & 13. Dezember 2009

Bei einem netten Händler haben wir kürzlich drei Nordisk Strindberg Schlafsäcke für insgesamt 225€ ergattert, was 75€ pro Schlafsack macht (der UVP liegt bei 209€/Schlaftüte). Dieser Primaloftschlafsack soll für Temperaturen um die 0°C und etwas darunter gut sein, was es für uns gleich zu testen galt und so beschlossen wir kurzerhand eine Miniradtour nach Gedern zu starten. Gedern liegt nicht sehr weit von Frankfurt entfernt und da sich dort ein Campingplatz mit beheizten Sanitäranlagen befindet, wählten wir diesen als unser Ziel. Etwas bequem sind wir ja doch 😉

Der Tag begann durchwachsen, wirklich Lust aufs Radfahren hatte ich nicht, was nicht häufig vorkommt. Auf die nassen Straßen und schlammigen Niddawege hatte ich auch keine sonderliche Lust. Es war außerdem kalt und leicht geregnet hat es auch zeitweise. Weit waren wir noch nicht gekommen, da dachten wir so bei uns… „Och“, dachten wir… „kürzen wir die Strecke etwas mit der S-Bahn ab?“ …und so standen wir auf einmal mit mehr oder weniger Hunger in Friedberg und sahen rein zufällig einen Schnellasiaten. Gesättigte 20 Minuten später ging es dann aber endlich mal so richtig los. Drei oder vier Kilometer sind wir bestimmt weit gekommen, bis uns einfiel: „Ein Brot wollten wir doch noch kaufen?“ Also hielten wir an der kleinen Bäckerei am Wegesrand an. Die hatte zwar schon zu, aber rein durften wir trotzdem. Zu dem Brot bekamen wir noch je ein leckeres Käse und Schinkenbrötchen geschenkt und… tja, auf einen heißen Kaffee hatten wir komischerweise auch Lust. Weitere 15 Minuten später ging es nun endgültig weiter. Oder wäre es zumindest gegangen, hätte ich nicht auf die Möglichkeit hingewiesen, an einem Supermarkt zu stoppen und noch Glühwein einzukaufen. Sollte es des Nachts zu kalt werden, wollte ich es immerhin nicht spüren 😉 Gut, also angehalten und Glühwein gekauft… Ihr merkt es? Wir sind kaum vorwärts gekommen und daran merkt man wohl unsere große Freude am Fahren an diesem Tag. Aber es half alles nichts, schließlich wollten wir irgendwann mal ankommen und so gaben wir etwas Gas und machten mal weniger Pausen. Ab jetzt gab es (fast) nur noch welche zum Fotografieren und noch… kurze andere. Mit dem Weglassen der Pause und zunehmender Weglänge kam auch die Freude am Radeln zurück.

Ein komischer Tag war das. Am Ende ging es bergauf und bergab, ständig im Wechsel und daher wurde es etwas langweilig. Wirkliche Berge waren nicht dabei, aber ich für meinen Teil hab lieber einen richtig knackigen und/oder langen Berg vor mir, als dieses ewige Auf und Ab. Deswegen mag ich wohl auch Rumänien so gern: 20 Kilometer bergauf, 20 Kilometer bergab, 30 Kilometer in der Ebene. Das finde ich ehrlich! Gut, also… es ging bergauf und bergab und am Ende musste ich feststellen, habe ich die Strecke und vielleicht auch das Wetter (die Kälte) unterschätzt: ich fuhr mich richtig schön in einen Hungerast rein. Es ging sehr schnell und ich habe es vorher kaum gemerkt: ’s machte ‚bumm‘, meine Beine rasteten ein stellten auf Ruhezustand um. Pfff, und das keine 4 Kilometer vor Gedern. Normalerweise habe ich dagegen ja Süßigkeiten oder Müsliriegel oder sowas dabei, welche ich häppchenweise während er Fahrt esse, aber auf solch einer Strecke habe ich die eigentlich (fast) noch nie benötigt. An dieser Stelle gilt mein Dank der netten Beckerei, denn ihr Käsebrötchen hat mich wieder auf die Beine gebracht, vielleicht auch die kurze Ruhepause beim Essen.

Die wenigen verbleibenden Kilometer brachten wir schnell hinter uns, kehrten aber im nächsten Supermarkt für Gummietiere und einen Tetrapak Kakao ein. Zu dieser Zeit war es bereits gut dunkel und so freuten wir uns denn auch mal irgendwann den Campingplatz erreicht zu haben. Für zwei Personen mit zwei kleinen Zelten fanden wir 15€ noch in Ordnung, das habe ich hierzulande auch schon viel teurer gesehen.

Unsere Zelte, mein Exped Vela I Extrem und sein Salewa Micra standen sehr bald und so schwangen wir uns zum Aufwärmen zügig unter die Dusche. Das tat mal echt gut! Der Primus Omnifuel heizte unseren Nudeln ein und sorgte danach noch für mehrere ordentliche Portion Glühwein.

Die Temperatur lag gegen 21 Uhr bei rund 0°C, eigentlich sollte das für den Strindberg kein Problem sein. Da ich aber Lust auf kuschelige Wärme hatte, füllte ich meinen Ortlieb Wasserbeutel (4 Liter) mit heißem Leitungswasser und hatte somit eine schöne Wärmflasche für die Nacht. Zwei leute, zwei identische Schlafsäcke: mein Zeltnachbar hat auch ohne Wärmflasche nicht geforen. Gefroren hat er nicht, aber die Nacht von einem Gestängebruch geträumt. Auch ich lag da so mir nichts dir nichts in meinen Träumen und sah, wie sämtliche Gestängesegmente meines Zeltes bersten. Fand ich nicht so toll. Ebensowenig gefiel mir in der Nacht rauszumüssen. Mein erster Gedanke als ich im Erwachen furchtbare Geräusche vernahm war denn auch: „Scheiße. Regen.“ Und so zog ich mißmutig den Innenzeltreißverschluss auf und erblickte etwas verdutzt keinen Regen, sondern Schnee sich vor dem Außenzelt sammeln. Merke: Das Vela besitzt am Außenzelt keinen Reißverschluss, stattdessen zieht man dieses mittels Seil hoch und kann so gut aussteigen. Doch wenn man das im Schnee macht, sollte man vorher ruhig mal selbigen kurz abklopfen. Hab ich nicht dran gedacht, trotzdem das Außenzelt hochgezogen und schon hatte ich doch etwas Schnee in der Apsis. Na, so lange er da nicht schmilzt ist mir das recht wurscht.
Bequem wie ich auch noch um 5:30 Uhr morgens bin, habe ich mir erneut meine Wärmflasche mit heißem Wasser aufgefüllt und anschließend bis 8:30 Uhr gemütlich weitergeschlafen. Nach einem kalten Frühstück mit fast gefrorenen Zutaten und der anschließenden Packprozedur ging es nun wieder heim. Vorher dachte mein Mitfahrer allerdings noch einen Kakao zu kochen – in einem Titantopf. Trotz dauernden Rührens ist der Kram massiv angebrannt und nach einer ersten Nase beschloss ich meinen Kakao zu entsorgen. Um den angebrannten Topf werde ich mich noch kümmern dürfen…

Für die spontane Planung der Tour hatte ich nur eine alte Radkarte, auf der der Vulkanradweg leider noch nicht verzeichnet war. Aus diesem Grund sind wir meist Bundesstraße gefahren. Das ging, ist aber nicht der Brüller. Hätten wir gewusst, dass der Vulkanradweg durch Gedern führt, hätten wir ihn auch schon auf der Hinfahrt befahren. So taten wir das nun also auf der Rückfahrt. Berge sind dort ja kaum vorhanden und die Steigungen wirklich minimal. Über eine sehr lange Zeit konnten wir uns nun rollen lassen und die nette Landschaft genießen. Anfangs freilich alles nur vorsichtig, da die Wege zum Teil spiegelglatt waren.

Irgendwelche Überraschungen auf der Rückfahrt? Nöö, glaube nicht. Allerdings haben wir aus Gründen herannahender Dunkelheit irgendwann die S-Bahn angesteuert und an derem Bahnhof habe ich geschlottert wie sonstwas. Irgendwie bin ich echt kälteempfindlich geworden.
Eine große Tour wars nicht, hin und zurück insgesamt runde 120 Ḱilometer. Aber wir habens auch sehr locker angehen lassen und so wurde die kleene Tour nett, kalt und sogar etwas spannend. Für mich wars die erste Nacht mit Zelt im Schnee. Gut, sehr hoch war er nicht – aber er war da 😉

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2 Gedanken zu „Gedern im Winter

  1. Pingback: Exped Vela I Extreme & Exped Venus III « Herrmann is

  2. Hallo ihr zwei 🙂
    Ein schöner Berichtbund eine Super Website, weiter so .
    Gruß aus Berlin
    Nobse
    (Aus den Foren)

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