Zeltratgeber Teil 1: Die Bauform

Mittendrin statt nur dabei. Schlafen an den schönsten Plätzen der Welt.

So im Grunde gibt’s ja zwei Möglichkeiten seine (Rad-)Touren zu bestreiten. Entweder man nächtigt in festen Bauten (Hotels, Pensionen etc.) oder unter (mehr oder weniger) freiem Himmel. Für letzteres ist ein Zelt äußerst praktisch, wobei manch einer auch gern komplett draußen oder unter einem Tarp zu nächtigen vorzieht. Ich bin da eher der Zelttyp. Warum? In erster Linie weil ich bei jedem Wetter einen Schutz vor Insekten haben und bei schlechtem Wetter vor ebendiesem geschützt werden möchte. Um ein wenig Licht in das Zeltdunkel zu bringen, hier nun ein kleiner Leitfaden.
Zeltexperten können den Artikel ggf. überspringen und anderweitig weiterlesen, denn in erster Linie richtet er sich an Ein- und Aufsteiger. Oder aber sie verfolgen meine kleine Zeltserie und teilen uns ihre Gedanken, Ansichten, Verbesserungen etc. als Kommentare am Ende der jeweiligen Artikeln mit.

Zeltformen

Im Großen und Ganzen unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Zeltformen. Dem Tunnelzelt und dem Kuppelzelt.
Kuppelzelte kennt man vom klassischen Iglozelt. Das dürfte wohl die meistgenutzte Form für Billigzelte sein, da sie wohl am Einfachsten aufzustellen sind – sie sind praktischerweise selbststehend. Selbststehend bedeutet im Prinzip nichts anderes, als daß das Zelt, wenn man die Gestänge komplett einsetzt, bereits steht. Ggf vorhandene Apsiden, also mehr oder weniger große Vorräume, müssen in den meisten Fällen jedoch noch zusätzlich abgespannt werden. Selbststehende Zelte sind dort sehr praktisch, wo der Untergrund sehr hart und steinig ist. Wer aber nun denkt er könne auf das Setzen von Heringen oder Abspannleinen komplett verzichten, der ist schief gewickelt, denn das funktioniert nur unter guten Witterungsbedingungen. Kommt Sturm auf, so bedarf ein jedes Zelt einer ordentlichen Abspannung.
Das Iglozelt ist vielleicht der bekannteste Vertreter der Gattung Kuppelzelt, jedoch gibt es in diesem Bereich diverse Bauformen. Oben links auf dem Bild seht ihr z.B. das mittlerweile nicht mehr erhältliche Marmot EOS 2P (ohne Außenzelt), welches mit seinem Bogen im Kopfbereich eine interessante Erscheinung darstellt. Für mehr Kopffreiheit und auch um die Apsiden zu vergrößern/geräumiger zu gestalten und regensicher zu machen, verwenden die Hersteller solche (eher: ähnliche) Bauweisen. Wesentlich geläufiger als solch ein Bogen ist eine simple Firststange. Sie wird bei diversen Zelten verbaut.
Viele Leichtzelte besitzen im Gegensatz zu den einfachen Iglozelten eine Gestängeführung, ählich oben genanntem EOS 2P. Ziel ist eine Materialreduktion, was weniger Gewicht verspricht.

Das Salewa Denali II: ein klassisches Kuppelzelt mit Firststange - und eingebautem Handtuch 😉

Eine Sonderform des Kuppelzeltes ist der sog. Geodät, bei dem sich das Gestänge mehrfach überkreuzt. Diese Zeltform zeichnet sich durch besondere Sturmstabilität aus, allerdings sind sie auch schwerer und langwieriger aufzubauen. Und auch teurer. Für die meisten Leute lohnt sich ein Geodät nicht, bzw. nur dann, wenn sie in ruppigen Gegenden unterwegs sind. Allerdings gibt es auch gut sturmstabile „normale“ Kuppelzelte und ebensolche Tunnelzelte.

Tunnelzelte sind durch ihre Bauform sehr beliebt. Bei einer vergleichbaren Grundfläche des Innenzeltes sind sie in aller Regel leichter als Zelte anderer Art, bieten aber trotzdem mehr Platz. Klingt komisch? Probierts aus. Das Raumgefühl ist durch die (meist) steilen/steileren Wände einfach besser. Klasse sind Tunnelzelte mit einem zusätzlichen Gestängebogen (3 statt 2) und somit einer großen Apsis. Für Gepäck, zum Kochen, Sitzen etc. ist dann allerhand Platz.
Der Aufbau ist eigentlich auch sehr simpel. Das eine Ende muss per Hering(en) fixiert werden, das Gestänge wird komplett eingeschoben und das nicht fixierte Zeltende einfach wie eine Ziehamonika aufgezogen und ebenfalls fixiert. Schon stets, sollte aber noch weiter abgespannt werden. Auch von dieser Bauart gibt es Abwandlungen, wie Expeds Tunnel mit Firststange (also einer Stange, die in diesem Falle senkrecht zu den Hauptstangen verläuft), Vaudes A-Frame oder aber auch ein Einbogenzelt. So richtig tunnelig sehen die beiden letztgenannten Formen aber nicht unbedingt aus.

Ein klassisches Tunnelzelt: Walrus arch rival XV

Von oben genannten Bauarten unterscheiden sich noch Tarps, Tarptents, Giebelzelte und Biwackzelte. Das klassische Giebelzelt ist heute nur noch vereinzelt anzutreffen (z.B. in Form des Robens Summer Wind) und es gibt nur noch sehr wenige Hersteller die welche Anbieten. Biwackzelte sind komfortablere Biwacksäcke. Also grob gesagt sind sie (möglichst atmungsaktive und natürlich wasserdichte) Tüten, in die man zusammen mit dem Schlafsack hineinkriecht und nun wettergeschützt ist. Biwackzelte haben zusätzlich ein klein wenig Gestänge an Bord, um dem Schläfer ein klein wenig (wirklich nur wenig) Platz zu bieten. Tarps sind genaugenommen eigentlich nur Planen mit Ösen aus einem hochwertigen Material. Mit hochwertig meine ich hier ganz einfach Zeltstoffe in Abgrenzung zu den bekannten Gewebeplanen aus dem Baumarkt. Die Dinger sind praktisch, denn sie vermitteln ein starkes „ganz draußen“ Gefühl, sind sehr variabel und (häufig) sehr leicht. Der Wetterschutz ist freilich weit weniger gut als bei einem Zelt und sie eignen sich eher zum Wildcampen als fürs Übernachten auf dem Campingplatz. Schutz vor Insekten bieten sie keinen.
So, zuletzt noch das Tarptent. Dieses versucht eine Brücke zwischen einem Tarp und einem Zelt zu bauen. Außen ein recht normales Außenzelt, innen ein luftiges Innenzelt. Mir erschließt sich das Konzept nur bedingt, da ich eher keine Unterschiede zwischen einem Tarptent und einem luftig gebauten Zelt mit einen hochgezogenen Außenzelt und viel Moskitonetz am Innenzelt sehe.

Am Ende ist es egal für welche Zeltform man sich entscheidet: die reitbare, eierlegende Wollmilchsau wurde auch hier noch nicht erfunden. Jeder Bauart sind verschiedene Vor- und Nachteile zu eigen und die Einsatzbereiche sind extrem unterschiedlich. Eine generelle Empfehlung ist daher weniger angebracht.

Welche Zeltform ich bevorzuge? Das ist schwer zu sagen. Eigentlich mag ich den Vorteil selbststehender Zelte, aber wenn ich mal so über meine Zeltsammlung blicke (Exped Vela I Extrem, Exped Venus III, Walrus arch rival XV & Vaude Deneb, Stand Dez. 2009), so sehe ich nur Tunnelzelte und deren Abwandlungen.

Ein Einbogenzelt, das Vaude Deneb. Die Firststange ist sehr gut zu erkennen.

Ein kleiner Überblick kann vielleicht nochmal helfen die Vor- und Nachteile der beiden wichtigsten Zeltvertreter etwas anschaulicher zu machen. Die Kommentare verstehen sich als Durchschnittswerte bei einer Zeltform, gelten aber natürlich nicht immer. Positive wie negative Ausreißer gibt’s halt immer mal wieder.

Kuppelzelte:

+ selbststehend (mehr oder weniger)
+ häufig zwei Apsiden & Eingänge
+ häufig recht geringe Stellfläche
+ gute Windstabilität (Geodäten sehr windstabil)
– relativ schwer (Geodäten ziemlich schwer)
– teils recht flach zulaufende Wände → weniger Platz, schlechteres Raumgefühl

Tunnelzelte:

+ steile Wände → viel Platz, gutes Raumgefühl
+ leicht
+ teils riesige Apsis
– nicht selbststehend
– manchmal recht hohe Windanfälligkeit von der Seite
– häufig nur ein Eingang

Apsiden

Irgendwie hängt auch die Frage der Apsis/Apsiden (sing./plur.) mit der Zeltform zusammen. Kann/will man auf sie verzichten, so wird entsprechend die Grundfläche des Zeltes kleiner und es lässt sich in unwegsamen Gelände besser aufstellen, bzw. es lässt sich leichter ein Platz für das Zelt finden. Aber dem Ottonormalcamper wird das erstmal ziemlich wurscht sein. Auf Campingplätzen sollte genug Platz, auch noch für eine schön große Apsis vorhanden sein. 😉
Eine große Apsis ist praktisch, zwei große Apsiden sind praktischer. Im Idealfall kann man in ihnen das komplette Gepäck verstauen (ich nehme es ungern mit ins Zelt), sich vielleicht gar noch reinsetzen & die nassen Regensachen ausziehen, kochen etc. Ideal sind hierfür die extralangen (GT) Apsiden verschiedener Tunnelzelte. Kuppelzelte bieten diesbezüglich meist viel weniger Platz. Praktisch bei diesen sind dann zwei Apsiden, was in den allermeisten Fällen auch mit zwei Eingängen verbunden ist. Ist man zu zweit unterwegs, so hat praktischerweise jeder der Zeltbewohner seinen eigenen Eingang und seine eigene Apsis fürs Gepäck.

Was denke ich drüber? Apsiden können kaum geräumig genug sein. Auch wenn ich allein unterwegs bin mag ich durchaus eine zweite Apsis. Eine fürs Gepäck, die andere für den Rest.

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