Zeltratgeber Teil 2: Die Materialien

Silnylon

Materialien

Die verwendeten Materialíen tragen sehr ordentlicht zum Preis eines Zeltes bei. Ein 50€ Zelt kann einfach nicht mit hochwertigen Materialien ausgestattet sein. Ich will jetzt nicht gegen Billigzelte wettern, auch sie können durchaus ihre Einsatzbereiche haben. Für Festivals und Gelegenheitscamper sind sie durchaus zu gebrauchen, wobei sich der Geldbeutel und vor allem auch die Umwelt freuen, wenn man einmal ein paar Euro mehr investiert und sich dann nicht immer wieder ein neues Zelt kaufen muss. Kommen Wind und Regen auf, so freut man sich auch selbst über ein besseres Zelt.
Nun kommt es natürlich stark darauf an, wo, wie und wann man ein Zelt einsetzen möchte. Wer mit einem Discountzelt nach Patagonien fährt, hat selbst Schuld. Andererseits ist ein Hilleberg für eine Italienreise völlig überdimensioniert. Vernünftige Zelte mit ordentlichen Materialien sind schon ab rund 100€ zu haben. Vor allem dann, wenn Zelte wie das Salewa Micra oder Denali II mal wieder irgendwo im Angebot sind. Alternativen und ebenfalls eine gute Qualität findet man bei den Zelten von Decathlon. Für rund 100€ bekommt man auch hier ordentliche Zelte. Zwar darf man von ihnen sicher keine Wunder erwarten, aber ich würde behaupten, dass sie für ein Großteil der Zeltleute ausreichen. Auf meiner Schnäppchenseite weise ich immer wieder auf gute (Zelt-)Angebote hin.

So, nun aber…!

Gewebe

Spannenderweise lese ich nirgends von Problemen mit dem Zeltgewebe bei den großen Zeltherstellern. Klar, zu Löchern und Rissen kann es mal kommen, aber Wassereintritt scheint bei guten Zeltherstellern kein Thema zu sein (aber: siehe Kondenswasser in einem späteren Artikel!). Die beiden gängigsten Gewebearten sind dabei Nylon (Polyamid) und Polyester. Nylon wird in aller Regel silikonisiert, was das Gewebe wasserdicht, UV-beständig und sogar reißfester macht. Das ganze nennt sich dann Silnylon, ist sehr leicht und ordentlich teuer. Polyester wird auf der Innenseite meist PU beschichtet und dann immer nahtbandversiegelt.

Am Ende ist Silnylon der höherwertige Stoff und ich würde ihn dem Polyester weit vorziehen. Allein schon wegen seiner immensen Reiß- und Weiterreißfestigkeit. Kleiner Nachteil jedoch: er dehnt sich bei Nässe etwas und das Zelt sollte dann nachgespannt werden. Manche Hersteller (z.B. Exped oder Wechsel) bieten viele ihrer Zelte mit beiden Gewebevarianten an. Ein Blick auf das Datenblatt (Gewicht und Packmaß) aber auch auf die Preise ist dabei spannend.

Wassersäule

Silnylon: geringe Wassersäule aber natürlich wasserdicht! Hier übrigens das Detailfoto eines Nordisk Tentwings. Gut zu sehen die beiden kräftigen „Ripstopfäden“.

Fragen gibt gibt es häufig bezüglich der Wassersäule. PU-Polyester besitzt in der Regel eine wesentlich höhere Wassersäule als Silnylon. Na und? Silnylon ist in jedem Fall wasserdicht, sofern es nur regnet und meinetwegen auch gleichzeitig stürmt. Die scheinbar geringe Wassersäule ist dabei wurscht. Sie ist nur entscheidend sofern Druck auf das Gewebe ausgeübt wird (wie am Zeltboden). Wollte man Silnylon etwa als Material für den Boden verwenden (was z.T. auch gemacht wird), so ist dessen Wassersäule in der Tat zu gering. Beim Draufknien etc. auf den Boden könnte Feuchtigkeit durch das Gewebe gedrückt werden. Aber wie gesagt, beim Außenzelt ist das wirklich egal. Hier ist die Langlebigkeit des Materials und dessen Beschichtung entscheidend. Was helfen mir 10000mm Wassersäule, wenn sich die wasserdichte Beschichtung nach 2 Wochen vom Trägermaterial löst?!

Ein bauartbedingter Nachteil von Silnylon ist, dass dessen Nähte ab Werk nicht abgedichtet werden können (außer z.T. Bei Vaude, die könnens). Häufig ist das ja aber auch gar nicht nötig, da zum Vernähen des Außenzeltes meist ein baumwollummantelter Polyesterfaden genutzt wird. Bei Feuchtigkeit quillt die Baumwolle auf und und dichtet die Nahtlöcher ab. Ansonsten kann man die Nähte aber auch von Hand mit SilNet, einem speziellen Nahtdichter abdichten.

Tipp zum Gewebe: jedes Camping- oder Trekkingzelt reagiert mehr oder weniger empfindlich auf UV-Strahlung. Optimal ist das Abdecken des Zeltes tagsüber oder gleich der komplette Abbau – was je nach Situation aber recht unpraktisch ist. Die geliebten Strahlen der Sonne zerstören leichte Zeltstoffe in recht kurzer Zeit, möglicherweise schon nach wenigen Wochen. Der Stoff bleicht aus, wird brüchig und lässt sich leicht reißen. UV-Strahlung ist für das Zeltgewebe das, was Sand für Reißverschlüsse und Bluthochdruck für den Menschen: der schleichende Tod.

Sollte nicht, passiert aber durchaus mal: Gestängebruch eines teuren Yunan Scandium-Gestänges.

Gestänge

Carbongestänge ist bahnbrechend… teuer. Wohl auch schweinegut, aber es kostet eben ordentlich.
Günstige Zelte sind mit Glasfiebergestänge ausgestattet. Finger weg. Sie sind schwer, altern und brechen wesentlich leichter als Alu. Alugestänge gibt’s schon relativ günstig, das heißt bei relativ günstigen Zelten. So ab 100€ geht’s dabei los. Natürlich gibt’s auch bei den verschiedenen Alugestängen Qualitätsunterschiede, aber… naja… das Gestänge ist bei den Zelten halt schon dabei und aussuchen kann man es sich eher nicht.

Gewicht

Das Gewicht hängt zum Teil von der Konstruktion und den Extras ab und natürlich massiv von der Zeltgröße. Darüberhinaus wird es aber auch Stark von den verwendeten Materialien beeinflusst. Niedrigeres Gewicht bedeutet nicht zwingend weniger Stabilität – häufig ist das Gegenteil der Fall (siehe beispielsweise sehr leichtes Silnylon, Alu- und Carbongestänge vs. Fieberglas). Irgendwann stoßen die verwendeten Materialien oder Konstruktionen aber an die Grenze des sinnvollen Leichtbaus. Dann leidet z.B. die UV-Beständigkeit des Stoffs unter den Gewichtsvorgaben oder auch ein vernünftiges Maß an Komfort geht flöten.

Also eigentlich sind das jetzt alles Sachen gewesen, die man dutzendfach und ganz leicht im Netz findet. Meine ganz eigenen Erfahrungen kommen in den folgenden Zeltratgeberartikeln.

Obiges aber nochmal kurz zusammenfassend:
Die Zeltform (siehe: Zeltratgeber Teil 1: Die Bauform) ist weitestgehend Geschmackssache, hier hat jeder seine speziellen Vorlieben. Trotzdem finde ich toll: möglichst freistehend mit sehr steilen Wänden, zwei großen Apsiden und Eingänge. Das Außenzelt besteht aus Silnylon und das Gestänge aus (hochwertigem) Aluminium. Und der Boden ist natürlich sehr robust und weißt eine hohe Wassersäule auf, so ab 7000 oder 8000mm.

Das sind Angaben, die man in jeder Produktbeschreibung finden sollte, aber natürlich nicht die einzigen Kriterien auf die man bei einem Kauf achten sollte…

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Ein Gedanke zu „Zeltratgeber Teil 2: Die Materialien

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