Zeltratgeber Teil 4: Von lütten Dingern und fetten Brocken

EOS 2P & Micra: fast identische Maße, das Micra besitzt aber das wesentlich bessere Raumgefühl. Das EOS ist nur solo zu empfehlen.

[Maße & Gewicht]

  • Innenzeltlänge
    Große Apsiden sind toll, ein geräumiges Innenzelt aber auch. Wie groß dies sein soll hängt natürlich in erster Linie vom Geschmack der Bewohner ab – und natürlich auch von deren Anzahl und Körpervolumen. Die meisten Zelte haben eine Innenzeltlänge von 200-230cm. 210-220cm sind wohl die häufigsten Werte. Da die Hersteller aber nicht dumm sind, geben sie die Innenzeltlänge direkt am Boden an. Sinnvoller wäre aber sie z.B. in 30cm Höhe zu erheben, da zumindest ich nicht einfach nur ein Strich, bzw. eine Fläche bin, sondern auch beim Liegen durchaus eine gewisse Höhe aufweise. Verlaufen die Zeltwände nun nicht senkrecht zum Boden, so hat man in 30cm Höhe teilweise schon ordentlich weniger Platz. Unangenehm natürlich für große Leute oder solche mit dickem (Winter-)Schlafsack. Die stoßen einfach an. Eine Empfehlung für die nötige Länge erspare ich mir, das ist individuell zu unterschiedlich und sollte in jedem Fall mit der verwendeten Isomatte und dem Schlafsack ausprobiert werden. Lange Solocamper können sich in ein relativ kurzes Zelt auch schräg legen. Zu zweit… naja, nicht immer.
  • Innenzeltbreite
    Ähnlich individuell verhält es sich mit der Innenzeltbreite. Viele Hersteller nehmen als Maß für die empfohlene Personenzahl einfach die Zeltbreite und teilen sie durch eine gewöhnliche Isomattenbreite. Ein 170cm breites Zelt passt demnach für 3 Personen (=170/55). Diese Angaben verstehe ich aber erstmal nur als grobe Richtschnur. Sinnvoll erscheint mir vielmehr von der vom Hersteller empohlenen Einwohnerzahl eine Person abzuziehen, gerade wenn das Zelt nicht nur zur Übernachtung dient, sondern man auch mal einen oder mehrere Regentage drin aushalten muss. Und im Winter gelten sowieso wieder andere Anforderungen an den Platz. Wichtig ist insgesamt aber nicht nur die Zeltbreite, sondern auch das…
  • Raumgefühl
    Was wurde am Ende aus der zur Verfügung stehenden Grundfläche nach oben hin (Richtung Kopf) gemacht? Optimal ist hier einfach eine Quaderform, denn sie bietet massig Platz sich zu bewegen. Ein Quaderförmiges Zelt? Das gibt’s näherungsweise bei manchen Hauszelten oder vorm Wohnwagen. Bei Trekkingzelten hingegen nicht.
    Auch hier gilt: ob man sich luftig und frei fühlt, oder eingequetscht wie eine Sardine in Öl, sollte im Zelt mit der dafür gedachten Personenzahl ausprobiert werden. Förderlich für ein gutes Raumgefühl ist ein helles Innenzelt (und Außenzelt).

    Platz fürs Gepäck im Salewa Ultima II? Für zwei Leute sehr wenig.

  • Innenzelthöhe
    Länge und Breite hatten wir, das Raumgefühl auch. Was bleibt ist die Höhe des bewohnten Raumes. Eine pauschale Aussage von 95cm sagt erstmal wenig aus. Ähnlich wichtig wie die Höhe ist über welchen Bereich die angegebene Höhe auch eingehalten wird. Ein pyramidenförmiges Zelt mit 95cm Höhe ist praxisuntauglich, ein Quader mit 95cm schon echt gut. Wenn die veranschlagten Personen im Zelt gleichzeitig aufrecht sitzen können, ohne am Himmel anzustoßen und sich auch bequem umziehen können, sollte alles im grünen Bereich sein. Ausprobieren ist auch freilich hier am Besten.
  • Gewicht
    Beim Wandern ist das Gewicht des Zeltes mit ein überragendes Kriterium. Es macht einfach einen Unterschied, ob man ein UL-Zelt mit schlappen zwei Kg zu zweit durch die Gegend trägt oder ein 5Kg Geodät durch die Landschaft wuchtet. Bin ich ein Wanderer? Nein, ich bin ein Radfahrer und entsprechend ist mir das Gewicht erstmal recht wurscht. Ein Komfortgewinn ist mir durchaus ein Mehrgewicht wert, ein einfacher und schneller Aufbau auch. Komfort heißt für mich erstmal: Gute Apsiden, angenehm großes Innenzelt und funktionelle Details. Um die Kriterien unterwegs zu genießen muss ich nicht gleich mein Exped Venus III dabei haben, Platz fürs Gepäck in den Apsiden und welcher zum gut umziehen können langt mir da schon. Ich mags halt einfach nur nicht so extrem gedrängt und ölsardinig. Zum Vergleich: mein Exped Vela I langt mir vom Platz in der Apsis super.
    Lange Rede kurzer Sinn. Mein Tipp: Setzt ihr das Zelt nicht auf Wanderungen ein, sondern vorrangig auf dem Rad oder mit dem Auto, so pfeift auf das kg weniger das auf dem Träger lastet. Freut euch lieber über mehr Komfort (an Regentagen lernt ihr ihn zu schätzen!) und das gegenüber dem UL-Zelt gesparte Geld und investiert es anderweitig.
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