Zeltratgeber Teil 5: …und übrigens!

 

[Der ganze Rest]

Kleinigkeiten mit großer Wirkung

Es sind die großen Sachen, die aus einem Zelt ein gutes Zelt machen: Wetterstabilität, Platzangebot, Haltbarkeit etc. Nebenbei kann ein Zelt aber auch verschiedene Kleinigkeiten aufweisen, die das Leben in ihm angenehmer machen

[Praktisches Zubehör]

Das Zelt wird ausgepackt. Welches Zubehör ist dabei? Ein Ersatzsegment fürs Gestänge? Nein, das ist auch wirklich selten. Aber immerhin eine Reparaturhülse für selbiges ist? Dazu noch (farblich passende) Flicken für jeden verwendeten Zeltstoff? Eine Anleitung für den Aufbau und die Pflege? Nahtdichter? Ausreichend Abspannleinen und ordentliche Heringe? Ersatzschlitten für die Reißverschlüsse? Ersatzschnallen? Nur wenige Hersteller liefern solch umfangreiches Zubehör mit.Standardheringe, Leinen und eine Anleitung sind das absolute Minimum und ich habe, meine ich, noch nie gehört, dass das nicht mitgeliefert wurde. Flicken und eine Reparaturhülse sollten durchaus sein. Ein darüberhinausgehender Lieferumfang ist klasse. Am Ende ist fehlendes oder schlechtes Zubehör aber eher ärgerlich als ein Grund ein liebgewonnenes Zelt nicht zu kaufen. Zubehör gibt’s immerhin reichlich am Markt und kann für recht wenig Geld extra erworben werden.
Das Zelt wird wieder eingepackt. Passt es in den Aufbewahrungsbeutel? Von früher und von billigen Zelten kenne ich es: der Zeltsack ist viel zu klein und das Zelt nicht mehr oder kaum noch drin unterzubringen. Murks! Aber auch heute findet man dieses Phänomen durchaus noch, so wie ich bei meinem alten Northland Quito II (Jahrgang ~2006 oder 2007). Auspacken, Einpacken… da fehlt doch noch was?

[Gelungener Aufbau]

Gute Leinenspanner! Hier beim Wechsel Pathfinder ZG.

Der Aufbau gestaltet sich umso schöner, je einfacher und schneller er klappt. Variable Spannpunkte sind opimal. Man kann fein mit dem Hering in

der Gegend herumstochern, bis man eine Ecke ohne Stein erwischt. Super: Exped und die verstellbaren Schlaufen & Marmots mehrfach gelochte Gurtbänder! Verlierer: Salewas Ultima II/Micra ohne verstellmöglichkeit.Ob man nun eine Gestängeführung mit Klippsen oder Gestängekanälen den Vorzug gibt, ist m.E. Geschmackssache. Klippse sollten gut funktionieren (Marmot super, Salewa in Ordnung), die Gestänge gut durch die Kanäle gleiten. Optimal sind geschlossene (nicht geteilte) Gestängekanäle, da einfach handzuhaben, und ein totes Ende derselben. Das erspart das Einfädeln des Gestänges am anderen Ende des Kanals. Ob nun das Innenzelt zuerst oder Innen- und Außenzelt gemeinsam aufgestellt werden sollen, ist Geschmacks- und Wettersache. Beides hat seine Vor- und Nachteile, die bereits beschrieben wurden.Ist das Zelt mit Gestängekanälen ausgestattet, so wird es durch das beidsetitige Einspannen der Gestänge aufgestellt. Bei manchen Zelten (z.B. Wilderness Equipment Dart I) benötigt man aber richtig Kraft zum Spannen des Gestänges und Fixieren am Zelt.

 

Gestängekanäle können ganz unterschiedlich ausgeführt sein. In den meisten Fällen verlaufen sie, sofern das Innenzelt nicht zuerst aufgebaut werden muss, außen am Außenzelt und bieten somit eine Angriffsfläche für den Wind. Flachkanäle haben hier Vorteile, ebenso wie innen am Außenzelt verlaufende Gestänge. Letztere sind beim Aufbau allerdings schön unpraktisch. Wohlgemerkt sind hier nicht am Innenzelt angebrachte Gestängekanäle gemeint, die im aufgebauten Zustand ja letztlich auch innen am Außenzelt verlaufen. Was ein Wortkuddelmuddel.
Nochmal zum Gestänge. Fiberglas taugt nichts und ist auch nervig in der Handhabung, da die Übergänge zwischen den Segmenten meist (immer?) mit Hülsen versehen sind – und diese stehen über und bleiben gern an den Gestängekanälen hängen. Das ist besonders geil, wenn die Kanäle dann nichtmal durchgehen sind. Aaargh! Ich hab mal ein Nordisk Karoo aufbauen müssen. Meine Fresse, war das ein Akt!
Alugestänge haben meines Wissens immer einen ziemlich glatten Übergang zwischen den Segmenten und lassen sich sehr gut handhaben. Und wo wir gerade schonmal bei Alu sind:

Die mitgelieferten Heringe sind in den meisten Fälle Universalheringe von mehr oder weniger ordentlicher Qualität. Mir geht nichts über die Easton-Nägel, die ich bislang immer gut einsetzen konnte und deren hoher Preis sich mittlerweile relativiert hat. Sollte man aber nicht gerade im Sand oder Schnee unterwegs sein, so langen die Standardheringe erstmal aus.
Wichtig für den guten Stand und die Sturmstabilität eines Zeltes sind die Abspannleinen. Prima ist es dann, wenn das Zelt mehr Aspannpunkte als nur zwei (Salewa Micra/Ultima II) bietet und diese möglichst direkt an den Gestängekanälen greifen. Als perfekt möchte ich Expeds Leinen bezeichnen. Exped verwendet dafür einen Kern aus Dyneema, dessen Mantel aus Polyester besteht. Zudem ist die von einem stark lichtreflektierendem Silberfaden durchzogen, den man auch bei Dunkelheit und Lichteinfall sehr gut erkennen kann. Komplettiert wird das ganze dann durch die sehr sinnvollen Tensionlocks und Cord Stuffsacks. In letzteren kann man die Leinen hervorragend und verknotungsgeschützt verstauen. Die Exped-Sachen könnt ihr euch hier mal näher anschauen.
Praktisch schon zur Basisausstattung gehören im IZ Taschen und Schlaufen. Die Taschen sind wunderbar, um verschiedene Kleinigkeiten aufzunehmen, an die man im Zelt häufiger mal dran muss und die Schlaufen dienen beispielsweise zur Befestigung einer Lampe oder Wäscheleine oder eines Gearlofts. Hinter diesem schönen Namen verbirgt sich einfach eine Ablage, die in den Zelthimmel eingeknüpft werden kann. Das ist vor allem dann praktisch, wenn das Zelt auch die nötige Höhe aufweißt, um sich auch sitzend und mit befülltem Gearloft nicht ins Gehege zu kommen. Optimal ist eine Extratasche für die geöffnete Innenzelttür – dort ist sie schneller verstaut als, wie meist üblich, zurückgebunden.
Beim Salewa Ultima II und beim Micra hatte ich stets das Problem, dass sich der Außenzeltreißverschluss im Außenzeltstoff verklemmt hat. Das ist vielleicht nervig! Ähnlich nervig kann es sein, wenn man sich zum Öffnen der Apsis gaanz weit in selbige hineinlehnen muss, um eben jenen Außenzeltreißverschluss zu erreichen (wie ich es beim Marmot EOS 2P erleben durfte). Ist der Apsisboden nass, so ist man es fortan auch. Hat das Außenzelt Kondenswasser angesetzt, so wird man obendrein von oben nass. Besagter Reißverschluss war am EOS 2P hingegen gut gelöst, da wassergeschützt. In dessen Umgebung gab es einfach keinen Stoff, der sich hätte in ihm einklemmen können. Dafür lief er schon von vornherein etwas schwergängig.

Zeltshow: li. & re. Exped-Zelte mit sehr praktischen Packsäcken.

Wo wir gerade beim Reißverschluss sind… kommen wir zu den Türen. Super natürlich, wenn zwei auf gegenüberliegenden Seiten vorhanden sind, denn dann kann eine immer auf der windabgewandten Seite liegen. Große, variable und zur Lüftung gut geeignete Türen sind optimal. Ist auch die Innenzelttür schön groß, ist alles im grünen bereich. Manche Hersteller lassen die IZ-Türen nach unten aufgehen – ich hoffe das ist eine aussterbende Sitte: öffnet man diese Tür, liegt sie im Dreck.

Nun, wie werden die Türen verstaut? Haben sie eine extra Tasche finde ich das erstklassig, sofern man sie noch zusätzlich befestigen kann. Wobei das dann nur noch beim Ausschütteln des Zeltes sinnvoll ist. Die Tür bleibt dann weiterhin fixiert und fliegt nicht aus der Tasche heraus und landet auch nicht im Dreck.
Viele Zelte haben Türen, die zum Teil aus Moskitonetz bestehen (bessere Lüftung), bei denen solche Flächen aber auch abgedeckt werden können (besserer Schutz gegen Wind im Inneren). Abdeckbare Moskitonetzflächen drücken zwar etwas aufs Gewicht, sind aber sehr empfehlenswert. Moskitonetz im Innenzelthimmel? Das bietet kein Schutz vor tropfendem Kondenswasser!

So, das war jetzt einiges aber sicher und natürlich nicht alles über die mobilen Unterkünfte. Ergänzungen können immer gern als Kommentar gesendet werden…

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