Test: Therm-a-Rest NeoAir

Und hier nun das tolle Ventil in Großaufnahme.

Therm-a-Rest NeoAir

Die Neue ist da

Diesmal habe ich bei den Bergfreunden zugeschlagen und mir aus lauter Lust und Gier zwei feine Sachen gegönnt. Im Zuge meiner Zeltsammlungsverkleinerung habe ich aus zwei alten ein neues Zelt gemacht (dazu in Kürze mehr) und mir eine feine Schlafunterlage gegönnt. Manch einer wird meine Neue anhand der Bilder identifizieren können, ansonsten hat ja wohl eh jeder die Überschrift gelesen, oder? Aber tun wir mal so, als hätten wir dies nicht getan, betrachten einstweilen das Bild links und versuchen zu erraten, welche Produkte auf dem Bild links zu sehen sind.
Rechts das fette Ding, klar, das ist eine Ortlieb Classic Isomatte in 3,8cm Stärke. Ebenso dick ist die Exped SIMlight 3,8, die sich dafür aber beim Packen halbieren (knicken und dann rollen) lässt. Leichter ist sie obendrein ein ganzes Stück und viel angenehmer auf der Haut. Ganz links das rote Päckchen werdet ihr erstmal nicht erkennen, darin steckt ein „Therm-a-Rest FL Lite Seat“ also ein, mit 30€, ziemlich teures Sitzkissen. Rechts daneben das Teile habe ich bereits vorgestellt, das ist das „Kaikkialla Bone Shape Pillow“, ein Kopfkissen eben (und nur mal unter uns: das Sitzkissen ist das für mich viel bequemere Kopfkissen).

Neue Luft – was ist das?

In der Mitte, das ist die Neue. Meine niegelnagelneue Therm-a-Rest NeoAir in der größe regular – also im Quasistandard ~183×51, der Größe, die auch die beiden anderen Isomatten haben. Vielen von euch wird die NeoAir schon ein Begriff sein, soo neu ist sie mittlerweile nicht mehr, aber allen anderen sollte ich sie nochmal kurz vorstellen. Die NeoAir ist eigentlich keine wirkliche Isomatte, es handelt sich bei ihr schlicht um eine Luftmatratze – aber um was für eine, die wohl teuerste der Welt. In der Größe regular liegt ihre UVP bei 129,95€, wählt man sie kleiner kann man ein paar € sparen, für die Luxusvariante ein paar drauflegen. Nun, von einer normalen Luftmatratze unterscheidet sich die NeoAir in erster Linie durch ihren intelligenten Aufbau. Betrachtet man sie im seitlichen Profil, so findet sich in ihrem Inneren, horizontal mittig, eine Folie, die durch V-förmige Kammern mit der Ober- und Unterseite der Matte verbunden ist. Durch reflektierende Beschichtungen ergeben sich ähnlich wärme- und kältereflektierende Eigenschaften wie bei einer Rettungsdecke. Zudem behindert diese Schicht und die V-Kammern etwas den Luftaustausch im Inneren und so ergibt sich eine recht ordentliche Isolation, die für Temperaturen im positiven Bereich normalerweise ausreichen sollte. Wird es kühl(er), kann man noch z.B. noch eine „richtige“ Isomatte (z.B. aus EVA) unterlegen. Packmaß- und Gewichtsvorteil schwinden dann dahin, aber bequem wird’s auf alle Fälle. Gut, nur für ein bisserl Isolation und Bequemlichkeit gebe ich keine 130€ aus. Für weit weniger Geld bekomme ich echt gute Isomatten. Was die NeoAir ausmacht sind in erster Linie ihr extrem geringes Gewicht, meine wiegt ohne Packsack 399g, und das äußerst kompakte Packmaß. Die Symbiose aus diesen Daten, ihrer Bequemlichkeit und der Fähigkeit wie eine dünne Isomatte zu isolieren, macht sie zu einer außergewöhnlich guten Entwicklung.
Soviel erstmal zur Theorie. Die Praxis besteht bisweilen lediglich aus dem Ausprobieren während mancher Indoornacht und normalem Probeliegen, aber das hat schon echt Spaß gemacht und Vorfreude auf die nächste Nacht einer Tour geweckt.

Dankenswerterweise war meine Bestellung schnell bei mir eingetroffen und mit großem Vergnügen packte ich meine Neuigkeiten aus. Die NeoAir hatte ich schon häufiger im Laden gesehen und auch schon mal probegelegen, trotzdem war ich gespannt sie auszutesten. Mit ihr im Karton befanden sich zwei Anleitungen, eine davon eher mit Tipps versehen, dazu gabs noch einen selbstklebenden Flicken. Eigentlich hätte auch noch ein Packsack mit dazugehört, der fehlte aber dieser Matte. Macht nix, eine Mail an die Bergfreunde und der Sack war am kommenden Tag bei mir daheim – super Service, besten Dank! Noch dazu haben sie mir quasi einen Tuningsack geschickt, den man sich zwar separat dazukaufen kann (12,95€), im original Lieferumfang befindet sich meines Wissens jedoch ein einfacherer Beutel. Apropo: Therm-a-Rest empfiehlt die Matte stets in einem Packsack zu transportieren, um Beschädigungen vorzubeugen. Wer die Matte einmal angefasst hat, tut das sicher auch freiwillig. Zwar erscheint sie durchaus robust, dennoch ist das verwendete Material wirklich extrem leicht und entsprechend vorsichtig sollte man es auch einfach behandeln. Ebenso empfiehlt der Hersteller grundsätzlich eine Unterlage zu verwenden. Im Zelt ist das natürlich der Innenzeltboden, außerhalb, oder bei einer Nacht unter einem Tarp, könnte das eine dünne EVA-Matte sein, das Footprint des Zeltes oder ähnliches.

Pusten und Schlafen

Anders als sich selbst entfaltende Isomatten, muss man diese hier von Beginn an und komplett aufblasen, ich benötige dafür 13-15 kräftige Atemstöße, Therm-a-Rest gibt 20 an. Bei meiner SIMlight 3,8 haben am Ende nur drei gereicht, das war wesentlich komfortabler. Allerdings nehme ich das Pusten für den immensen Schlafkomfort der NeoAir gern in Kauf, zumal der Hersteller auch bei dieser Matte sein hervorragend arbeitendes Ventil einsetzt, dessen Handhabung erstklassig funktioniert und welches einen wirklich großen Luftdurchfluss erlaubt.
Nachdem man die 6,3cm dicke Matte aufgepustet hat, kann man sich auf ihr drehen und wälzen – herrlich. Klar, in meinem Bett schlafe ich besser, aber auf ihr zu nächtigen ist schon echt nicht übel. Früher, auf meinen Isomatten, sind mir immer mal wieder die Arme, Hände und Finger eingeschlafen undmanchmal haben mir die Knie geschmerzt, da ich offensichtlich sehr spannende Liegepositionen während des Schlafes annehme. Unpraktischerweise wachte ich dadurch ständig auf. In meinen Probeschlafperioden gabs dergleich auf der NeoAir nicht.

Sehr ungewöhnlich und ungewohnt erscheint das Knistern, welches die Matte bei jeder festeren Berührung von sich gibt. Als ich sie das erste Mal im Laden sah und prüfend befühlte, hielt ich das für einen schlechten Scherz: Da sollte jemand drauf einschlafen können? Legt man sich jedoch auf die Matte drauf und setzt sie so unter Druck, schaltet man das Geräusch sogleich aus. Beinahe zumindest.
Wacht man nun nach einem tiefen Schlaf erholt und ausgeruht auf, geht es alsbald an das Ablassen der Luft aus der Matte. Entsprechend ihrer Luftmenge dauert das etwas länger, als bei den meisten herkömmlichen Matten. Wenn ich noch auf der Matte liege, öffne ich einfach das Ventil und ein guter Teil der Luft geht schon aus der Matte raus. Das wird mich auch daran hindern noch weiter gemütlich im Zelt rumzugammeln 😉 Dann rolle (klappe passt besser) ich sie wie gewohnt zusammen – mit geöffnetem Ventil versteht sich und drücke möglichst viel Luft dabei heraus. Anschließend entfalte ich sie wieder, schlage sie der Breite nach zwei Mal zusammen, drittele also die Breite und rolle sie dann einfach zusammen. Nach dieser Prozedur ist sie fertig für den Packsack und geht leicht und ohne zu murren hinein. Dabei besitzt sie folgende Maße (alles ca. Angaben): 20x10cm (1,5 Liter, 415g). Hierzu im Vergleich die Ortlieb mit 55x13cm (7,3 Liter, 1187g) und die Exped mit 28×16 (5,6 Liter, 869g). Und da ich ohnehin schon mal die Luftmatratze mit Kopf- und Sitzkissen verglichen habe, das Sitzkissen kommt auf 16x6cm (0,42 Liter, 105g) und das Kopfkissen auf 19x8cm (0,95 Liter, 140g) – alle Angaben inkl. Packsack/Packriemen.
Größenmäßig reiht sich die NeoAir also eher bei den Kissen als den den Matten ein. Die relativ klein verpackbare Exped besitzt immerhin ein knapp vier Mal größeres Volumen und nebenbei auch ein mehr als doppelt so hohes Gewicht, die Ortlieb ist gar beinah drei Mal so schwer.

Am Ende

Zusammenfassend erwirbt man mit der NeoAir eine Luftmatratze mit folgenden Eigenschaften:

+ ultrakleines Packmaß
+ sehr leicht
+ sehr bequem
+ ausreichende Isolierung
+ tolles Ventil

– sehr teuer
– Aufblasen per Lungenkraft langwieriger und anstrengender als bei Isomatten
– ultraleichte Materialien verlangen erhöhte Vorsicht
– im Freien ist stets eine Unterlage notwendig
– über mehr als nur einen Flicken im Lieferumfang hätte ich mich schon gefreut

Mit der NeoAir erhält der Käufer schon eine recht spezielle Isomatte/Luftmatratze, über deren einzigen, echten Nachteil man sich im Klaren sein sollte: sie ist empfindlicher als die meisten gängigen Matten. Die vielen Vorteile und der jeweilige Vorsprung in diesen Punkten im Vergleich zu anderen Matten, macht sie jedoch zu einem tollen Kauf – für den, der es sich leisten will und eher vorsichtig mit ihr umgeht.

Und mein Prädikat?

Sehr empfehlenswert

NACHTRAG

Nachdem ich nun viele, viele Nächte auf dieser exzellenten Matte genächtigt haben, werde ich obige Vorstellung natürlich noch durch meine Praxiserfahrungen erweitern.

Gefreut habe ich mich stets über das süße Packmaß der Matte. Im Rucksack oder auch in den Radtaschen fällt der kleine Beutel praktisch nicht auf, von daher ist es durchaus ein Glück, dass der Packsack (allerdings nicht das Original) im ähnlich schönen Grün wie die Matte erstrahlt. Einfach zum leichten wiederfinden. Es ist schon erstaunlich, wie man mit solch kleiner Ausrüstung plötzlich mehrere Tage unterwegs sein kann und das Zelt und alles drumherum in einen kleinen Rucksack bekommt. Mein Shangri-La 3 passt mit der NeoAir und einem Mountain Equipment Helium 250 Schlafsack gut in einen Osprey Kestrel 38 – und dann sind noch gute 2/3 Luft im Rucksack! Dies und das geringe Gewicht sind erstmal beeindruckend.
Etwas nervig ist und bleibt das Aufpusten der Matte und bleibt für mich der einzige wirkliche Haken an der Sache. Dennoch nehme ich das sehr gern in Kauf, denn der Schlafkomfort ist äußerst hoch. Seit dem hatte ich (fast) keine eingeschlafenen Arme und gar keine schmerzenden Schultern mehr. Super, nun gehe ich die Tage ausgeruhter mit mehr Gepäck an! Ausgeruht kann ich auch sein, weil mich das leichte Knistern der Matte nicht stört. Zwar hatte ich schon mitreisende denen es etwas auffiel, aber tragisch hats keiner gefunden. Zum Glück verschwindet das Knistern auch beinah wenn die Matte belastet wird, unbelastet kann sie das schon recht laut.
Zu guter Letzt: Das Zusammenpacken der NeoAir ist ein Kinderspiel und dauert kaum länger (wenn überhaupt) als bei einer „normalen“ Isomatte.
Zu guter Allerletzt: Nach anfänglicher Skepsis bezüglich der Haltbarkeit habe ich schnell gemerkt, dass die absolute Vorsicht mit und auf der Matte nicht nötig zu sein scheint. Auch nach 8 wöchiger Nutzung ist kein Problem und kein Verschleiß zu erkennen.

Trotz des hohen Preises war die Matte ein Hammerkauf!

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3 Gedanken zu „Test: Therm-a-Rest NeoAir

  1. Hey, guter Testbericht und bestätigt auch das, was ich von der Matte denke. Spiele zur Zeit mit dem Gedanken sie mir zuzulegen. Meine ausschlaggebenden Kriterien sind Gewicht und Packmaß.
    Zu der Geschichte mit dem Aufpusten: Gibt es dafür nicht einen speziellen Pumpsack (zumindest bei der All Season). Der soll zwar noch ausbaufähig sein aber eventuell eine Lösungsmöglichkeit?

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