Test: Marmot Twilight 2P

Klasse: Klippse und hochwertiges Gestänge.

Marmot Twilight 2P

Für unseren Sommerurlaub, wir werden 6 Wochen mit dem Rad durch Rumänien touren, plante ich den Kauf eines freistehenden Zeltes. Die übrigen Anforderungen waren recht klar: zwei Apside, das möglichst luftige Innenzelt sollte zuerst aufgebaut werden können, Gewicht und Packmaß sollten gering, bzw. klein sein. Bei diesem Anforderungsprofil bleiben eine ganze Reihe Zelte über. Am Ende ist es das Marmot Twilight 2P geworden, es schien meine Wünsche prima abzudecken. Für zwei Personen bietet das Innenzelt eine geräumige Breite (Grundfläche) und erfüllt auch sonst alle gewünschten Anforderungen. Zudem weckt ein orangefarbenes Marmot-Zelt nunmal einfach schöne Erinnerungen an meinen letzten Rumänienurlaub. Da zudem auch der Preis gestimmt hat und für 219€ sogar ein Footprint zum Lieferumfang gehört, war die Entscheidung gefallen. Zusammen mit meiner Therm-a-Rest NeoAir hatte ich es mir bei den Bergfreunden bestellt und ruckizucki traf beides bei mir ein.
Für einen Testaufbau räumte ich kurzerhand mein Zimmer um, eigentlich lag ich nämlich mit Fieber im Bett, und konnte es kaum erwarten das Zelt zusammenzubasteln und aufgebaut zu sehen.

Der Aufbau

Eigentlich ist der Aufbau vollkommen banal: Das Innenzelt wird ausgelegt (optional das Footprint untergelegt) und mit Heringen fixiert. Da das Zelt selbststehend ist müssen die Heringe nicht gesetzt werden, der Aufbau ist mit ihrer Hilfe jedoch noch etwas einfacher. Nun wird das Gestänge zsammengesteckt – uff, das macht keinen sonderlichen Spaß. Das Gestänge besteht aus sechs Strängen (schaut euch hierzu mal die Bilder an), die alle miteinander verbunden sind. Das ist nun ein ziemliches Gefummel beim Auf- wie beim Abbau. Die Gestänge müssen erstmal sortiert und dann zusammengesteckt werden. Was das fummelig macht ist die gebotene Vorsicht die man dabei aufbringen sollte, denn ein Zusammenschnappen der Gestängesegmente sollte ja vermieden werden – es könnte den einzelnen Segmenten Schaden zufügen!

Schickes Gerüst.

Aber irgendwann, so lange dauert es nun auch nicht, hat man die Gestänge zusammengesteckt und kann sie nun in die jeweils farblich passenden Ösen an den Zeltecken/-seiten stecken. Vor einem liegt nun ein Innenzelt auf dem Boden und über ihm befindet sich ein Gestängegerüst. Jetzt kommt mein marmottypischer Lieblingsschritt, nämlich das Einhängen des Innenzeltes in eben jenes Gestängegerüst. Warum mir das bei Marmot so viel Spaß macht? Die Clipse sind einfach klasse und wesentlich praktischer in der Handhabung als die der Konkurrenz. Ist das geschafft, wir einfach noch das Außenzelt drübergeworfen und an den vier Ecken am Innenzelt fixiert. Im Gegensatz zum Zelt an sich, sollten die Apside abgespannt werden… sonst hängen sie einfach schlaff herab. Und nebenbei: auch ein selbststehendes Zelt sollte nach Möglichkeit gut abgespannt werden, denn das Wetter kann immer mal schnell umschlagen und ein nicht verankertes Zelt steht nun mal alles andere als sicher im Wind.

Konstruktion & Komfort

Die Gestängeführung des Twilight ist schon sehr einzigartig. Das eigentliche Gerüst findet man zwar in sehr ähnlicher Weise auch bei vielen anderen Zelten (MSR Hubba Hubba, Salewa Ultima II etc.), deren Firststange ist beim Twilight allerdings extrem lang ausgeführt und reicht beiderseitig bis zum Boden. Stabiler ist diese Konstruktion sicherlich, schwerer aber auch. In erster Linie soll sie aber für Platz und Volumen im Innenzelt sorgen, ohne sie hätte man von der Art her eher ein Einbogenzelt, wie das Marmot Eos 1P (beinahe) eins ist. Kopffreiheit sucht man da vergebens.

Wo wir schonmal beim Platz sind, das war beim Twilight meine größte Enttäuschung. Trotz der großen Grundfläche bietet das Marmot ein sehr schlechtes Raumgefühl. Im gesamten Fußbereich ist das Sitzen für mich (~182cm) nicht möglich und im Kopfbereich unbequem. Platz für den Kopf bietet es eigentlich nur dort, wir die Firststange verläuft, ansonsten fallen die Wände zu stark ab, um bequem sitzen zu können. Schade, schade, schade. Die Liegelänge ist übrigens auch nicht berauschend. auf dem Foto stoße ich mit meinen Haaren gerade am Innenzelt an, so viel Platz haben die Füße dann nichtmehr.

Mit Affenarmen ist man klar im Vorteil.

Kommen wir zu den Apsiden. Sie bieten relativ viel Platz, sind aber insgesamt recht niedrig gehalten. Im Prinzip kann man es sich so vorstellen, dass die mittig sitzende Hauptstange (vom Kopf zum Fußbereich verlaufend) den höchsten Punkt des Zeltes ausmacht. Von diesem fällt das Zelt seitlich nur noch ab und so kommt es, dass die Apsis bereits an den Seiten des Innenzeltes merklich an Höhe verloren hat (was bei vielen Konstruktionen aber auch normal ist). Die Apsiden laufen nun weit und flach zu – sie sind rund 90cm tief. Störend hieran ist eigentlich nur die Bedienung der Reißverschlüsse, denn um an sie von innen heranzukommen, muss man sich schon gehörig weit aus dem Zelt lehnen, was bei schlammigem Boden unpraktisch ist und vom kondenswassernassen Außenzelt stets mit einer unfreiwilligen Dusche quittiert wird. Das ist nicht schön.

Wetterschutz

Ebensowenig schön ist, dass bei Regen und geöffnetem Außenzelteingang Wasser ins Innenzelt tropfen kann. Regen… Wind… darauf steht das Zelt nun gar nicht. Vornweg aber erstmal: dieses Kapitel gibt Erfahrungswerte mit dem Marmot EOS 2P wieder, welches dem Twilight aber in einiges konstruktiven Details gleicht. Auch dieses hatte die Affenarmapsis, auch dieses bestand zum Großteil aus Moskitonetz, auch dieses hatte ein extrem hoch geschnittenes Außenzelt… Für warme Regionen ist das wirklich klasse, denn die Luft kann prima zirkulieren und auch bei leichtem Wind spürt man ihn im Inneren sehr angenehm. Wird es aber nasskalt, ist man erschöpft und windet es dann auch noch stärker – mannoman, dann ist dieses Zelt nicht das, in dem ich mich aufhalten möchte.

Details

Das Platzangebot, der Wetterschutz und die Affenarmapside gefallen mir nicht sonderlich. Wo liegen die Stärken des Zeltes? Nun, Stärken weißt das Zelt definitiv auf. Das Packmaß und Gewicht sind hier sicherlich zu nennen. Sauber gepackt ist das Päckchen nur 43x18cm groß und wiegt auch nicht die Welt. Das Minimalgewicht liegt bei lockeren 2380g, zwei Heringe sind da schon mit eingerechnet. Komplett mit allem drum und dran wird das Zelt inkl. Footprint ca. 2920g wiegen. Vor allem auch gemessen am Preis, ein ordentlicher Wert – nicht ultraleicht, aber ordentlich.

Prima ist nicht nur das im Lieferumfang inbegriffene Footprint, auch ein Gearloft gibt es standardmäßig mit dazu. Ein Gearloft ist einfach eine Ablage, die man in den Zelthimmel einknüpft und sehr praktisch. Normalerweise zumindest, aber Marmot hat sie schlicht und ergreifend versaut. Deren Gearloft ist so großzügig geschnitten, dass die ohnehin schon beschränkte Kopffreiheit noch weiter und sehr massiv eingeschränkt wird. Das war nix. Etwas unpraktisch sind auch die Arretierungen der Außenzelttüren, hier sind ganz einfach die Leinen, mit der der Stoff zurückgebunden wird, zu kurz ausgeführt. Sie sind zwar zu benutzen, aber wenn man sie verlängert, geht’s viel leichter. Beim EOS war das auch schon der Fall.

Das Fenster sorgt für einen schönen Ausblick, hier auf meine Heizung 😉

Nett ist auf alle Fälle das kleine Fensterchen, welches aber, gerade wenn man es braucht, nämlich bei Regen, beschlagen wird, was die Durchsicht wahnsinnig behindert. Richtig klasse sind die mehrfach gelochten Gurtbänder, durch die man die Heringe prügelt. Trifft man auf Steine, so kann man einfach ein anderes Loch wählen und es erneut versuchen. Verstellbare Bänder sind hier zwar auch gut einzusetzen, aber ich mag die gelochten Bänder aufgrund ihrer Schlichtheit sehr gerne.
Hinweisen sollte ich wohl noch auf die beiden Lüfter im Himmel, die Kondens reduzieren und zur Lüftung beitragen. Sie sind verschließbar, aber nicht komplett dicht, und bieten eine relativ große Öffnung. Was mir noch auffiel: die Packsäcke sind sehr einfach und der große noch dazu etwas zu schmal gehalten.

Mit einer Empfehlung tue ich mich schwer. Immerhin habe ich mir es gekauft, obgleich ich um verschiedene Nachteile wußte. Am Ende habe ich mich aber entschieden es doch nicht zu behalten, was vor allem am recht geringen Platz oder vielmehr dem bescheidenen Raumgefühl lag. Für eine Person prima… aber zu zweit? Hinzu kamen manche konstruktiven Details, die ich zwar einzeln wohl akzeptiert hätte, mich in der Summe aber störten. Ich wäre mit dem Zelt nicht glücklich geworden, wer aber ein möglichst reines 2-Personen-Sommerzelt sucht und mit dem schlechten Raumgefühl leben kann, der sollte es sich mal genauer anschauen, enbenso Soloradtourer mit begrenztem Zeltbudget.

Ich mache es mir leichter und vergeben einfach zwei Urteile.

Und mein Prädikat?

Weniger empfehlenswert als Allroundzelt für drei Jahreszeiten.
Empfehlenswert als reines Sommerzelt für genügsame.

Nochmal in aller Kürze

+ freundliche Farben, Innenzelt schön hell
+ Footprint im Lieferumfang
+ große Apsiden
+ einfacher Aufbau, aber Gestänge frickelig
+ ordentliches Gewicht und Packmaß

– sehr schlechtes Raumgefühl
– geringe Liegelänge & wenig Platz zum Sitzen
– einfache Materialien
– geringer Wetterschutz (Zugluft & Regen tropft bei geöffneter Apsis ins IZ)
– unbrauchbares Gearloft (bei Verwendung keine Sitzhöhe mehr im gesamten Zelt)
– Affenarmapsis, die noch dazu sehr flach verläuft

Marmot hat ein Video vom Aufbau zur Verfügung gestellt, auf dem man das Gestängekuddelmuddel gut sehen kann.



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2 Gedanken zu „Test: Marmot Twilight 2P

  1. Pingback: Salewa Finch II « Herrmann is

  2. hast du dir vielleicht auch im zuge deiner recherchen mal das marmot earlylight 2p angeschaut? ich möchte mir das zelt für la gomera anschaffen, suche aber eigentlich auch eines das es mit schlechterem wetter aufnehmen kann. es ist mit 2,1 bis 2,4 kg sehr leicht (bin allein mit rucksack unterwegs)und schon für 170,- zu haben. das einzige was mich abschreckt ist die grottige wassersäulen angabe (1800/3000). weißt du ob sie da schon das footprint mit einberechnet haben?

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