Test: Heringe

Vorstellung & Test verschiedener Heringe

Spätestens wenn der Wind kommt muss auch ein selbststehendes Zelt gut abgespannt werden, alle anderen sowieso. Sofern der Boden dies zulässt sind Heringe natürlich die erste Wahl für dieses Unternehmen. Standardmäßig sind bei jedem Zelt mehr oder weniger schlechte Heringe mitgeliefert, fast immer eignen sie sich nur für weiche Böden. Hier nun möchte ich euch eine kleine Auswahl verschiedener Heringe vorstellen. Viele von ihnen werden so oder so ähnlich auch von anderen Herstellern angeboten. Ob es sich dabei um Nachbauten handelt oder der eigentliche Hersteller identisch ist, kann ich leider nicht sagen.

Reihenfolge auf dem ersten Bild von links nach rechts. Die Fotos stammen halb/halb von neuen Heringen.

1. Easton Zeltnägel

Die goldenen Easton Zeltnägel hatte ich bereits getestet: es sind nach wie vor meine Lieblingsheringe. Sie sind gut verarbeitet, halten in den meisten Böden wirklich gut, sicher auch durch ihre gute Länge, und sie sind hervorragend stabil. Bislang habe ich nur einen einzigen krumm bekommen – und das war nicht mal ich, sondern eine auf ihn drauf tretende Mitreisende. Bei einem anderen ist die Spitze leicht stumpf geworden, nachdem ichs drauf ankommen lies und mit ihm einen Stein zertrümmerte. Praktisch und nötig ist die werksseitig angebrachte Kordel, mit deren Hilfe der Hering wieder gut herauszuziehen ist. Klasse: der Hering lässt sich auch mit der Handfläche leicht in den Boden drücken, ohne das es schmerzt.
Offensichtlich hat Easton auf die massive Kritik reagiert und den silbernen Kopf nun besser befestigt. Konnte ich ihn früher bald von Hand abziehen, habe ich es diesmal bei keinem geschafft – ich hoffe das bleibt auch so.

Der kleinere der beiden Easton wurde von mir etwas gekürzt und stammt aus dem Jahre 2007. Seitdem wurde er viele, viele Meter durch das Erdreich getrieben. Wer solch lange Heringe nicht braucht oder einfach ein klitzeklein wenig Gewicht sparen möchte, für den gibt es eine blaue und kürzere Version der Eastons ebenfalls im Handel.

Die Globetrotterbewertungen sind für diese Heringe nicht gut, stets wird der flüchtige Kopf bemängelt. 2012 sind neue Versionen der Heringe rausgekommen. Schicker sind sie nun, teurer auch, aber in meiner Heringssammlung befinden sie sich noch nicht.
Mit 13,95€ für 4 Stück sind die Dinger richtig teuer, vor allem auch im Vergleich zu den anderen vorgestellten Heringen. Aber der Preis hat sich bei mir schnell bezahlt gemacht, sie überleben bei mir jeden anderen Hering bei weitem. In kürzer (orange) kosten sie 11,95€ (4 Stück).

Länge: 22,7cm
Gewicht: 15g


2. Meru Zeltnägel

Die silbernen Meru Heringe ähneln denen von Easton ganz massiv. Bei näherer Betrachtung fällt aber schnell eine weniger gute Verarbeitung auf, vor allem ist der Kopf bisweilen etwas scharfkantiger. Aber schlimm ist es nicht, nur auffallend. Im Gegensatz zum Original sind bei den Nägeln von Meru keine Kordeln montiert, das sollte man selbst unbedingt noch nachholen. Auch bei diesen ist mir noch kein Kopf abgefallen, krumm ist auch noch keiner, aber so lang besitze ich sie auch noch nicht. Meine Erfahrung spiegelt hier nicht die der Globetrotterkunden wieder, die von diesen Heringen alles andere als begeistert sind. Sie bewerteten die Teile  jeweils mit der schlechteste Note. Offensichtlich werden Leute, die sich von der Ähnlichkeit zu den Easton Nägeln teuschen und vom geringeren Preis blenden lassen, etwas abgestraft. Ich bin auf weitere Einsätze mit den Dingern gespannt und werde euch auf dem Laufenden halten.
6 Stück kosten 10,95€.

Länge: 22,9cm
Gewicht: 19g

3. Y-Heringe, hier: Hilleberg

Die Y-Heringe stammen von Hilleberg und waren standardmäßig bei meinem Nammatj 3GT (2009) dabei. Erst einmal das Gute, sie besitzen eine Kordel zum Herausziehen. Etwas schlechter, das Reindrücken per Hand ist etwas schmerzhaft. Die Haltbarkeit, naja, da gibt es wahrhaftig besseres. Sie sind einigermaßen widerstandsfähig, aber keinesfalls mit den Easton zu vergleichen. Trotz ihrer robust wirkenden Bauweise habe ich doch diverse von ihnen krumm bekommen – für mitgelieferte Heringe sind sie in Ordnung, hinzukaufen würde ich sie mir nicht. Insgesamt war ich von ihnen etwas enttäuscht, denn von Hillebergzubehör hätte ich einfach mehr erwartet. Einer dieser Hilleberghinge kostet immerhin 1,6€, dafür bekommt man auch bessere.
Sehr ähnliche Modelle vertreibt z.B. auch Wilderness Equipment in einer ähnlichen oder auch identischen Qualität wie der von Hilleberg. Auch Globetrotter hat welche im Angebot,
dort gibt es 6 Stück für 9,95€.

Länge: 18cm
Gewicht: 16g

4. Vaude: V-Heringe

Seit Jahren liefert Vaude seine Zelte mit V-Heringen aus 7075-T6er Alu aus. Auch hier schmerzt die Hand beim Hineindrücken in den Boden und eine Kordel zum Herausziehen gibt’s auch nicht. Hat man dafür aber noch einen zweiten Hering zur Hand, kann man ihn einfach quer in die „Leinenhaken“ einhaken und den im Boden befindlichen herausziehen. Ohne Hilfsmittel geht’s hingegen kaum. Unzerstörbar sind auch diese keinesfalls, aber robust allemal. Vom Gefühl her würde ich sagen, sind sie stabiler als die Hilleberg Üpsilons. Noch haltbarer sind jedoch die 4-Kantigen (s.u.). Im Vergleich zu jenen sitzen die V-Heringe aber besser im Boden und sich dort wesentlich besser sichtbar.
Barfus bin ich mal an solch einem Hering hängengeblieben und werde nun versuchen es zukünftig zu vermeiden: die Leinenhaken sind sehr pieksig!
Hier gibt es 6 Stück (je 20cm) für 9,95€.

Länge: 17,5
Gewicht: 12,2g

5. U-Heringe à la Exped

Exped hat bis vor kurzem diese U-Heringe mit seinen Zelten mitgeliefert, die früher, in ihrem Ursprung, einfach aus einem gepressten Stück Rohr zu sein schienen. An der Spitze (die bei diesen eher rund ist), konnte man Damals durchaus einen Spalt erkennen, der beim Pressen entstand. Da hat sich immer ein klein wenig Erde angesammelt. Mittlerweile sind sie anders und besser gearbeitet. Ich mag die Heringe. Sie sind sehr leicht, prima zu handhaben, allerdings auch nur(!) für weiche Böden geeignet. Es ist überhaupt kein Problem sie mit der Hand zu verbiegen. Wer nur diese besitzt, sollte sich dringend noch ein paar robustere hinzukaufen – schließlich ist nicht überall Friede, Freude, Weichboden.
5 Stück für 6,95€ gibt es z.B. hier.

Länge: 15,9cm
Gewicht: 8,6g

6. Standardheringe, hier von Robens

Diese Standardheringe kennt man von diversen Zelten. In diesem Fall hat sich Robens ein Herz gefasst und sie beim Trailstar 1 eingepackt. Auch sie sind recht leicht von Hand zu verbiegen, machen aber im speziellen Fall einen besseren Eindruck als viele andere Heringe dieser Bauart. Für viel mehr als eher weiche Böden würde ich sie trotzdem nicht empfehlen… oder doch, denn mittlerweile habe ich gelernt aus der Art und Weise wie diese Heringe verbiegen die Zukunft herauszulesen. Horoskope & Kaffeesatz waren gestern, Heringssalat gehört die Zukunft!
Die vergleichbaren Wechsel Alu-Nägel werden von den Globetrotter-Kunden in höchsten Tönen gelobt (6 von 6 Kunden vergaben jeweils die bestmögliche Bewertung; offensichtlich eignen sich diese dann weniger Gut zum Vorhersagen der Geschehnisse).
Hier gibt es 6 rote Heringe dieser Art für 7,95€.

Länge: 18,2cm
Gewicht: 14g

7. 4-Kant Heringe à la MSR

Zu guter letzt habe ich noch Vierkantheringe, wie sie teils bei günstigen, teils aber auch bei teuren (MSR-)Zelten, wie dem Hubba Hubba HP dabeiliegen. Es mag sein, dass diese Heringe je unterschiedliche Materialqualitäten aufweisen, in der Praxis konnte ich jedoch keine großen Unterschiede feststellen. Oder beinahe keine, manche sind minimal dicker und: Lightwave hatte bei der ersten Generation seiner Zelte, ich hoffe das haben sie mittlerweile geändert, diese Heringe in grün mitgeliefert. Eeeh, wenn der Hering einmal ins Gras fällt oder in ihm steckt und man weiß nicht mehr ganz genau wo, dann ist er weg. Den findet man doch fast nicht wieder! Aber die meisten Hersteller sind geritzter und liefern sie in gold oder rot. Auch sie können sich gut verstecken, aber immerhin setzt sich die Farbe vom Boden ab. Aber gleich welche Farbe sie haben, stecken sie einmal im Boden sollte man sich gut merken, an welcher Stelle sie sich befinden. Aufgrund der geringen Kopfgröße findet man sie, sofern keine Zeltleine etc. mehr dranhängt, kaum wieder.
Mit den Heringen habe ich bislang nur gute Erfahrungen gemacht, kaputt ist mir noch keiner gegangen. Sehr unbequem ist es jedoch diese Heringe von Hand in den Boden zu drücken. Klar Hilfsmittel gibt’s dafür immer, aber ohne wäres halt auch nicht schlecht.
Diese Klasse Teile gibts schon für 10,95€ (6 Stück).

Länge: 16cm
Gewicht: 10g (MSR Needle: 9,6g)

Fazit

Auch unter den herstellerseitig mitgelieferten Heringen gibt es brauchbare. Hier sind vor allem die von Vaude und MSR etc. (also die kleinen 4-Kantheringe) zu nennen. Die Hillebergs sind in Ordnung, aber gerade von ihnen (Zelt bzw. Heringspreis) hätte ich doch mehr erwartet.
Welche Heringe ich mitnehme? An den Hauptpunkten, denen also, wo meiner Meinung nach die größte Belastung auftritt, setze ich stets die Easton Nägel ein, von denen ich mir mittlerweile sogar einen zweiten Satz gegönnt habe, und verwende ansonsten, je nach Lust und Laune, mal diese, mal jene. Meist packe ich noch eine Auswahl Expeds, die Vaude und/oder 4-Kant ein.

Myog & weitere Infos

Wer Lust und Zeit hat, der kann sich gerne an selbstgebauten Heringen versuchen. Anregungen gibt es auf den outdoorseiten.

Auf backpacking-lite.co.uk wird ebenfalls über diverse Heringe berichtet. Hier sind auch verschiedene Titanversionen vertreten. Parallel zu backpacking lite macht auch Martin prima Erfahrungen mit den 6 Gramm leichten Titanheringen, die man allerdings nicht solo ins hohe Gras legen sollte. Man findet sie garantiert nicht wieder. Manche Hersteller färben sie aus diesem Grund in einer auffälligen Farbe ein, alternativ könnte man noch eine auffällige Kordel fest an den Hering knoten.

Wenn das Gewicht nun gar keine Rolle spielt, sind Zimmermannsnägel eine billige Alternative zu Heringen. Neulich gabs z.B. beim „großen E“ 43 Stück (neu) zu ersteigern. Das erfolgreiche Gebot lag bei (Achtung, festhalten:) einem €.

Gerade viele Familienzelte werden mit Plastikheringen ausgeliefert. Sofern man mit ihnen nicht versucht einen Stein zu zertrümmern und der Boden eher weich ist, kann man auch mit ihnen klarkommen, vor allem weil sie durch ihre normalerweise große Überfläche gut im Boden sitzen.

Diesem wird bald ein weiterer Bericht über die Verwendung von Heringen & Alternativen hierzu folgen.

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2 Gedanken zu „Test: Heringe

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