Test: Marmot Nyx 2P

Marmot Nyx 2P

Marmot Nyx 2P

Marmot Nyx 2P

Als ich das Marmot Nyx 2P entdeckte, konnte ich nicht wiederstehen. Die Marmotzelte wecken bei mir einfach zu viele Emotionen und zu viele schöne Erinnerungen an Rumänien, um sie ganz aus meiner Zeltsammlung zu streichen. Gewiss, mein damaliges EOS 2P hatte so einige konstruktive Macken, aber irgendwie hats mir trotzdem gut gefallen. Mein zweites und bis dahin letztes Marmot war das Twilight 2P. Tja, was soll ich sagen? Das Zelt war für mich doch eine herbe Enttäuschung. Ein Globetrottermitarbeiter meinte zwar, dass sich das Zelt bei ihnen echt gut verkaufe, aber mir haben weder das billig wirkende Material, noch das beengende Raumgefühl noch… mir haben viele Sachen an dem Zelt nicht gefallen und über einen Probeaufbau ist es bei mir nicht hinausgekommen. Ging gar nicht.

Materialien & Konstruktion

Im Gegensatz zum Twilight besitzt das Nyx ein höherwertiges Außenzeltgewebe aus 40D Ripstop-Nylon mit einer Silikonisierung außen und einer innenliegenden PU-Beschichtung. Das Gestänge ist ein gutes, 9mm starkes DAC Featherlight. Im Innenzelt wurde (leider?) sehr viel Moskitonetz verbaut, was auf der einen Seite für ein angenehmes Klima sorgt, bei schlechtem, kaltem und/oder windigem Wetter aber recht unangenehm werden kann. Der Boden besteht aus PU-beschichtetem Nylon mit einer Wassersäule von 3000mm (laut 2008er Globikatalog), allerdings habe ich für den Boden auch schon eine Angabe von 10000mm Wassersäule gefunden. Wie dem auch sei, Probleme hat er mir noch keine bereitet und war stets treu dicht.

Wieder im Gegensatz zu den beiden anderen angesprochenen Marmots, ist die Konstruktion des Nyx ziemlich herkömmlich. Es handelt sich schlicht um ein Kuppelzelt mit einer kleinen Firststange, welches als Längslieger konstruiert ist und nur eine kleine Apsis besitzt. Auffallend sind die Knicke der Gestängebögen, die für ein steil ansteigendes Innenzelt und somit im Liegebereich für mehr Platz sorgen sollen. Marmot nennt das „Knee-Pole-System“ und es ist nicht schlecht. Die Firststange vergrößert den Innenraum nur unmerklich, sie sorgt in erster Linie für eine etwas voluminösere Apsis mit einem wenig mehr Kopffreiheit und endet an den beiden Lüftern. Wirklich viel bringt die Stange aber nicht. Die beiden Lüfter sehen an ihrem Platz recht verlorgen aus, die größten sinds halt nicht. Immerhin kann man sie bei Bedarf von innen verschließen. Zwar gibt es keinen extra Durchgriff, doch kann man dank ihrer Position einfach aus der Apsis heraus zwischen Innen- und Außenzelt langen und den Lüfteraussteller umlegen. Komplett dicht sind die Lüfter aber auch dann nicht. Viel effektiver erscheint mir ohnehin die „Zwangslüftung“ bedingt durch den großen Bodenabstand zwischen Boden und Außenzelt zu sein. Nutzt man die beiden seitlich, am Übergang zwischen rot und orange angebrachten Heringsschlaufen zum Ab- oder vielmehr zum Aufspannen, so erzeugt man hier einen mindestens 30cm großen Abstand zwischen Innen- und Außenzelt – das sind mal fette Lüfter, durch die man im Zelt liegend gar etwas rausschauen kann, denn das IZ-Material in diesem Bereich ist großflächig vernähtes Mesh. Gutes Klima, oder sagen wir möglichst angenehm-luftiges Klima auch bei Schwitzewetter, scheint bei der Entwicklung des Nyx ohnehin ein vorrangiges Ziel zu sein. Just in dem Bereich wo die recht kurzen Gestängekanäle am Innenzelt anfangen (außerhalb dieser Kanäle wird das Gestänge an das Innenzelt geklippst), beginnt erneut eine grßzügige Meshfläche, die den kompletten Zelthimmel einnimmt. Die Gestängekanäle hindern hier also kaum die Luftzirkulation.

Ebenso wie viele andere Marmotzelte besitzt auch das Nyx ein tränenförmiges Fenster in der Apsis, aus dem heraus man die Landschaft bewundern kann – wenn es nicht beschlagen ist. Praktisch sind die vier Taschen an der Apsisseite im Innenzelt. Die jeweils neben der Tür unten angebrachten Taschen sind seitlich offen, was ich nicht optimal finde. Dafür kann die eine als Tasche für die Tür dienen. Im oberen Bereich gibt es ebenfalls noch zwei Taschen, die sind aber recht straff genäht, was den Zugang erschwert, und so passen dort höchstens Kleinigkeiten hinein. Unterm Dach befinden sich noch fünf Schlaufen, die als Halterung für eine Wäscheleine dienen können, an denen man aber auch einfach ein (nicht mitgeliefertes) Gearloft (zusätzliche Staumöglichkeit) befestigen kann. Dieses schränkt die ansonsten gute Kopffreiheit jedoch etwas zu stark ein.

Ganz nett, aber nicht berauschend, ist das Gewicht des Zeltes. Von den Heringen und Reparaturmaterial mal abgesehen, bringt es sehr genau 2280g auf die Waage (Außenzelt 740g, Innenzelt 950g, Gestänge & Beutel 540g, Zeltbeutel 50g). Als Zubehör gibts übrigens Flicken für jeden verwendeten Stoff in doppelter Ausführung (1x zum Nähen, 1x zum Kleben), 2 Gummibänder mit Ösen zum Abspannen, 6 Zeltleinen mit Spannern, eine Reparaturhülse und natürlich ein paar aber einfache Heringe.

Aufbau

Marmot Nyx 2P

Marmot Nyx 2P von hinten rechts

Der Aufbau gestaltet sich sehr einfach, es wird aber nicht jedem gefallen, dass man das Innenzelt zuerst aufbauen muss. Bei gutem Wetter ist das natürlich super, denn dann kann man auch ohne Außenzelt unter den Sternen schlafen (und das Außenzelt bei Bedarf schnell drüberwerfen), bei Regen jedoch werden Auf- und Abbau kritisch, denn bis das Zelt steht (was aber zugegebenermaßen sehr schnell geht), ist es schon nassgeregnet. Stehen potentielle Helfer in der Gegend herum, könnte man sie bitten das Footprint oder Außenzelt als einen Regenschirm über das sich im Aufbau befindliche Zelt zu halten. Wir habens schon probiert und es geht ganz gut, aber auch ganz schön in die Arme.

Ansonsten: Das Gestänge wird vorsichtig zusammengesteckt, das Innenzelt ausgelegt und das Gestänge nun durch die kurzen Gestängekanäle geführt, in die jeweiligen Ösen gesteckt und somit aufgespannt, anschließend wird es noch mit den sehr komfortablen Innenzeltklippsen festgeklippst. Jetzt kann das Innenzelt mit Heringen am Boden fixiert werden, damit es bei Wind nicht abhaut (ein oder mehrere Heringe können aus diesem Grund natürlich auch schon vorher gesetzt werden). Die Firststange wird in die passenden Ösen geführt und ebenfalls mit angeklippst. Voila, ist kein Regen zu erwarten, kann das Zelt nun schon genutzt werden. Ansonsten wird jetzt das Außenzelt drübergeworfen, evtl. mit Klettverschlüssen am Gestänge fixiert und an den nötigen Punkten mit Blitzverschlüssen befestigt.
Auf- und Abbau klappen völlig problemlos und gehen sehr schnell von der Hand. Die Gestänge flutschen super durch die Kanäle – hier ist alles im grünen Bereich. Prima finde ich die gelochten Gurtbänder, durch die man die Heringe treibt. Simpler kann man das wohl nicht lösen. Allerdings saß ich 2007 zum ersten Mal vor eben diesen beim EOS 2P… und saß da… und saß da… und fragte mich, wo ich nun die Heringe anbringen soll. Und ich fand nicht und kam mir ziemlich blöde vor. Runde fünf Minuten später kam dann die Erleuchtung… Dazu muss man aber sagen, dass die Gurtbänder nicht mit Ösen versehen, sondern einfach angeschnitten und verstärkt sind, man also auf den ersten Blick, wenn man sie nicht kennt, kein Loch in ihnenvermutet. Naja, so war das damals… 😉

Kuppelzelte sind idR. ja eigentlich selbststehend, benötigen hierfür also keine Heringe – von den Apsiden in den meisten Fällen mal abgesehen. In der Praxis sollten Heringe und ggf. Sturmabspannungen jedoch gesetzt werden: der Stand verbessert sich meist wesentlich, im Wind werden die Gestänge sonst gut über den Boden geschoben, die Windstabilität sinkt rapide etc. Beim Nyx ist das nicht anders. Es steht zwar, aber vielmehr eben auch nicht. Zum vollen Abspannen werden 11 Heringe benötigt, Minimum ist einer für die Apsis. Die vier Abspannpunkte für die Sturmleinen liegen genau auf Höhe der Knee-Pole-Knicke und sind sehr solide ausgeführt und mit einem reflektierendem Material versehen.

Das Leben im Zelt

Das Nyx kommt relativ schnörkellos daher und bietet, von dem Fenster mal abgesehen, nicht viele Extras. Aber das ist auch gut so, denn die Konstruktion bleibt somit recht einfach und auch das Gewicht im absolut grünen Bereich.
Sehr erfreulich finde ich die Farben. Klar, wenn jemand mit dem Teil irgendwo unauffällig stehen möchte, wären Grüntöne weit besser! Aber das Orange sorgt einfach auch an grauen Tagen für ein angenehmes und schönes Licht im

Marmot Nyx 2P

Marmot Nyx 2P

Inneren und lässt einen auch mal einige Zeit darin aushalten. Und wer dem Regen zuschauen mag, der kann dies gern durch das Fenster versuchen – dass aber gerade dann beschlagen sein wird. Die Platzverhältnisse im Inneren sind für zwei Leute jetzt nicht extrem großzügig, aber für mein Empfinden noch ausreichend, das Raumgefühl gut, wenngleich mich mein Hubba Hubba HP hier doch wesentlich mehr verwöhnt.
Bislang ist das Nyx also ein recht einfaches (im positiven Sinne) Zelt mit verschiedenen schönen Details, welches einen angenehmen Platz zum Schlafen und Leben bietet. Marmot wäre allerdings nicht Marmot, würde ich jetzt nicht noch ein großes ABER einwerfen müssen. Denn zwar bietet das Innenzelt recht ordentlichen Platz für zwei Leute, aber die Apsis fällt hier stark ab und bietet den zweien nur eine sehr überschaubare Unterbringungsmöglichkeit für deren Gepäck. Bei Solisten ist das noch egal, dann kann man sehr viel Kram mit ins Innenzelt nehmen, zu zweit steht dann jedoch sicherlich zu wenig Platz zur Verfügung. Zwei (kleine) Rucksäcke sollten in die Apsis zwar schon hineinpassen, aber dann ist sie auch schon ziemlich voll. Eine Wochenendtour zu zweit mit überschaubarem Gepäck? Kein Problem. Darüber hinaus wirds aber sicher problematisch. Hier sollte man sich seine Platzbefürfnisse gut überlegen.
Das Platzangebot könnte ein dem Kauf entgegengerichtetes Argument sein, aber auf der anderen Seite bedarf das Nyx auch nur einer relativ kleinen Stellfläche von ca. 290x150cm. Ein weiterer ABER-Punkt ist der nicht regensichere Eingang. Krabbelt man aus dem Nyx und öffnet dafür, wie man das halt so macht, das Außenzelt, so tropft der Regen an dieser Stelle ins Innenzelt hinein. Das ist nicht unbedingt ein Weltuntergang, aber Konstruktionen, die dies vermeiden sind mir doch lieber. Jetzt wird auch klar, warum Marmot keinen Zweiwegezipper vernäht hat – die zusätzliche Lüftung wäre nicht zu gebrauchen.
Nochmal zurück zum Platz: Trotz Knee-Pole-System ist das Nyx eher für kürzere Leute ausgelegt. Ich mit meinen ~182cm stoße mit dem Schlafsack schon am Fußbereich an, es geht gerade noch so. Völlig problemlos komme ich mit der Liegelänge solo klar, denn dann lege ich mich einfach diagonal ins Zelt, nur eben zu zweit ist es zu kurz geraten.
Zuguterletzt kommt die Luftigkeit, die ich bereits angesprochen habe: da das Innenzelt sehr großzügig aus Moskitonetz besteht und das Außenzelt noch dazu hoch geschnitten ist (viel Abstand zum Boden), kann es bei Wind und Kälte innendrin schnell ungemütlich werden. Es zieht dann wie Hechtsuppn.

Vor Jahr und Tag hat das Outdoor Magazin das Nyx getestet und bemängelte die gleichen Punkte wie ich. Bei ihnen stand es aber allem Anschein nach auch vor der Windmaschine, wo es Windgeschwindigkeiten bis zu 65Km/h standgehalten hat – aber nicht mehr. Der Wert ist absolut gesehen so schlecht nicht, bei dem Preis aber absolut kein Brüller. Es gibt eben auch Zelte, die diesen bis zum Faktor 1,5, manche wenige sogar um 2 toppen. Trotzdem, 65 Klamotten, das ist schon schon ein ganz guter Wind!

Fazit

Insgesamt ist das Nyx ein gutes Zelt, aber kein Allrounder. Wer groß ist und sich gern in Schlechtwettergebieten aufhält, der sollte sich lieber nach etwas ganz anderem umschauen, hierfür wurde das Nyx nicht gebaut. Das Aufbauprinzip (IZ zuerst) und der breite Einsatz von Moskitonetzen prädestinieren das Zelt für warme und idealerweise nicht sehr regenreiche und stürmische Regionen. Dann hat man mit ihm richtig viel Spaß.

Zwei Reisende sollten eher genügsamer Natur sein was den Stauraum angeht. Solo ist das Zelt schön groß, aber mit ab ca. 2280g auch relativ schwer, aber noch tragbar. Zu zweit hingegen trägt ein jeder grobe 1150g Zelt mit sich herum, ein Wert, den man heute leicht toppen kann, der aber nicht schlecht ist. Auf dem Rad ist das Gewicht ohnehin eher nebensächlich, hier würde ich es aber aus Stauraumgründen nur für eine Person empfehlen.

Das Nyx ist echt ein Dingen: eher kein Platzwunder, eher kein Gewichtswunder, eher kein Allroundzelt, eher kein Zweimannfrauzelt… aber ich finds super und nutze es ausgesprochen gern!

Und mein Prädikat?

Empfehlenswert

In aller Kürze

+ einfacher Aufbau
+ freundliche Farben
+ relativ leicht
+ Fenster

+/- Aufbau: Innenzelt zuerst
+/- viel Moskitonetz verbaut & Außenzelt hoch geschnitten

– nicht regensicherer Eingang
– recht kleine Apsis
– geringe Liegelänge

Die Fotos sind unterwegs entstanden und wurden nicht speziell zur Zeltvorstellung geschossen, was deren schlechte Qualität erklärt. Zudem habe das Zelt nicht ich aufgebaut, was den faltigen Stand erklärt… 😉 Bessere Bilder und vor allem auch Detailbilder werden nachgeliefert!
Zur Aktualität des Zeltes: jaja, es wird nicht mehr hergestellt… aber den Beitrag wollte ich dennoch verfassen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s