Test: Pinguin Astra

Pinguin Astra

Pinguin ist neben Trimm und Husky der dritte tschechische Hersteller (oder hab ich noch einen vergessen?), der augenscheinlich recht ordentliche Zelte in seinem Programm führt. Seit einiger Zeit werden die Pinguine in Deutschland über ebay oder direkt über outdoors.de verkauft, andere Bezugsquellen gibt es für Husky, für Pinguin habe ich aber noch keine weiteren deutschen Händler gefunden. Gerade die Firma Husky hat in Deutschland einen gewissen, aber sicher noch eher bescheidenen Bekanntheitsgrad erreicht, Berichte über deren Produkte sind aber kaum ausfindig zu machen. Noch schwieriger sind solche zu denen von Trimm und Pinguin zu finden. In Tschechien, der Slowakei und anderen Ländern Richtung Osten hingegen, erfreue sich die Firmen größerer Bekannt- und Beliebtheit.

Pinguin hat seine Wurzeln bereits 1989 gelegt und bietet mehr und mehr eine breite Produktpalette an. Qualitativ scheinen alle drei Firmen bis hin zur guten Mittelklasse zu produzieren, decken aber auch den Einsteigerbereich mit diversen Produkten ab. Erfreulich ist ein gutes Preismanagement der Firmen, die auch sehr ordentliche Zelte zu vertretbaren Preisen feilbieten.

Als etwas verwirrend gestaltet sich der Zeltvergleich von Pinguin und Trimm, denn diese scheinen diverse baugleiche oder sich zumindest sehr ähnelnde zu fertigen oder von einem Drittanbieter zu beziehen. Ob baugleich oder nicht, die drei Firmen haben ein paar ziemlich interessante, wenngleich vielleicht keine „Traumzelte“ im Angebot, z.B.:

Pinguin Summit
Husky Flame
Trimm Escapade

Die Bauart & der Aufbau

Das Pinguin Astra, welches ich mir für diesen Test ausgesucht habe, fällt eigentlich nicht in die Sorte Zelte, für die ich mich normalerweise erwärme. Warum? Nun, das liegt in erster Linie an der Apsis (genau, Einzahl: ein Eingang, eine Apsis), die zwar im Grundriss relativ groß erscheint, dies in der Praxis aufgrund ihres flachen Verlaufs jedoch nur beschränkt ist. Weniger gut ist auch der konstruktionsbedingt nicht regengeschützte Eingang bei geöffneter Außenzelttür (ansonsten ist dieser Bereich natürlich schon dicht!). Hier muss ich jedoch anmerken, dass sich diese Tür frontal, von rechts, aber auch von links öffnen lässt. Nutzt man sie von den Seiten, so wird man ins Zelt kommen, ohne groß Regen ins Innenzelt gelangen zu lassen. Die Bauart der Apsis, so muss ich überdies auch zugeben, hat durchaus ihre Vorteile. So bleibt die Konstruktion des Zeltes sehr einfach, es handelt sich um eine schlichte Kreuzkuppel, ähnlich z.B. dem Vaude Space II, von dem es sich aber durch eine Art kleine Firststange, sehr ähnlich wie beim Marmot Nyx 2P, unterscheidet. Der Stellplatz bleibt mit ca. 295cm x 150cm (bei 115cm Höhe) relativ klein. Für den Einsatz in den Bergen scheint’s prima zu passen und schließlich wurde es ja auch genau für diesen Einsatz konzipiert. Und sonst? Dazu werde ich noch kommen.

Zuerst einmal spiele ich den Aufbau des Zeltes durch, der sich einfach gestaltet und schnell erledigt ist. Die beiden 8,5mm dicken 7001 T6 Alugestänge werden jeweils zusammengesteckt, vorsichtig durch die Gestängekanäle geschoben und an den Zeltecken fixiert, wodurch sich das Astra aufrichten wird. Die kleine Firststangen schiebt man nun noch durch den Kanal über der Tür und befestigt sie links und rechts an den langen Gestängekanälen. Anschließend spannt man das Astra mit Heringen ab – fertig. Für die Apsis werden zwei Heringe benötigt, für einen recht sicheren und sauberen Stand sind insgesamt vier bis sechs sinnvoll. Für windiges Wetter sind diverse weitere Abspannmöglichkeiten vorhanden. Die Heringsschlaufen sind allesamt nicht verstellbar.
Zwei Verbesserungsvorschläge möchte ich an dieser Stelle äußern: 1.) Einseitig geschlossene Gestängekanäle sind zwar auch bei anderen Herstellern selten, wären aber große Klasse. 2.) Verstellbare Heringsschlaufen kann man zwar kinderleicht selbst realisieren, dennoch hätte man das Astra auch ab Werk damit ausstatten können. Durch diese Maßnahmen würde der Aufbau ggf. erleichtert und beschleunigt.

Wer auf einer Tour kein Innenzelt benötigt, der kann dies einfach daheim lassen und ca. 1Kg Gepäck einsparen. Insgesamt lässt sich das Innenzelt auch einfach aus- und wieder einhängen, aber direkt an den Eckpunkten ist das Hereinpfriemeln der Verbindungsstücke etwas fummeliger. Die Herausnahme des Innenzeltes ist natürlich nicht nur zur Gewichtsreduktion praktisch, sondern auch dann, wenn das Außenzelt durch Regen und Kondenswasser schön nass wurde, aber nicht trocknen konnte. In diesem Fall baut man das Innenzelt einfach vor dem Abbau des Zeltes aus und verpackt es separat. Abends wird’s nach dem Zeltaufbau wieder eingehängt und bleibt so schön trocken. Trocken bleibt das eingehängte Innenzelt praktischerweise auch beim Aufbau im Regen. Super also bei Schmuddelwetter. Wirklich? Wenn man über den bereits erwähnten nicht gänzlich regensicheren Eingang und die kleine Apsis hinwegsieht: ja.

Das Leben im Zelt

Wie die meisten Kuppelzelte, so glänzt auch das Astra nicht mit einem überragenden Raumgefühl. Zwar ist die Grundfläche (~220x140cm) nicht klein und die vier Wände verlaufen mehr oder weniger steil und von daher müsste es im Inneren eigentlich gut räumlich wirken. Beeinträchtigt wird das Raumgefähl allerdings durch eine gewisse Dunkelheit im Astra. Das sehr geschmeidige Außenzeltmaterial besteht aus einem dunklen grün, welches viel Licht schluckt. Das helle Innenzelt kommt da kaum mehr zur Geltung. Für Langschläfer ist der Lichtschutz klasse, ich mags hingegen lieber schön hell im Zelt – das ist Geschmackssache. Aber ganz nebenbei bemerkt sind dunkle Stoffe UV-stabiler als helle und entsprechend ist das ein weiterer Pluspunkt.
Für zwei Personen sind das Platzangebot und die Liegelänge als gut zu bewerten. Schwierig ist die recht kleine Apsis (wie oft will ich die eigentlich noch erwähnen?), denn sie nimmt leider nur wenig Gepäck auf. Zwei mittelgroße Rucksäcke passen mit Achen und Krachen rein, mehr aber kaum. Für zwei Radreisende siehts, je nachdem wie viel Taschen man dabei hat, schlecht aus. Die eine Apsis ist einfach nicht groß genug für großes Gepäck und der Innenraum wiederum nicht groß genug für zwei Personen und das übrige Gepäck, zumindest nicht, wenn es innen kofortabel zugehen soll. Gut siehts natürlich für Soloreisende aus, egal ob Trekker oder Radler. Da passen die Taschen in den Vorraum, wenngleich, je nach Größe und Anzahl der Taschen, ebenfalls nicht sonderlich komfortabel, und notfalls noch ganz locker mit ins Innenzelt, in dem die eine Person nun eine Menge Platz zur Verfügung haben wird. Gerade für Solisten ist die Möglichkeit das Innenzelt teilweise auszuhängen eine interessante Sache, denn hierdurch vergrößert sich die Apsis fürs Gepäck und es ermöglicht auch vorsichtiges Kochen in ihr. Tendenziell kann das Innenzelt auch des Nachts mit nur einem Schläfer an einer Ecke ausgehängt bleiben. Vielleicht ist das nicht optimal, aber es ist auch dank des speziellen Innenzelteinganges ohne weiteres möglich und bereitet auch keine Probleme.
Die maximale Kopffreiheit wird konstruktionsbedingt praktisch nur genau in der Mitte erreicht, hier ist sie jedoch super und um einen angemessenen Bereich um die Mitte herum auch noch schwer in Ordnung. Nutzt man das mitgelieferte Gearloft, verschlechtert sich die Kopffreiheit so weit, dass ich mit meinen 182cm im Sitzen leicht anstoße. An der Decke befinden sich 5 Plastikringe an denen das Gearloft, die Wäscheleine, Lampe etc. befestigt werden können. Auch Taschen sucht man nicht vergebens, links und rechts befindet sich je eine, die sehr gut handzuhaben und auch relativ geräumig ist.

Wind und Wetter

Ganz Bergzelt, besteht fast das komplette Innenzelt aus recht stark windblockendem Nylon. Lediglich ganz oben an der Decke ist etwas nicht abdeckbares Moskitonetz verbaut. Soll es mal luftiger sein, kann man auch einen Türflügel des Innenzeltes zu einem Moskitonetztürflügel umbauen: einfaches Ziehen am Reißverschluss entfernt flink das eher luftundurchlässige Material und legt eben das Moskitonetz frei.
Das Außenzelt ist bis auf 5-10cm Zentimeter über den Boden geschnitten, was trotz des guten Windschutzes für eine gewisse Lüftung sorgt und hilft Kondenswasser zu minimieren. Links, rechts und auf der Rückseite des Zeltes befindet sich jeweils ein komplett mit Reißverschluss verschließ- und sogar von innen bedienbarer Lüfter. Die in ihnen angebrachten Moskitonetze sind nicht zu öffnen. Die Lüfterhutzen sind recht groß und können ebenfalls annähernd verschlossen werden. Ob sie bei einem Sturm aufgedrückt werden können, kann ich noch nicht sagen, aber da die Lüfter als solche ja extra verschlossen werden, ist das eigentlich auch egal.
Bei der Beurteilung des auftretenden Kodenswassers tue ich mich immer sehr schwer, denn hier sind absolut subjektive Einschätzungen über die Luftfeuchtigkeit, den Wind, die Stellfläche, Bodenfeuchtigkeit etc. zur Beurteilung gefragt. Insgesamt empfand ich die Kondenswasserbildung als normal und nicht auffällig.

Einen Sturm hat das Zelt noch nicht hinter sich, von daher muss ich diesen Aspekt nachreichen.

Verarbeitung

Die Verarbeitung ist an den relevanten Stellen gut, wenngleich manche Arbeiten an weniger kritischen Stellen ruhig noch etwas präziser und sorgfältiger hätten ausgeführt werden können. Fotos zeigen euch solche Beispiele. So ist z.B. der Lüfter sauber eingehäht und lässt sich problemlos bedienen, sehr gerade schaut er aber dennoch nicht aus. Schnulnotenmäßig würde die Verarbeitung als eine 3+ bewerten.
Sehr gefallen haben mir die verwendeten Materialien. Gewiss, mit sehr teureren Zelten können sie nicht mithalten, aber für den Preis, das Zelt kostet ja nur ~200€, sind sie sehr vernünftig gewählt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist zwar das 8,5mm Spaghettigestänge, hier würde ich mir was fetteres und somit verwindungssteiferes wünschen, die Stoffe hingegen ziehe ich vielen der Konkurrenz (bei ähnlicher Preisklasse) vor. Und nebenbei bemerkt besitzen auf viele Konkurrenzprodukte keine dickeren Gestänge.
Ein paar Daten: Zeltboden: Nylon, PU beschichtet, WS 10.000mm, Außenzelt: Polyester, PU beschichtet, WS 4.000mm, außen silikonisiert. Optisch und vor allem haptisch machen die Stoffe echt was her. Das Außenzelt wird für solch ein Zelt extrem UV-stabil sein (Polyester (sehr UV-stabil) mit Silikon (erhöht die UV-Stabilität noch weiter)) und sich bei Nässe praktisch nicht dehen. Klingt super.

Gewicht

Das Zeltgestänge wiegt 550g, die 20 Standardheringe 310g (also rund 15,5g/Hering), der große Zeltpacksack 110g, das Innen- & Außenzelt bringen zusammen 2160g auf die Waage. Insgesamt kommt das Zelt mit dem kompletten Zubehör also auf 3130g. Das komplette Zubehör? Eigentlich besitzt es neben diverser Spannleinen und der vielen Heringe kein Zubehör: keine Reparaturhülse, kein Nahtdichter, keine Flicken, aber immerhin ein Garloft. Das ist ziemlich dürftig, wenngleich unüblich viele Heringe und Abspannleinen beigepackt werden.
Und die Qualität vom Zubehör? Der Packsack ist erstmal von etwas aufwendigerer, aber unpraktischerer Machart: ein komprimierbarer Sack mit Reißverschluss. Ein einmal aufgebautes Astra muss zum Verpacken wieder sorgfältig zusammengelegt werden. Hier gefallen mir die Rollverschlusssäcke deutlich besser, da sie in ihrer Handhabung angenehmer sind.
Die Heringe sind Standardaluminiumheringe. Nicht furchtbar schlecht, aber auch nicht berauschend. Halt ganz normale Beilegware. Ebenso die Abspannleinen, die aber praktischerweise sogar Licht reflektieren können, und ihre Spanner.

Fazit

Das Pinguin Astra ist ein aus guten Materialien, recht einfach (was nicht negativ gemeint sein soll!) konstruiertes Zelt für eher spezielle Anforderungen, sprich: für die Berge. Dort glänzt es mit einem guten Schutz vor Wind und einer guten und variablen Belüftung. Leider ist der Eingang nicht vollends regensicher, aber da der Außenzelteingang sehr variabel geöffnet werden kann, kommt man im Regen auch in der Praxis ins Zelt, vielleicht nur weniger komfortabel, ohne dass dieses innen groß nass wird.

Für zwei Leute oder vielmehr deren normales Gepäck wird es tendenziell zu klein sein, für Soloreisende steht hingegen mehr als genügend Platz zur Verfügung. Der Aufbau gelingt sehr schnell, einfach und problemlos. Insgesamt ist das Astra ein gutes Zelt, selbst als Allrounder, für diejenigen, die es selbststehend mögen und sich an der kleinen Apsis nicht stören. Dafür ist der Einsatzbereich sehr groß, bis hin zur Solowintertour in gemäßigteren Regionen. Das Gewicht ist nicht rekordverdächtig, geht aber aufgrund der Allroundeigenschaften und vor allem des sehr geringen Preisen doch in Ordnung.
Insgesamt ist das Zelt…

Und mein Prädikat?

Empfehlenswert

In aller Kürze

+ variable, von innen bedienbare Lüftung
+ freistehend (außer Apsis)
+ günstig
+ gute Materialien

– Verarbeitung könnte stellenweise besser sein
– kleine Apsis

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Ein Gedanke zu „Test: Pinguin Astra

  1. Danke für den informativen Bericht und die tollen Bilder zu den Details! Ein sehr interessantes Zelt. Hast Du oder sonst jemand die nutzbare Innnzeltlänge gemessen, in 30cm Höhe? Normalerweise sind bei Kupplen mit der Länge von 220cm nur ca. 180cm wirklich nutzbar, da man(n) oder Frau ja auf eine Matte liegt und auch ein Daunenschlafsack Platz haben sollte.

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