Test: Platypus Big Zip SL

Die Steckverbindung zwischen Schlauch und Trinkblase…

Platypus Big Zip SL

Ausgetrunken

Vor Jahr und Tag war ich stolzer Besitzer des damaligen, hui, ist das schon lange her, Top-Radrucksacks Camelbak H.A.W.G., außerdem des Mules. Beide wurden nur zusammen mit einer 3 Liter Camelbak Trinkblase geliefert, welche mich unterwegs für lange Zeit mit Flüssigkeit versorgen sollten. Wer diese Teile jedoch mal mit klarem Wasser probiert und einigermaßen sensible Geschmacksnerven hat, den wird wohl noch jetzt das Grauen befallen. Ein herausragend gutes Beißventil wurde mit einem Wassersack kombiniert, welches reichlich Geschmacksstoffe an den Inhalt abgab. Whooh, das ging gar nicht und so füllte ich mir stets meine etwas gesalzene Apfelschorle ein. Das verlangte freilich nach einer gründlichen Reinigung nach der Nutzung, übertünchte dafür aber auch den niederen Geschmack der Trinkblase.

Wenngleich ich ein absoluter Trinkblasenfan bin, ich bin ein ebensolcher Verabscheuer des Radfahrens mit Rucksack. Und somit setzte ich das Trinksystem irgendwann ab und nutzte seither nur noch Radflaschen – PET-Flaschen um genau zu sein, da ich auch die Plasteradflaschen geschmacklich ziemlich grauselig finde. Fürs Wandern habe ich wiederum die Trinksysteme für mich entdeckt. Wie das kam? Ich hatte die Gelegenheit klares Wasser aus einer Platypus-Faltflasche zu probieren und war vom Geschmack überzeugt – weil das Wasser einfach nur nach Wasser schmeckte. Davon beschwingt kaufte ich mir, weil heftig im Angebot, eine Source Faltflasche, um auch diese auszuprobieren. Und, donnerwetter, auch sie färbte geschmacklich nicht ab. Nun hatte ich also die Wahl zwischen einer Trinkblase von Platypus und Source und entschied mich am Ende für erstere. Warum? War eher so eine Gefühlentscheidung.

Aufbau

Also ging erneut eine Bestellung an die Bergfreunde raus und pünktlich zur Rhönwanderung war das Paket denn auch eingetroffen. Auf den ersten Eindruck macht der Sack einen wirklich guten und hochwertigen Eindruck. Was mir besonders gut gefällt, aber mittlerweile wohl zum Standard gehört (früher nicht), ist der blitzschnell vom Sack zu trennende oder an ihm zu befestigende Trinkschlauch. Er wird einfach drangesteckt oder, bei gleichzeitigem Drücken der Arretierung, abgezogen. Dabei können einige wenige Tröpfchen austreten, aber das ist kaum nennenswert. Die Funktion ist praktisch beim Wiederbefüllen des Sacks unterwegs und bei manchen Rucksäcken sowieso. Bei meinem Black Diamon Infinity 50 z.B. ist die Austrittsöffung für den Trinkschlauch wirklich ziemlich klein und das Beißventil würde gar nicht hindurchpassen. Also muss man die dem Sack zugewandte Seite zuerst reinschieben. Dann passt des auch.
Die Füllung der Blase wird über deren Oberseite vorgenommen, das geht ganz banal. Der sich dort befindende blaue und mit einem ordentlichen Griff versehene Schieber (SlideLock-Verschluss) wird einfach zur Seite weggeschoben, die Flasche oben auseinandergezogen – fertig. Ist die Blase voll, so schiebt man den Schieber wieder drauf, darauf werden die beiden Beutelseiten automatisch zusammengedrückt und halten absolut dicht. Wirklich einfach und effektiv gelöst – und das mit einem tollen Nebeneffekt, denn die Reinigung kann über eine sehr große Öffnung realisiert werden. Zudem kann man die Blase über diese Öffnung auch komplett entleeren und prima trocknen. Das geht bei Camelbak mit deren Schrauböffnung nicht so einfach.
Entwas enttäuscht hat mich das HyperFlow-Beißventil, von meinem alten Camelbak bin ich besseres gewöhnt. Auch das Platypus-Ventil ist um 90° angewinkelt und mit einem Dreh am Mundstück kann man es einfach blockieren (→ kein Trinken oder Auslaufen). So weit, so gut, aber das Trinken funktioniert damit nur mittelmäßig. Am besten die Zähne drücken das Ventil direkt hinter dem kleinen, äußeren Wulst zusammen, dies aber auch nur ganz leicht, denn ein zu festes Beißen reduziert den halbwegs gescheiten Durchfluss ganz ordentlich. Hier musste ich mich erst einmal dran gewöhnen, was freilich schnell ging, aber trotz allem hat mich das Ventil nicht restlich überzeugt. Macht aber nicht soviel, denn auch das Camelbakventil sollte gut auf den Schlauch passen und früher oder später werde ich es mir hinzukaufen. Es ist einfacher aufgebaut, besser zu bedienen, hat einen größeren Durchfluss – ist einfach besser. Aber das ist auch der einzige Vorteil, den ich bei Camelbak ausmachen kann. Der Entscheidende Punkt nicht wieder zurückzuwechseln ist vor allem der…

Geschmack

Da brauche ich gar nicht viel drüber zu schreiben. Das eingefüllte Wasser hat auch noch am nächsten Tag absolut neutral geschmeckt. Für mich ist das der wichtigste Punkt beim Kauf einer Flasche oder eines Trinksystems.

In der Ausgabe 07/2011 hat das Magazin „bike“ u.a. Trinkblasen getestet. Hier schnitt diese Platypus „sehr gut“ ab, während die Camelbak ein „super“ erhielt. So ganze kann ich mir die Einordnung nicht erklären. Klar, Camelbak führt nach wie vor im Bereich des Beißventils, aber der Platypus-Sack ist noch immer besser. Ich habe nunmal keine Lust mich drei Liter lang mit Plastikwasser herumzuschlagen und jeden Tropfen nur angewiedert zu trinken. Vielleicht bin ich da empfindlich – oder einfach zu sehr Gourmet. Im Endeffekt kaufe ich mir lieber das bessere Ventil für wenige € nach, kombiniere also das überragende Camelbak-Ventil, als den Kauf des wenig gut schmeckenden Camelbak-Sacks zu bereuen.

Noch was mal so

Der Platypus ist in drei verschiedenen Größen zu beziehen. Laut der Bergfreunde besitzen diese folgende Dimensionen: 1.8 Liter (18,5 x 37,5 cm), 2 Liter (18 x 47 cm), 3 Liter (19,5 x 47,5 cm). Das Gewicht des kompletten 3 Liter-Systems beträgt nachgewogene XXX Gramm. Ganz praktisch ist die mitgelieferte Klemme die hilft, den Schlauch am Shirt oder Brustgurt zu fixieren. Außerdem sehr sinnvoll: als (teures; 14,95€) Zubehör gibt es eine Schlauchisolierung mitsamt Ventilkappe und natürlich ein Reinigungsset. Das ist in seiner Gänze nicht unbedingt erforderlich, aber zumindest die lange Bürste zum Reinigen des Schlauchs sollte man sich kaufen – die es allerdings nicht, zumindest nicht von Platypus, einzeln gibt.
Insgesamt besteht beim System meines Erachtens praktisch kein Verbesserungspotential mehr – außer am Beißventil. Klar, schlecht ist das Teil nicht, aber eben auch nicht besser und das zieht den herausragenden Rest doch etwas runter. Aber dennoch, insgesamt ist mein…

Und mein Prädikat?

Sehr empfehlenswert

In aller Kürze

+ herausragend geschmacksneutral
+ sehr gut zu reinigen, befüllen und trocknen
+ insgesamt sehr gute Konstruktion und Bedienung

– Beißventil fällt etwas ab: Durchfluss und Bedienung könnten besser sein

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Ein Gedanke zu „Test: Platypus Big Zip SL

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