Lykischer Weg 2011 – Die Eröffnung

Weg verloren, Berg gefunden.

Der Lykische Weg 2011

Die Eröffnung

Dieses Mal war alles anders.

Die Reiseplanung für unseren Urlaub 2011 gab ich quasi vollends aus der Hand und so kam es, dass es zu Fuß durch die Türkei gehen sollte. Meine erste Wahl wäre ja sicher wieder aufs Rad gefallen und auf ein Land, dessen Name irgendwas mit Rum zu tun hat. Aber so sollte es nicht kommen, Magda war von der Türkei nicht abzubringen (und ich versuchte es, glaube ich, auch gaar nicht). Die Türkei. Da hab ich ja nun nicht so die Ahnung von, was bei unseren vielen türkischen und türkischstämmigen Mitbewohnern ja schon peinlich ist – aber leider nur allzu normal. Wie schauts da eigentlich aus? Heiß schaut es aus. Heiß und… ääh, bestimmt auch trocken… und… sandig. Irgendwie wie bei Karl May. Irgendwie. Mensch, auch davon hab ich keine wirkliche Ahnung und sollte ich auch bis zu meiner oder besser: unserer Ankunft dort kaum haben. Lediglich nach möglichen Wanderstrecken schaute ich mich etwas um und suchte mittels google Earth einige schöne Ecken. Und so hatte ich bald immerhin einen klitzekleinen Eindruck davon, was mich… uns erwarten sollte.
Bei besagter Suche stieß ich quasi sofort auf den Lykischen Wanderweg, welcher auf einer Strecke von 509Km von Fethiye nach Antalya führt. Nun, nicht ganz: er beginnt etwas nach Fethiye und endet etwas vor Antalya. Wunderschön sollte dieser Weg sein und so war es schnell beschlossene Sache: wir werden ihn begehen. Aufgrund unserer begrenzten Zeit (4 Wochen) und dem Gedanken noch Kappadokien zu erwandern und den Hasan Dağı zu besteigen, mussten wir aber Etappen des Lykischen Weges links liegen lassen und sie per Bus bestreiten. Somit sollten wir den Weg also nicht auf ganz ehrliche Art vollends gemeistert haben, aber das sahen wir als nicht so tragisch an. Die zu erwartenden langweiligeren Etappen wurden gestrichen und so sind immerhin noch 18 Tagesmärsche über geblieben. 18 tolle Etappen!

Unsere Erfahrungen

Die Wegbeschaffenheit und der Schuh

Ein großes Fragezeichen stellte sich mir hinter die Schuhfrage. Warum? Wie der Weg überwiegend beschaffen ist, hatte ich nicht in Erfahrung gebracht. Da wir aber einen Vulkan besteigen wollten, sollte es denn doch schon etwas solideres sein, B/C-Schuhe waren angestrebt. Mit oder ohne Membran? Ohne. Bei meiner normalen Nutzung brauche ich keine, für mich sind Volllederstiefel die erste Wahl. Der Schuhkauf scheiterte allerdings lange Zeit an meinem Fuß, denn ich fand keinen Schuh, der mir an der Ferse wirklich passte. Und ich probierte wirklich lange und viel und viel und lange aus. Am Ende war ich gar gewillt doch einen Membranschuh zu kaufen, hätte ich doch nur einen passenden gefunden. Am Ehesten kamen noch der Lowa Trekker und der Hanwag Lhasa in Frage. Für den Lhasa entschied ich mich letztendlich aufgrund des tollen Leders, wenngleich er in dieser Yaklederausführung zum Tatra 50€ Aufpreis gekostet hat. Und zum Trekker auch. Das er nicht der perfekte Schuh für diese Strecke sein würde, dachte ich mir, schließlich besitzt er keinen umlaufenden Geröllschutzrand, was dem Leder eher zu schaffen macht. Und etwas steifer könnte er für den Vulkan sicher auch sein.

Das Leder hat auf dem Weg optisch wirklich gelitten, ansonsten hat sich der Schuhe als solcher aber als eine gute Wahl herausgestellt. Vollends zufrieden kann ich mit ihm dennoch nicht sein, aber das könnt ihr in meinem Testbericht zum Lhasa nachlesen. Einzig hätte ich mir ab und an einen steiferen Vorderfuß gewünscht… aber gut, dafür war er die übrige Zeit bequemer.

Der Weg, wie schauts mit diesem aus? Einige, aber wenige Kilometer ging es über mehr oder weniger asphaltierte Straßen, bedeutend häufiger aber über Waldwege und Forststraßen. Den Rest, ich meine die meiste Zeit, führte er über Steine. Steine, Steine, Steine. Von daher sollte man auch halbwegs steifes und solides Schuhwerk dabeihaben. Hat nicht jeder auf diesem Weg, aber wer seine Fußgelenke schonen und nicht jeden Stein im Fuß spüren möchte, dem sei eben was solides angeraten. Gut, also: Steine. Auf bahnbrechend vielen Wegen hat man die Möglichkeit auf diesen oder jenen Stein zu treten, aber kaum dazwischen. Steine gibt es auch im Waldboden… oder besser gesagt existiert ein wenig Erde zwischen den Steinen.
Sinnvoll ist eine griffige Sohle, denn häufig geht’s Berge hoch und runter und dann wird’s steil. Und steinig. Ab und an wird geklettert, einmal, wenn man denn die Strecke zwischen Patara und Kalkan gehen mag, auch über Felsen – und die sind scharfkantig. Und sollten, mal ganz nebenbei, auch nur von Leuten begangen werden, die wissen, worauf sie sich einlassen. Ganz ohne ist der Abschnitt nicht… aber schöön!

Ich hole Wasser.

Wasser & Hitze

Ganz so unmöglich, wie in einem unserer begutachteten Reiseführer zu lesen war, ist es nicht den Lykischen Weg im Hochsommer zu gehen. Alle begutachteten Zisternen und beinah jede Quelle führte im Juli 2011 ausreichend Wasser. Dennoch können Trockenheit und Hitze natürlich ans Eingemachte gehen, denn sie bedeuten in erster Linie nun einmal Schweiß, entsprechend Wasserverlust und die Flüssigkeit muss, klaro, nachgeführt werden. Und an einigen Stellen ist das nur möglich, wenn man selbst genügend Wasser mitgebracht hat. Wie haben wir es gemacht? Jeder hatte seine 3 Liter Platypus Trinkblase voll mit Wasser gefüllt und das hat zumindest Magda meistens gelangt. Mein Wasserbedarf ist weitaus höher als der von Magda und so stolperte ich schonmal mit hängender Zunge über den Weg. Sehr sinnvoll ist es die Wasservorräte bei jeder Gelegenheit wieder aufzufrischen, denn so fährt man einfach am Sichersten und kommt erst gar nicht oder kaum in die Verlegenheit groß Wasser sparen zu müssen. Und ob die nächste Quelle wirklich Wasser führt, ist ja auch nicht immer so klar.
Die meisten Schlafplätze (dazu komme ich später noch ausführlicher) besitzen eine Quelle oder Zisterne, aber sollte das einmal nicht so sein, denkt bitte daran euch reichlich mit Wasser einzudecken. Zu dem normalen Wasserverbrauch des aktuellen Tages kommt noch das (eventuell) allabendliche Kochen dazu und ggf. auch eine kleine Katzenwäsche. Der diesbezügliche Wasserspartip Nr. 1: nehmt euch einen Waschlappen mit auf Tour und benutzt, um diesen zu befeuchten oder zum Mundausspülen beim Zähneputzen oder zum Ausspülen der Zahnbürste etc., euer Trinksystem. Aus dem Mundstück kommt das Wasser mehr oder minder tröpfchenweise heraus und somit könnt ihr richtig Wasser sparen! Komfortabel ist es obendrein.
Nun gut, ferner brauchen wir des morgens noch einen knappen Liter Wasser zum Kaffeekochen und natürlich wiederum genügend Nass, um die nächste (hoffentlich wasserführende) Quelle oder Zisterne zu erreichen. Ob man über die Zeit genügend Wasser getrunken hat, bemerkt man ganz einfach, natürlich, über den trockenen Mund, aber bald wichtiger über das Wasserlassen (wie häufig, wie viel, wie gefärbt?). Eine dunkle Färbung deutet auf Wassermangel hin – unbedingt mehr trinken. Ich fand es immerwieder faszinierend, wie viel Lust ich plötzlich immer wieder auf Fanta hatte. Das Zeug trinke ich normalerweise nicht, Cola noch viel weniger, aber hier… hmmm, super! Irgendwann fing ich an meinen geliebten Ayran mit Säften zu mixen – liebendgern 1 Liter Ayran und 1 Liter Saft – und es hintereinander wegzutrinken. Das waren dann mal 2 Liter und 1000KCal. Beides tat gut und macht klar, wie viel Flüssigkeit und Energie unterwegs verlorengingen.

Unbedingt benötigt man Mittel zur Wasseraufbereitung! Das Quellwasser haben wir zwar meist ungefiltert getrunken, aber das Zisternenwasser war auch nach dem Filtern noch irgendwie gelb. Wer jetzt keine klare Vorstellungen von Zisternen hat, der stelle sich einfach einen Brunnen vor, ein Loch im Bodes, welches als Wasserreservoir dient. Die Teile sind dankenswerterweise abgedeckt, aber man kann auch durchaus ein unabgedecktes Loch im Boden finden, gerade inmitten von Ruinen, in welches man sicherlich nicht hineinfallen möchte – also aufpassen! Die Abdeckung besteht idR. aus Brettern und Ästen, sie schließt das Loch also nicht dicht ab, weswegen kleinere Tiere also durchaus im Wasser liegen können. Was größeres als Insekten konnten wir allerdings nie ausmachen. Entsprechend sollte man das Wasser aber keineswegs „so“ trinken, das wäre in höchstem Maße ungesund. Wir bevorzugen einen Wasserfilter, damit geht das Reinigen schnell und gründlich und sicher.

Und die Hitze? Auf Meereshöhe war sie meist brutal, vor allem wenn, wie die ersten beiden Tage, noch eine hohe Luftfeuchtigkeit hinzukam. Die ersten beiden Tage schwitzte ich derartig, dass sich meine Schweißdrüsen am Rücken entzündeten (zumindest nehme ich das an). Der Rücken war schön rot und dort wo der Rucksack auflag (nämlich ziemlich großflächig), piekste es gewaltig und ordentlich schmerzhaft. Ein toller Urlaubseinstieg.
Ist man aber erstmal ein paar hundert Meter hochgeklettert und befindet sich weiter im Landesinneren, so wird es kühler und die Luft wesentlich trockner. In den Bergen habe ich Pausen immer mal wieder im strahlenden Sonnenschein abgehalten. Die Kühlung über die Verdunstung war inbesondere bei einem leichten Wind derartig hoch, dass es mich ab und an gar etwas fröstelte.

Im Sommer ist der Weg fast unmöglich? Das ist Blödsinn: unmöglich ist der Weg im Sommer natürlich nicht. Aber man sollte sich dem Wasserproblem stellen und kein Problem damit haben häufig komplett durchgeschwitzt zu sein. Und damit meine ich: komplett, quasi duschartig!
Einzig: Menschen mit Problemen bei solch einer Witterung würde ich wohl vom Wandern im Sommer abraten und auch mit Kindern würde ich den Weg zu dieser Jahreszeit, wahrscheinlich aber generell, nicht gehen.

Schwierigkeiten und die Markierung

Sicherlich gibt es schwierigere Strecken als den Lykischen Weg. Für mich als fast kompletten Neueinsteiger war er aber stellenweise schon recht anspruchsvoll. Je nach Etappen gelangt man einfach an diverse Stellen, die hierzulande als Klettersteig durchgingen und wohl meist mit entsprechenden Sicherungsmöglichkeiten versehen wären. Hier überquert man ein gebröckeltes Aquädukt, klettert einen sehr steilen und sandigen Anstieg hoch, bezwingt Klippen und weiß stets: „Hmm, wenn ich falle, dann tuts, gelinde gesagt, richtig weh!“ Es ist sicherlich nicht verkehrt wenn man in seinem Leben irgendwann schonmal geklettert ist, bevor man manche Etappen des weges begeht. Klar, es geht auch anders, aber wenn man weiß, was man wie machen sollte, ist es leichter. Und vor allem für nicht Tagesmärschler mit nicht nur leichtem Gepäck.
Meistens, aber nicht immer, ist der Lykische Weg ganz einfach zu finden. Zwar ist der dieser durchweg rot-weiß markiert und erinnert so an Pommes, aber ab und an fehlen wichtige Markierungen oder sind schlecht gesetzt. Häufig sind sie auch nicht ganz eindeutig: Okee, da ist das Zeichen… aber wo geht es denn nun lang? Wichtige Hilfsmittel sind die getrampelten Pfade, die man auch auf Felsen meist gut erkennt und die von den Vorgängern aufgehäuften Steinpyramiden. Trotzdem kann man den Weg immer mal wieder verlieren, auch wenn falsche Wege normalerweise durch ein rotes Kreuz gekennzeichnet sein sollten. Übrigens: der Tipp mit der Pfaderkennung ist nicht absolut zu sehen, denn zumindest ich kann nicht unterscheiden, ob ein Pfad nun von Menschen oder Ziegen oder von beiden gemacht wurde. Immer wieder kreuzen sich verschiedenste Pfade, immer wieder fällt die Wegfindung nicht leicht. Aber irgendwie macht ja auch sowas den Reiz eines Weges aus. In der Regel ist man, wenn man schon seit einer Weile keine Markierung mehr gesichtet hat, schlicht und ergreifend falsch gelaufen. Allerdings gibt es durchaus auch Etappen, die sehr spärlich markiert sind und wo man nicht mal Abbiegehinweise hat. Das beschreibe ich dann jeweils im Tagebucheintrag.

Busse & per Anhalter

Die Türkei, das Land ohne Probleme. Wer in der Türkei von A nach B kommen möchte, tut dies häufig mit dem Dolmuş, sofern die Strecke kürzer ist oder einem Reisebus bei fernen Zielen. Der Dolmuş ist nun wirklich praktisch: sieht man einen, macht man einfach ein Zeichen zum Anhalten und steigt ein. Das Fahrgeld gibt man dem Fahrer oder seinem Gehilfen, Tickets erhält man im Gegenzug keine. Seinen Haltewunsch erklärt man wiederum einem der beiden und sofern der Bus irgendwo halten kann, macht er dies auch. Die Fahrpreise sind für deutsche Verhältnisse überaus günstig. Reisebusse halten an mehr oder weniger zentralen und stark frequentierten Busbahnhöfen. Dort findet man meist mehrere bis kaum zu überblickend viele Busgesellschaften, bei denen man eine Fahrt buchen kann. Fährt eine Gesellschaft ein bestimmtes Ziel nicht an, so wird einem meist mit der Benennung einer anderen Gesellschaft weitergeholfen. Die Menschen in der Türkei sind da wirklich sehr hilfsbereit. Kaum hat man eine Landkarte in der Hand, wird einem auch schon Hilfe angeboten. Finde ich super, allerdings haben wir schnell gelernt, dass manch ein Tipp und manch eine Info so dann doch nicht ganz richtig war. Es ist schon lustig, wenn man eine Reisebusfahrt in eine bestimmte Stadt bucht und das Ziel auch auf der Karte vermerkt ist, sich dann aber herausstellt, dass der Bus eigentlich gar nicht dorthin fährt (immerhin aber in die Nähe) oder die Fahrt einen Umweg (mit Aufpreis) von 7 Stunden Busfahrt bedeutet. Die Türkei, das Land ohne Probleme? Problem yok – kein Problem. Haben wir ständig gehört, problem var wäre häufig passender gewesen.
Also: immer lieber nochmal nachfragen, eine zweite Meinung einholen und einfach auch selbst das Hirn einschalten. Apropo Hirn: Vor allem in einer Gaststätte, aber auch sonst ist es sinnvoll stets vorher nach dem Preis zu fragen. Das erspart nachträgliche Preisphantasien der Verkäufer.

So, das erst einmal in aller gebotenen Kürze. Bleibt ihr am Ball, so findet ihr bei mir in der nächsten Zeit wieder mein aus- und nachgearbeitetes Tourentagebuch zu lesen und viele Eindrücke auch in Bilderform dargereicht.

Noch Fragen? Stellt sie einfach und ich werde versuchen sie zu beantworten!

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