Test: Vaude Deneb

Vaude Deneb

Oder: wie alles begann

Vorweg erstmal: ja, ich schreibe jetzt, hier und nun wirklich und wahrhaftig über das Vaude Deneb. Natürlich gibt es das seit vielen Jahren nicht mehr neu zu kaufen und wird noch länger nicht mehr hergestellt. Allerdings bekomme ich hier dermaßen viele Suchanfragen mit dem Titel „Vaude Deneb“ rein, dass ich mich entschloss einen Artikel zu diesem Prachtexemplar zu verfassen.

Nach den ersten kindlichen Zeltabenteuern im Garten und zwei Radtouren mit Zelt an den Edersee und einen See nahe Borken, schlief meine Lust die Nacht in einem Stoffhaus zu verbringen für verschiedene Jahre ein. Anfang der 2000er aber bestritt ich mit meiner Damaligen die erste Radtour durch das sommerliche Thüringen und Sachsen. Etwas später fuhr ich mit ihr und zwei Kumpels durch das schöne Tschechien nach Prag, dann an Moldau und Elbe entlang bis Meißen. Wir nächtigten damals in Pensionen und Jugendherbergen und hatten eine nette Zeit. 2005 nahmen wir auf unserer Tour durch Tschechien, die Slowakei und Ungarn dann endlich auch mal wieder ein Zelt mit. Von Zelten keine Ahnung, kauften wir das Jack Wolfskin Tundra II. Mit über 4000g ist das nun wirklich kein Leichtgewicht, dafür aber auch nur fett zu verpacken. Naja, das Teil war eigentlich ganz nett, aber stickig drinnen und der Preis noch in Ordnung (damals lag die UVP bei 199,95€, bevor sie auf 269,95€ stieg). Nach dieser Tour, wir waren zu fünft und, nachdem wir unsere Mitfahrerin mit Verdacht auf Reifenpanne verlassen mussten, noch zu viert unterwegs, wollte ich aber mal ganz alleine fahren. Was wollte ich alleine nicht mitnehmen? Genau, dieses Zelt. Weihnachten stand vor der Tür und da ich eigentlich fast wunschlos glücklich bin, ist mir außer dem Zeltwunsch so gar nichts eingefallen, was meine Augen ansonsten zum Erleuchten gebracht hätte. Ein Zelt also. So wirklich Ahnung hatte ich von der Materie noch immer nicht und so „blätterte“ ich mich durchs Netz und fand nach einiger Suche einen Ebayhändler, der gerade Auslaufmodelle von Vaude vertickte. Welche das im Einzelnen waren, kann ich nun nicht mehr sagen. Aber eins war dabei, das hatte meine Aufmerksamkeit ganz schnell auf sich gezogen. Die Innenzeltmaße waren einfach gigantisch und das Gewicht dafür sehr gering. Ohne Heringe bringt es bei mir genau 2422g auf die Waage – ich glaube komplett war es mit 2600g angegeben, endlich mal ein ehrlicher Wert.
Naja, nun gings Schlag auf Schlag: bei einigen Auktionen bot ich mit, bis ich eins für 144€ ergattern konnte (UVP 369,95€). Das war ein Kauf (…naja, Geschenk), den ich nie bereuen sollte. Trotzdem: hätte ich mich auch heute noch dafür entschieden? Wer weiß.

Der Aufbau

Um die Unsicherheit zu verstehen, muss man wissen, um was für ein Zelt es sich beim Vaude Deneb handelt. Kennt es noch jemand? Sicher doch, oder? Das Deneb ist ein Einbogenzelt mit einer sehr langen Firststange. Nach meinem Dafürhalten sind Einbogenzelte Tunnelzelte. Sehr kurze Tunnelzelte allerdings. In ihrer einfachsten Ausführung besitzen sie kaum Kopffreiheit und sind entsprechend umkomfortabel. Aber nicht so das Deneb. Ihm haben die Konstrukteure eine lange Firststange spendiert, die für das extrem große Volumen des Zeltes stark mitverantwortlich ist. Tunnelzelte und entsprechend auch die Einbogenzelte haben nun das Problem, dass sie nicht selbststehend sind. Vielen ist das egal, mir eigentlich auch, aber manchmal kann es eben schon nerven. Denn während z.B. mein Nammatj schon mit vier Heringen gut steht, benötigt das Deneb derer mindestens sechs, die gut verankert und recht sauber gesetzt werden sollten. Ohne sie steht es nun gar nicht und besser noch man setzt auch noch die Sturmleinen, was 8-12 Heringe nötig macht. Gut, kein Problem werden viele sagen, aber weniger steht schneller, ist schneller, ist mir lieber. Vielleicht moser ich darüber aber auch nur rum, weil ich anfangs keinen Schimmer hatte wie man ein Tunnelzelt sinnvoll aufbaut und mir auch die Anleitung zum geschickten Aufbau keine große Hilfestellung gab. Während man das Zelt, nachdem die Stangen drin stecken, ja einfach nur gegen einen verankerten Hering auseinanderzieht, habe ich versucht die Hauptstange mittels Heringeversetzen der Sturmabspannungen (zentral, vorne und hinten) gerade aufzurichten. Das geht zwar, ist aber ziemlich dusselig. War die Stange erst einmal gerade, so ging das Heringsetzen los. Da das Außenzelt von oben gesehen ein 6-Eck bildet (eigentlich sogar ein 8-Eck), sind ebenso viele Heringe nötig. Und jeder einzelne Hering soll nun fassen: Das Außenzelt, das Innenzelt und das Footprint. Vielleicht bin ich etwas jammerig, aber der Aufbau des Deneb ist der Teil, der mir am wenigsten an ihm gefallen hat. Auch nachdem ich verstanden hab, wie es besser geht. Schulnote 3.

Steht das Deneb aber, so ist es eine einzige Freude. Zuerst einmal ist die blaue Farbe ziemlich cool, sie war es auch, die ihm den Namen Smoulinka (Schlumpfine) einbrachte.

Was dran ist und wie große und schwer und so

Das erste(?) Highlight Smoulinkas ist der 4-Wege-Reißverschluss am Außenzelteingang. Mit diesem lässt sich das Zelt äußerst kreativ öffnen: Entweder man „baut“ sich einen Eingang rechts oder einen links, oder aber beidseitig – oder aber man öffnet das Zelt auf seiner ganzen Breite und genießt einen ungestörten Blick aus dem Zelt nach draußen. Über den Eingangsbereich wird übrigens auch der Lüfter gesteuert: die Außenzelttür ist der Lüfter. Wenn die Tür komplett geschlossen ist, positioniert man die Zipper einfach so, dass die beiden mittleren oben stehen. Sie kann man nun einfach voneinander entfernen, also in entgegengesetzte Richtung ziehen und schon hat man eine sehr variable und regensichere Lüftung, die einem gleich als Fenster dienen kann. Extrem super! Ein zweiter, ebenfalls von innen bedienbarer Lüfter befindet sich auf der Rückseite des Zeltes. Natürlich ist auch dieser regensicher, wenngleich durch die geringere Größe nicht ganz so variabel. Trotzdem hatte ich mit dem Deneb nie Kondenswasserprobleme. Klar, Kondenswasser gabs natürlich auch schon mal, aber als problematisch habe ich es nie empfunden.

Bleiben wir aber noch kurz bei der Vorderseite des Deneb und betrachten wir die Apsis. Diese ist mit 90cm schön tief und mit 210cm auch ganz schön breit und sie verläuft steil. Sprich: man hat gut Platz in ihr fürs Gepäck. Bei Solotouren ist es dort sehr geräumig, zu zweit könnte es fürs volle Radgepäck noch etwas größer sein, aber eigentlich geht’s schon. Mit Rucksäcken: kein Problem. Wer sich damals noch das original Footprint gekauft hat, wird sich (sicher) darüber freuen, dass dieses auch die Apsis abdeckt und somit für trockeneres Gepäck und weniger Kondenswasser im Zelt sorgt.

Das Innenzelt erreicht man über zwei quasi dreieckige Türen: ein senkrecht verlaufender Reißverschluss trennt sie beide, zwei bis zu diesem in der Mitte verlaufende horizintale ermöglichen jeweils das getrennte Öffnen beider Eingänge. Auch hier ist schön, dass die Türen auf voller breite geöffnet werden können. Hinter den Denebtoren erwartet einen nun ein wahrer Palast. Die Liegelänge beträgt außen 210cm, die in der Mitte auf 230cm anwächst. Die maximale Innenzeltbreite liegt bei 200cm und die höhe bei maximal 113cm. Das ist doch mal was, oder? Allein ein Traum, zu zwei luxoriös, zu dritt noch möglich.
Zum erweiterten Komfort gehören innen an der Decke Schlaufen, um Leinen, Lampen o.ä. anzubringen und vier Taschen – ich glaube es sind vier, müsste ich nochmal nachgucken. 😉 Einen guten, wenn auch nicht kompletten Schutz vor Wind bietet das sehr hochwertige Innenzeltmaterial. Nicht komplett ist der Schutz aufgrund des nicht abdeckbaren Moskoitonetzes im oberen Zeltbereich an der Tür und am hinteren Lüfter, aber unangenehm aufgefallen ist mir dies nie. Zumal kann man auch die „Windigkeit“ im Zelt regulieren, je nachdem wie man das Deneb in den Wind stellt. Auf der Seite mit dem geschlossenen Gestängekanal ist das Außenzelt komplett bis zum Boden geschnitten, was den Wind weitestgehend aus dem Zelt draußenhält. Bei schlechten Wetter sollte diese Seite also gegen den Wind ausgerichtet werden. Ist das Wetter schön warm, kann man die Lüftung dadurch unterstützen, dass man nun die gegenüberliegende Seite in den Wind stellt, hier ist das Außenzelt höher geschnitten und erlaubt dem Wind unter ihm hindurch zu pusten.

Um hier erstmal ein kleines Zwischenfazit zu ziehen: Das Deneb war für mich das ideale Zelt. Zwar haperte es (anfangs) etwas mit dem Aufbau und auch jetzt dauert er noch ein wenig länger als bei meinen anderen Zelten, dafür glänzt das Deneb in allen anderen Bereichen: Variabilität, Größe, Gewicht und einer hervorragenden Konstruktion. Und nebenbei auch in sehr guten Materialien. Ein gutes und fettes Alugestänge ist eh Ehrensache, prima ist das beidseitig silikonisierte Nylon, welches Leichtigkeit, Reißfestigkeit und eine hohe UV-Stabilität ideal miteinander vereint. Der Boden ist zwar dünn, hat aber, ebenso problemlos wie der Rest, bislang allen Unbillen standgehalten. Subjektiv fühlt er sich recht steif an, was aber eigentlich wurscht sein sollte. Die Materialien haben den schönen Nebeneffekt, dass sie ein geringes Packmaß ermöglichen. Vaude gibt es mit 52x22cm an, in der Praxis sind inkl. Rollverschluss 45x18cm problemlos möglich. Lagert man das Gestänge aus, so kann man es noch wesentlich(!) kleiner verpacken.

Wie wars mit dem Zubehör? Einige Abspannleinen, viele von Vaudes sehr guten V-Heringen und eine Reparaturhülse. Nicht berauschend, aber immerhin. Schön ist der Packsack aus dem Außenzeltmaterial, unpraktisch die übrigen Packsäcke aus dem Material des Zeltbodens, denn sie rutschen kaum über die Verschlusskordel und lassen sich entsprechend sehr schwergängig öffnen und schließen.

In Sonne, Wind und Sturmgebraus

Wie schauts nun bei Wind und Wetter aus? Da hatte ich nie Gründe zur Beanstandung: Regen und Bodenfeuchtigkeit werden zuverlässig abgeblockt und auch von heftigem Wind lässt sich das Deneb nicht beeindrucken, sofern man es sorgfältig abgespannt hat. Laut wird’s, ja. Das Material flattert halt im Wind, aber mein Schlaf hat damit eher weniger Probleme.

Was noch richtig geil wär? Ein neuaufgelegtes Deneb, eines mit zwei Apsiden! Innen Megaplatz, vorne und hinten auch, dazu eine noch variablere Lüftung – und ein höheres Gewicht. Aber bei dem Platzangebot…? Ich fänds klasse.

Und mein Prädikat?

Sehr empfehlenswert… wenn einen der Aufbau nicht stört.

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2 Gedanken zu „Test: Vaude Deneb

  1. hallo, für einen neuling in sachen camping sind die beiträge ganz toll, hab schon viel davon verwenden können, bin auf weitere gespannt.
    lg dagmar

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