Test: Jack Wolfskin Atmosphere Dome I

Jack Wolfskin Atmosphere Dome I

Jack Wolfskin Atmosphere Dome I

Soha, ohje… ich habs getan. Mein Mitbewohner spricht nun nicht mehr mit mir, meine Freundin hat sich von mir getrennt, ich stehe im Abseits. Warum? Ich hab mir ein Zelt gekauft, jaa: noch eins. Aber das Dramatische daran, es ist ein Jack Wolfskin. Schluck. Normalerweise bin ich ja kein Freund dieser Modemarke, sie scheint sich in den letzten Jahren ja arg von guter Qualität zu „brauchbar im Alltag“ entwickelt zu haben.

Dennoch, deren Zelte sind nicht die Schlechtesten. Zwar würde ich auch hier tendenziell andere Hersteller bevorzugen, aber sie außen vor zu lassen wäre wohl verkehrt. Ein Nachteil der Wolfskin-Zelte war ihr häufig auftretendes Übergewicht im Vergleich zu ähnlichen Zeltkonstruktion. Für 2011 brachte der Hersteller dann aber eine Reihe neuer Zelte heraus, von denen viele einen mindestens vernünftigen Eindruck machten und die endlich aus höherwertigem Material gefertigt und damit auch leichter wurden. Das hier vorgestellte Atmsophere Dome I ist eines dieser Reihe, die jedoch augenscheinlich wieder eingestellt wurde (nicht mehr auf Homepage ersichtlich & Ausverkaufspreise). Entsprechend kann man nun und in der nächsten Zeit einen Auslaufmodellschnapper machen.

Baulich gleicht das Atmosphere dem älteren Termite doch arg, unterscheidet sich jedoch zumindest in den verwendeten, höherwertigen Materialien.

Materialien, Lieferumfang und Gewicht

Außenzelt: HT (high tenacity, also hochfestes) 40D Ripstopnylon mit einer Wassersäule von 3000 mm, beidseitig zweifach silikonisiert mit einer Weiterreißfestigkeit von 16,3 Kg nach DIN EN ISO 13937-4, Stoffgewicht von 57 g/m2
Boden: 70D Nylon mit einer Wassersäule von 10000 mm
Gestänge: DAC Featherlite NSL green (alle Materialien: Herstellerangabe)
Das liest sich nicht schlecht und macht auch haptisch ordentlich was her. Die Dauerhaltbarkeit kann ich natürlich noch nicht beurteilen, aber ihr werdet von mir hören. Wenn sich die ersten Eindrücke aber bestätigen, wird das eine ganze Weile dauern…

Sämtliche Aufbewahrungsbeutel sind aus dem Außenzeltmaterial gefertigt und entsprechend sehr leicht. Auch das übrige Zubehör lässt sich sehen: die Heringe sind sehr feine DAC mit V-Profil und 16cm Länge. Oben sind sie für eine Kordel angebohrt, mit deren Hilfe man sie wieder gut aus dem Boden bekommt, eine solche ist jedoch noch nicht montiert – aber sehr lohnenswert nachzurüsten. Ferner liegt dem Zelt eine Reparaturhülse und für jeden verwendeten Zeltstoff ein Ersatzstoff bei. Bei meinem lag noch eine Tube SilNet bei, da ich es aber gebraucht (de facto jedoch neu) gekauft habe, weiß ich nicht genau zu sagen, ob das Zeuchs vom Hersteller mitgeliefert oder hinzugekauft wurde.

Sicher kann man ein Zelt dieser Größe noch leichter bauen, aber ein Gewicht von nachgewogenen 1773 Gramm inkl. dem kompletten Lieferumfang, ist schon nicht schlecht! Das setzt sich zusammen aus: Außenzelt mit zwei Abspannleinen 590g, Innenzelt 670g, Gestänge 390g, Packsäcke 62g (großer 40, Gestängesack 14, Heringesack 8). Hinzu kommen noch 8 Heringe mit je 11, insgesamt also 88g. Die Reparaturhülse wiegt 10 und die Ersatzstoffe 8g. Das SilNet bringt es schließlich nochmals auf 35g. So. Wer minimal unterwegs sein mag, der schleppt mit einem Hering 1581g mit sicher herum. Das lässt sich doch hören, oder? Wobei es in der Praxis natürlich meist eher in Richtung Maximalgewicht unterwegs sein wird.

Aufbau

Och, der Aufbau ist wirklich simpel. Da ich mich mittlerweile an diese etwas fummeligen, komplett zusammenhängenden Gestängesysteme gewöhnt hab, sehe ich das auch nicht mehr so als Nachteil an. Am einfachsten finde ich das Innenzelt zuerst mit Heringen am Boden zu fixieren, dann kann es einem nicht weggeweht werden und haut auch nicht ab, wenn man das Gestänge einsetzt und spannt. Das Einsetzen des Gestänges ist ein bisschen anders als üblich gelöst. Es besitzt am Ende jeweils Kugelköpfe und wird in die entsprechenden Aufnahmen am Innenzelt geklippt. Das geht ganz einfach und ich finde es bei einem Zelt, welches man eh nur bei tendenziell gutem Wetter einsetzt, sehr gut gelöst. Im Schlamm oder Schnee mag das jedoch von Nachteil sein, da sich die Gestängeaufnahmen zusetzen könnten.

Durch den asymmetrischen Schnitt des Zeltes kann das Gestänge nur in einer Ausrichtung angebracht werden, was durch eine farbliche Kodierung angezeigt wird. Einzig die Farbe (dunkelblau abgesetzte Gestängesegmente, ansonsten dunkelgrau) ist im Dunkeln schlecht von der Hauptfarbe des Gestänges zu unterscheiden.

Ist das Gestänge komplett montiert, muss die Firststange über die Hauptstange gebracht werden. Das weicht zwar vom Foto der Anleitung ab, nicht aber vom geschriebenen Text. Jaja, hier haben die Macher nicht aufgepasst. Jetzt wird das Zelt komplett eingehängt, ich fange dabei mit dem Einhängen an die Firststange an, dann erst folgt der Rest. Dank der klasse Gestängeklippse geht das spielend und sie lassen sich auch hervorragend einfach wieder lösen. Nach diesem Schritt, also nach dem Einhängen, kann das Zelt in warmen und trockenen Nächten bereits solo verwendet werden. Jetzt spielt sich ein Vorteil(?) des Zeltes aus, nämlich der großzügige Einsatz von Moskitonetz am Innenzelt. Wird das Wetter schlecht, lässt sich das ebenfalls farblich markierte Außenzelt einfach drüberwerfen und man bleibt trocken. Das Außenzelt wird an der Firststange fixiert und kann zusätzlich mit ein paar Klettverschlüssen am Gestänge befestigt werden, was die Konstruktion windstabiler macht. Bei der Befestigung des Außenzeltes an den Gestängeenden geht Wolfskin einen unüblichen Weg. Meist kommen hier Blitzverschlüsse zum Einsatz, beim Atmosphere ist es eine einfache Klemme. Funktioniert ganz gut, ich hoffe es hält auch lange, aber auch hier gibt es bei Matsch und Schnee sicher Zusetztendenzen.

In jedem Fall ist das komplette Abspannen des Zeltes sinnvoll. Vorne wird damit die Apsis aufgespannt, hinten auch eine Art Apsis, die vor allem die Lüftung verbessert. Auch die Abspannleinen sollten gesetzt werden, denn sie halten die Lüfter offen – ein Detail, welches mir gar nicht gefällt – und dienen auch unten zur besseren Lüftung.

Details

Zuerst die gerade angesprochenen Lüfter. Sie sind mit Moskitonetz hinterlegt, aber nicht verschließbar. Wirklich offen halten sie nur, wenn man die Abspannleinen setzt. Na, hier hätte Wolfskin auch mal Lüfteraufsteller spendieren können.

Insgesamt ist das ganze Zelt für warmes Wetter ausgelegt. Das Außenzelt besitzt einen recht großen Abstand zum Boden und lässt sich an jeder Seite weit nach außen stellen. Hierzu passt, dass das Innenzelt schätzungsweise zur Hälfte aus Moskitonetz besteht – aber immerhin sind die unteren ~40cm und die komplette Oberseite aus „normalem“ Innenzeltmaterial.

Praktisch ist die hintere „Apsis“. Das ist nicht wirklich eine, aber das Außenzelt ist hier so weit geschnitten, dass man ein paar Sachen recht regen-, aber nicht spritzwassergeschützt unterbringen kann. Eine Zugriffsmöglichkeit aus dem Innenzelt wäre große Klasse, sie fehlt aber. Ebenso verbesserungswürdig sind die allesamt nicht verstellbaren Heringsschlaufen. Trifft der Hering im Boden auf einen Stein, sind diese sehr praktisch.

Im Inneren des Zeltes finden sich drei Taschen. Eine ist für die Aufnahme der Innenzelttür gedacht, was ich sehr praktisch finde, in zwei weiteren bringt man Kleinkram unter. Komisch: die zwei Kleinkramtaschen befinden sich am Fußende. Im Dach befinden sich fünf Schlaufen, die man beispielsweise als Wäscheleine nutzen kann.

Das Footprint lässt sich an die Gestängeendenaufnahme anklippen (genauso wie das Außenzelt). Das finde ich sehr praktisch und, im Gegensatz zu sehr vielen anderen Konstruktionen ist das nicht fummelig. Das Footprint sitzt exakt und kann, sofern es die Bedingungen zulassen, auch zum Einpacken am Zelt verbleiben. Ein Wort noch zur Zeltunterlage: erfreulicherweise wirkt diese sehr robust und ist darüber mit 263g auch nicht allzu schwer geraten. Einzig seine Verpackung ist durch das fummelige Einpacken eher unpraktisch. Sie ist direkt am Footprint angenäht – aber kann ja auch einfach abgeschnitten werden, sofern sie stört. Bei mir kommt das Footprint normalerweise eh mit in den Packsack des Zeltes.

Verarbeitung

Die Verarbeitung kommt nicht über ein ausreichend hinaus. Es gibt Stellen, die mir gar nicht gefallen haben: teilweise schauen die Nähte unsauber aus und gleichen eher schon meinen Nähversuchen als einem kommerziellen Produkt. Manchmal hat die Fadenspannung nicht gepasst oder die doppelte Kappnaht läuft etwas aus der Bahn und greift nicht überall die kompletten Stofflagen. Manche dieser Stellen habe ich abphotographiert. Davon ab laufen die Reißverschlüsse sehr gut, der Schnitt istweitestgehend gut und sauber und die Stresspunkte waren bei meinem Exemplar gar schon mit SilNet behandelt, allerdings etwas sorglos. Da die beiliegende Tube noch versiegelt war, nehme ich an, dass dies herstellerseitig geschehen ist.

Platzangebot

Hee, das ist ein Einpersonenzelt, also erwartet nicht zuviel. Oder doch? Schließlich beträgt die Breite am Kopfende 100, am Fußende 80cm. Die Liegelänge ist in Ordnung, für große Leute oder dicke Winterschlafsäcke (die man im Sommer aber eher weniger braucht) zu knapp bemessen. Am Boden sind es ca. 215cm, in 20cm Höhe rund 200cm. Auch für große Matten ist genügend Platz. Die Sitzhöhe beträgt maximal etwas über 100cm. Bequem sitzen kann ich (~182cm) in einem ziemlich großen Bereich und ein Gefühl der Klaustrophobie kommt nicht auf. Umziehen, Sachen lagern, sich bewegen, kein Problem im Atmosphere Dome I. Der Platz und das Raumgefühl im Innenzelt sind für ein Zelt dieser Größenordnung und Gewichtsklasse prima. Die Apsis ist hingegen eher klein (max. ca. 50cm tief), aber solo genutzt in Ordnung, zumal man auch die Art Apsis auf der Rückseite (ca. 35cm tief) noch nutzen kann.

Fazit

Mit dem Atmosphere Dome I erhält der Käufer ein ziemlich leichtes Zelt mit hohem Wohnwert, welches vor allem in wärmeren Regionen gut aufgehoben ist. Der Eingang ist bei geöffnetem Außenzelt zumindest halbwegs regensicher, aber für regenreiche Regionen gibt es vor allem aufgrund der Aufbaureihenfolge sinnvollere Alternativen. Was mir gefällt: die Gewichtsangabe des Herstellers ist ungeschönt und entspricht fast genau dem von mir ermitteltem Gewicht. Auch prima: Der Preis des Footprints (19,95€) ist nicht, wie bei manch anderem Hersteller, maßlos überteuert. Das Zelt ist mit 299,95€ zwar nicht billig, aber vergleichbar mit anderen Zelten dieser Klasse. Wer ein wenig schaut, bekommt es grad zum Preis des Termite, also für unter 200€ – und damit ist es wirklich günstig!

Messen muss es sich meines Erachtens nach am MSR Hubba und Hubba HP. Trotz seiner Ähnlichkeit erscheint es von der Konstruktion eher eigenständig und nicht als Kopie der beiden MSR. Welchem der dreien ich den Vorzug geben würde? Wahrscheinlich dem Hubba HP mit dem Außenzeltmaterial des Wolfskins und wahrscheinlich auch seiner Gestängeführung.

Die Materialien erscheinen sehr hochwertig und die Ausstattung ist gut. Leider könnte die Verarbeitung stellenweise besser sein und besitzen die Lüfter keine Aufsteller. Vor allem aufgrund der Verarbeitung gibt es „nur“ ein…

Und mein Prädikat?

Empfehlenswert plus

Würde ich mir das Zelt nochmal kaufen?

Tolle Materialien, viel Platz und ein recht vernünftiger Preis sprechen für das Wolfskin. Vor allem das Gewicht könnte dem Kauf einen Strich durch die Rechnung machen. Zwar ist es absolut nicht schwer, aber es geht noch wesentlich leichter. Ach, was solls: Das Ding ist super und ich würde es wieder kaufen.

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5 Gedanken zu „Test: Jack Wolfskin Atmosphere Dome I

  1. . ……..Die Dauerhaltbarkeit kann ich natürlich noch nicht beurteilen, aber ihr werdet von mir hören. Wenn sich die ersten Eindrücke aber bestätigen, wird das eine ganze Weile dauern…

    …..da is´ uns doch jemand etwas schuldig geblieben, oder hab´ ich was verpasst? 🙂

    • Hey!
      Nee… verpasst haste nix, nur Diplommäßig ist grad nicht viel drin. Kurz: ich war seither nicht mehr mit diesem Zelt unterwegs. Im Falle eines Zeltverkaufs werde ich diesen Punkt denn leider auch schuldig bleiben. Oder behalte ich es doch? Arghhh!

      • soso, ein diplomierter Outdoorer, na sowas. Is das nötig zum herumstreunen? hihi!
        Ich hab mir im Ausverkauf für 149 Öcken das selbige geleistet, konnte bei diesem Schnäppchen einfach nicht widerstehen. Bin aber auch noch nicht damit unterwegs gewesen, mal gucken, vielleicht mach ich mal einen Bericht. See you later…….

  2. Hallo,
    schön ausführliche Zeltvorstellung und gute Fotos. Kannst ja nach den ersten Einsätzen noch berichten, wie es sich in der Praxis macht. Ich habe wegen der hochwertigen Materialien auch schon seit längerem ein Auge auf das Atmosphere Dome geworfen und es mir jetzt zu einem supergünstigen Aktionspreis inkl. Footprint ebenfalls bestellt. Bin schon gespannt wie ein Flitzebogen und werde von meinen Eindruck dann hier im Kommentarbereich auch kurz berichten, wenn ich’s nicht vergesse.
    Komisch, die Zeltauswahl von JW wurde grad ganz schön zusammengestrichen. Vielleicht hängt es mit der kürzlichen Übernahme zusammen.

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