Der Lykische Weg, Teil 6 – 02.-03.07.2011

Der Lykische Weg

Über Phellos nach Kas

02. – 03.07.2011

Oha, ich wusste doch, dass ich mich gestern Abend nicht getäuscht hatte – hier ist wirklich ein Pferd. Oder sind es gar zwei? Ganz deutlich habe sein Wiehern gehört. Und nicht nur ich, Magda hats auch vernommen. Schließlich ist sie ebenfalls schon wach, denn immerhin ist die Sonne bereits vor 5 Minuten aufgegangen.

Vor dem hinunter in das Tal geht’s erst mal wieder hoch. Nicht viel, aber zum Aufwachen reicht es. Wir lassen die schöne Platane hinter uns, ebenfalls die gute und ergiebige Quelle und nun geht’s wieder über Steine und in den Wald. Die örtlichen Spinnen scheinen ihre helle Freude daran zu haben uns mit ihren Netzen den Weg zu verbauen. Am laufenden Band klatschen mir deren Fäden ins Gesicht, ich versuche sie vorher schon mit den Stöcken von mir fern zu halten. Mit mäßigem Erfolg. Gibt es weniger Bäume, kann man den schönen Ausblick auf das Tal und die umliegenden Berge genießen. Ist dort hinten etwa Schnee? Klar, der Berg ist noch stellenweise von Schnee bedeckt! Und das bei dieser Bruthitze um mich herum.
Die Zisterne am Wegrand lassen wir link… rechts liegen und verlassen den herrlich bewachsenen Traktorpfad nach einigen Minuten wieder, um uns in Richtung Phellos erneut in einen Wald zu schlagen. War der Weg vorher aber weitestgehend frei, so peitschen uns nun die Zweige ins Gesicht. Der Weg ist zwar recht gut zu erkennen, aber gut überwuchert und es ist schmerzhaft ihn zu begehen. Hier haben lange Klamotten eindeutig einen Vorteil.

So, jetzt noch dieser Fels und hier hinaufgewuchtet… vorsicht, rutschig! Schweißtropfen… tropfen, nun ist es geschafft. Wir erblicken die ersten Steine von Phellos und genießen den grandiosen Ausblick über die umliegenden Täler. Die vorgeschobenen Grabmäler, vor allem aber die alte Stadt ist weitestgehend eingestürzt und überwuchert, aber es macht richtig Spaß sie zu erforschen. Vorsicht ist aber angesagt, nicht in die alten Brunnen fallen! Bilder und einige Infos über Phellos findet ihr übrigens hier.

Eng, geröllig und teils stachelig ging es nun hinunter nach Cukurbag. Hier wird man gleich von der Moschee und einer leckeren Quelle begrüßt. Rechts um die Ecke findet man das Cafe Dede, in dem wir einkehrten, lecker und viel speisten, bis wir nicht mehr konnten. Die netten Leute bereiteten uns vornweg eine Bohnensuppe, dann gabs Gemüse mit Rührei und am Ende Joghurt mit Honig und Melone. Wie waren kurz vorm Platzen.
Der weitere Weg war erstmal weniger spannend, er verlief den Ort hinab und dann über ein weitgestrecktes Tal. Wer die Markierung verliert braucht sich keine Gedanken zu machen. Wichtig ist einfach, dass man, von Cukurbag aus gesehen, hinten links am Tal rauskommt. Dann wühlt man sich noch etwas durch Büsche, geht etwas weiter und stürzt ein paar hundert Meter in die Tiefe. Schon ist man in Kas. Vor dem Sturz sollte man aber freilich den Ausblick genießen, der ist herrlich!

Ein Tag Ruhe

In Kas wollten wir, nicht zuletzt, weil meine rechte Achillessehne überlastet war, einen ersten Pausetag einlegen und dafür bietet sich ein Campingplatz als Übernachtungsmöglichkeit nunmal an. Einen solchen fanden wir weit im Westen. Meines Wissens gibt es in dem Ort drei. Möchte man sie finden, fragt man einfach nach dem örtlichen Yachthafen oder der grünsten Wiese und schon hat man sie (beinahe). Vom Ort aus gesehen muss man vor dem Yachthafen links abbiegen, um den ersten C’p zu erreichen und die Hauptstraße am Meer weiterlaufen, um zu den beiden anderen zu gelangen. Besagter Hafen ist lang und so findet man Can Mocamp noch, bevor man an ersterem zur Gänze vorbeigelaufen ist. Als wir dort eintrafen, waren die Betreiber noch wild am Wiederaufbauen der kleinen, stark gestuften Anlage, bei der es sich eigentlich auch weniger um einen Campingplatz, als vielmehr um einen sehr netten Club mit einer Art Zeltwiese handelt. Sollte er mal gut besucht sein, was ich für die Leute dort hoffe, würde ich sicherlich noch einige Schritte weiter zum nächsten C’p laufen. Sehr schön ist dieser eher nicht, aber auch Caravane können dort stehen. Bei Can Mocamp geht das überhaupt nicht. Nun, die Übernachtung war günstig, die Getränke leider sehr teuer und so schleppten wir unsere Einkäufe aus der Stadt heran. Und bevor ich es vergesse, die Sanitäranlagen waren… gewöhnungsbedürftig, aber immerhin wusch ich mir hier das erste Mal seit Frankfurt wieder meine Haare.

Ja, Kas ist ganz nett. Aber seid mir nicht bös‘, irgendwie waren die besichtigten Städte alle nicht so mein Fall. Nett ja, aber eben auch nicht mehr. Doch, doch noch etwas mehr, nämlich heiß, glühendheiß. Auf keinen Fall sollte ich vergessen das Theater zu erwähnen. Das gehört zwar sicherlich nicht zu den großartigsten Bauwerken der Antike, ist jedoch prima erhalten oder vielmehr, es wurde stark ausgebessert und wird nun wieder für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Wir besuchten es auf unserem Rückweg aus Kas (ja, der Ort heiß: Kasch, aber ich nutze halt mal keine Sonderzeichen 😉 ), nachdem wir viel und lange durch die Stadt gewandert sind, einen Strand suchten, eine Pide verschlangen und ich beim Friseur war, der mich anschließend mit Rasierwasser besprenkelte. Woah, wie ich das Zeug liebe…

Ein Pausetag war es am Ende nicht, aber immerhin lagen wir am Ende gar noch eine oder zwei Stunden am Strand und badeten im Meer. Den Abend genossen wir liegend, entspannend und tagebuchschreibend bei einem Obstabendmahl auf unserem schönen C’p.

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