Test: Easy Camp Star 200

Easy Camp Star 200

Ja, ich habs getan. Bereue ich? Nö. Hab ich draus gelernt? Wahrscheinlich mehr weniger bis mehr mehr.

Amazon hatte ein Easy Camp Star 200 für 24,95€ im Angebot (UVP 69,95€) – und die Versandkosten waren da auch schon mit drin. Also hab ich eins gekauft. Wollts mir halt einfach mal anschauen und herausfinden, ob es für Gelegenheitstrekker, Festivalbesucher oder Einsteiger irgendwie empfehlenswert ist. „So“ erscheint es ja durchaus ganz interessant zu sein. Das Star 200 ist ein Längsschläfertunnel mit ordentlicher Apsis… aber ich fange mal ganz von vorne an.

Aufbau & Ausstattung

Gewohnt schnell war das Zelt bei mir. Geliefert wurde es in einem riesigen Karton, in den sechs Zelte der Sorte gepasst hätten. Ich hatte grad sehr viel zu tun und so bot mir die Lieferung einen schönen Grund geistiger Zerstreuung. Ausgepackt, auf den Dachboden gerannt und das Zelt aufgebaut.

Easy Camp liefert das Zelt in einem Reißverschlusspacksack mit Griff. Der ist mal fett. In der Breite kommt er, bedingt durch die langen Gestängesegmente, auf ganze 60cm. Dafür stimmt der Durchmesser mit rund 15cm versöhnlich. Noch besser dann: der Blick auf die Wage. Nur 2620g wiegt das Zelt komplett mit allem Zubehör, den Etiketten und Beuteln. Für ein Zelt dieser Preisklasse finde ich das nicht verkehrt.
Die Hand geht zum Reißverschluss, greift ihn, zieht ihn langsam zurück. Der Blick auf das Innere wird freigeben. Erwartungsgemäß werde ich nicht von Topmaterialien, sondern einer „Baumarktplane“ als Zeltboden angegrinst. Das ist wohl dem Preis angemessen. Die übrigen Stoffe scheinen für den Preis in Ordnung, aber glücklich würde ich nicht damit.

Also der Aufbau. Normalerweise würde ich jetzt die relativ leichten Stahlheringe auspacken, aber der Vermieter sieht es wohl nicht so gern, wenn ich seinen Dachboden durchlöchere und so bleiben sie wo sie sind und ich klebe das Zelt mit Tape am Teppich fest. Das Gestänge, 8,5mm dürres Fiberglas, muss ich hingegen auspacken und zusammenstecken. Ach, habe ich mich lange nicht mehr mit so einem Murksgestänge herumgeschlagen (richtiger: noch nie). Wobei, beim Aufbau machts keine großen Probleme und flutscht trotz überstehender Hülsen recht gut durch die Gestängekanäle durch. Die sind übrigens farbig markiert, damit man gleich weiß, welche Stange wo durch muss. Am anderen Ende ist der Kanal tot, was den Aufbau vereinfacht und schneller von Hand gehen lässt.
Jetzt wird das Zelt hinten fixiert, nach vorne straff gezogen und auch dort festgemacht. Die hierzu benötigten Schlaufen bestehen aus einer Elastikschnur. Warum? Weiß ich auch nicht. Denn wenn ich das Zelt so aufbaue, dass die Kordeln nicht ganz gespannt sind, steht das Zelt nicht vernünftig. Wenn ich sie gut spanne, steht das Zelt… wenigstens halbwegs vernünftig. Naja, es wirft zwischen den Gestängebögen halt Falten, was bei Tunneln ja auch nicht so unüblich ist. Will man die halbwegs wegbekommen, müssen die Sturmabspannungen ebenfalls genutzt werden. Ist ja auch sinnvoll.
„So“ kann ich eigentlich noch wenig gegen das Zelt sagen. Die einfacheren Materialien waren mir vorher bekannt. Sie sind zwar ein Kritikpunkt, aber bei dem Preis? Es sollte klar sein, dass man bekommt, wofür man bezahlt.

Das Zelt steht, das Innenzelt will aber noch eingehängt werden – ist es ab Werk nämlich nicht. Also die Apsis auf. Dankenswerterweise hat man nun drei Möglichkeiten sie zu öffnen: frontal, links oder rechts. Gut. Weniger gut gefällt die Befestigung des Innenzelts am Außenzelt. Zwar hat man, wie üblich, Knebel und Ringe, aber ganz unten wird das Zelt einfach mit Haken eingehängt. Im Alltag macht das nichts, aber baut man es ab und wieder auf, muss man die Haken jedes Mal erneut anbringen, da sie meist rausflutschen. Kein Beinbruch und eigentlich kaum erwähnenswert, aber hierfür würde ich mir was anderes basteln. Überrascht hat mich, dass das Innenzelt am Boden nur an vier Punkten mit dem Außenzelt verbunden wird, nämlich am vorderen Gestängebogen und gaanz hinten. Ungewöhnlich, aber es klappt ganz gut.

Hinten ist das Innenzelt nun schon eingehängt, jetzt mache ich das auch vorn…
Ihr kennt das bestimmt. Man knöpft sich ein Hemd zu und irgendwann stellt man fest „Uuups, da passt was nicht. Hab ich wohl falsch geknöpft.“ Genau das Gefühl hatte ich bei dem Zelt auch. Irgendwas hat da nicht gepasst. Hier kontrolliert, da kontrolliert, dann den Fehler entdeckt. Die Aufhängungspunkte vom Innen- und Außenzelt stimmen ja gar nicht überein. Mannometer, das hab ich ja noch nie erlebt. Wie ihr auf den Bildern seht, hat der Aufbau zwar geklappt, aber ich hab mir schon ordentlich Sorgen um die Haltbarkeit der Abspannpunkte gemacht. Sie waren zwar ziemlich stark gespannt, haben aber gehalten. Irgendwie schon auch ein Pluspunkt, oder?
Gehalten haben sie, aber das Innenzelt sah dadurch doch arg… ungewollt aus.

Gut, gut. Dann aber mal die Tür auf und rein in die gute Stube. Der Reißverschluss läuft nicht sonderlich gut. Zum einen kommt das durch die ungünstige Spannung, die durch die schlecht platzierten Abspannpunkte auf ihn ausgeübt, zum anderen wurde aber auch nicht der höchstwertige Reißverschluss verbaut. Pluspunkt: die komplette Tür ist gedoppelt und kann auch nur mit einem Moskitonetz versehen werden. Gleiten die Augen weiter nach hinten, fallen rechts zwei Taschen auf, unter dem hinteren Bogen ein Kunststoffhaken und an der hinteren Schräge eine Zwangsbelüftung des Innenzelts.

Das Leben im Zelt

Innen ist das Zelt relativ hell, macht aber einen tendenziell beengten Eindruck. Kopffreiheit bietet es höchstens unter dem vorderen Bogen, aber ganz entspannt kann ich dort mit meinen 182cm auch nicht sitzen. Zu zweit ist es diesbezüglich kein Bringer. Und wie liegt es sich im Zelt? Schon ohne Schlafsack war es mir nicht möglich so zu liegen, dass meine Füße nicht mit dem Innenzelt spielen. Auch die diagonale Liegevariante hat keine sonderlichen Vorteile gebracht.

Etwas ernüchtert bin ich also wieder aus dem Zelt gekrochen und habe es mir noch etwas betrachtet. Vorne und hinten findet man jeweils einen recht großen Lüfter, der sich bei genauerer Betrachtung (mit Moskitonetz hinterlegtes „Loch“ im Außenzelt) als kleiner erweist, als es die große Hutze vorgaukelt. Im Vergleich zu vielen anderen Zelten ist er dennoch ordentlich. Komplett geschlossen können die Lüfter nicht werden, man kann sie nur „anlegen“ und mit einem kleinen Klettpunkt sichern. Naja, na gut, bei dem Einsatzbereich des Zelts ist das sicher zu verschmerzen. Schade finde ich hingegen, dass der Lüfter (zumindest bei meinem Model) nicht gut offen stehen bleibt. Schauts euch auf den Fotos an.

Abbauen & Verpacken

Der Abbau gestaltet sich etwas schwerer als der Zusammenbau. Das liegt ganz einfach daran, dass die Gestänge auf dem umgekehrten Weg nicht mehr so gut aus den Kanälen herausflutschen. Hat mans geschafft, ist der Rest jedoch ein Kinderspiel. Soll heißen: wow, der Packsack ist mehr als ausreichend groß, um das Zelt auch noch nach der Nutzung drin zu verpacken! Das ist bei günstigen Zelten ja nun nicht gerade selbstverständlich.

Technisches

Überzelt: PU beschichtes Polyester
Innenzelt: Polyester
Gestänge: Glasfiber 8.5mm
Boden: 100% Polyethylen („Baumarktplane“)
Packmaß: 60x15cm (Herstellerangabe: 55 x 15cm)
Gewicht, komplett: 2620g (Hersteller: 2700g)
Gewicht Gestänge mit Sack: 570g
Gewicht Heringe mit Beutel: 280g (wie viel Heringe waren es denn nun nochmal… arghhh, das hatte ich mir doch irgendwo notiert… 12? 14?)

Was sag ich denn jetzt?

Wie mir scheint ist das Star 200 ein „wir wollten eigentlich, aber es ging bei dem Preis irgendwie nicht“ Produkt. Das Zelt hat gute Anlagen und manch nette Details, aber insgesamt bleibt es einfach ein „Günstigzelt“. Vielleicht fällt mir eine Bewertung leichter, wenn ich Vor- und Nachteile einfach mal gegenüberstelle.

Positiv
+ relativ geräumige, variabel zu öffnende Apsis
+ farbig markierte, einseitig geschlossene Gestängekanäle
+ recht große Lüfter
+ ausreichend großer Packsack
+ Preis

Negativ
– sehr kurzes Innenzelt
– geringe Innenzelthöhe, schlechtes Raumgefühl
– wenig Platz für zwei Schläfer
– einfache Materialien
– Verarbeitung
– etwas fummeliger Auf-, ziemlich fummeliger Abbau durch hängenbleibende Gestängehülsen
– einfache Ausführung einiger Details (Lüfter, Abspannpunkte etc.)

Über die Windstabilität und die allgemeine Wetterfestigkeit kann ich an dieser Stelle höchstens Prognosen anstellen – und da erwarte ich nicht viel. Eigentlich gedachte ich das Zelt ja tatsächlich praktisch zu testen, aber aufgrund der Verarbeitung am vorderen Gestängebogen werde ich es ersatzlos zurückschicken.

Soll ich es empfehlen? Hmm. Ein massiver Kritikpunkt ist natürlich die Verarbeitung: solch schräg angenähten Befestigungen für das Innenzelt gehen natürlich gar nicht. Aber ich möchte Easy Camp nicht vorverurteilen und hoffe, dass es ein verarbeitungsmäßiger Ausrutscher war und dieser Mangel nicht häufiger auftritt. Immerhin war das restliche Zelt durchaus vernünftig – aber nicht besser – gearbeitet. Die herabhängenden Fäden im Innenzelt würde ich einem teuren Zelt ankreiden, bei diesem hier sehe ich drüber hinweg. …ach, ich machs kurz und knapp: Für Schnuppereinsteiger, die mal bei gutem Wetter unterwegs sind, ist das Zelt wohl in Ordnung und für die ~25€ ein absoluter Schnapper – sofern es kein Verschnittmodell ist. Aber ob ich 60€ für ausgeben würde? Ein gutes gebrauchtes kann man schon für rund 70-120€ bekommen und ist damit sicherlich wesentlich besser bedient.

Und mein Prädikat?

Gerade noch empfehlenswert für Festivalzeltzerstörer oder spielende Kinder
Nicht empfehlenswert für den halbwegs ernsthaften Einsatz

Würde ich mir das Zelt nochmal kaufen?

Ich? Auf keinen Fall.

Hersteller:

Easy Camp Star 200

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Ein Gedanke zu „Test: Easy Camp Star 200

  1. Was man nicht alles kauft um dem Lernstress zu entfliehen. Aber besser als die Wohnung zu putzen wie es andere Leute taten.
    Auf dem Foto sind übrigens 12 Heringe zu erkennen. 😉

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