Test: MSR Skinny One

Testbericht vom Einwandzelt: MSR Skinny One

Was um alles in der Welt ist das denn? Ein Zelt, klar – und was für eins. Der Begriff „Dackelgarage“ wurde bei MSR ernst genommen und gekonnt in Zeltform umgesetzt. Beim Skinny heißt das, um diesen Artikel mit dem…

…Platzangebot…

…zu beginnen und die Wurmform in Wörtern auszudrücken, folgendes: Der Durchschnittsmann kann gerade so nicht drin sitzen, er wird stets an der Decke anstoßen. Die Durchschnittsperson kann (natürlich) drin liegen, aber vielmehr als die Standardisomattenbreite sollte sie an Platz nicht benötigen. Für wirklich kräftige Menschen ist das Zelt sicherlich weniger geeignet. Recht lang kann der Zeltbewohner hingegen sein. Zumindest ich hatte bei meinen 183cm in Kombination mit dem Western Mountaineering Badger noch keine großen Liegelängenprobleme – höchstens schmaler hätte der Schlafsack sein können.

Wir sehen also: innen geht’s im Zelt eher beengt zu, sogar so beengt, dass man höchstens Kleinigkeiten (Handy, Lampe…) mit ins Zeltinnere nehmen kann. Sonst wird’s richtig eng. Halbwegs vernünftigen Platz für alles weitere bietet hingegen die zu drei Seiten hin sehr variabel zu öffnende Apsis. Leichte Sachen kann man auch durchaus in dem riesigen Gearloft verstauen, dazu aber später mehr.

Bauform

Wie auf den Bildern sofort ersichtlich, beim Skinny One, welches es auch in einer „Too“-Version gab, handelt es sich schlicht um ein langes und sehr schmales Tunnelzelt mit zwei Gestängebögen. Die Form erinnert dabei sehr stark an das hauseigene Dragontail, welches als herausstechendsten Unterschied jedoch noch einen dritten Gestängebogen zwischen den beiden anderen besitzt. Auf Deutsch: das Dragontail ist fürs gröbere Wetter gedacht. Der dritte Bogen besitzt jedoch noch einen weiteren Vorteil. Die beiden Bögen des Skinny weisen am Dach einen sehr großen Abstand voneinander auf, so dass das vernünftige Abspannes des Zeltes etwas schwierig wird. Das Dach hängt gern mal etwas durch.
So besonders wäre das Skinny mit seiner Bauform jedoch nicht, würde es nicht zwei höchst spannende Eigenschaften aufweisen. Ich mache es kurz: das Skinny ist ein Einwandzelt, eine Tropfsteinhöhle, noch dazu eine aus einem nicht dampfdurchlässigen Zeltstoff. Ohje, und noch dazu diese Größe… also, diese Kleine… ööhm, diese kleine Größe! MSR hat aber mitgedacht und dem Zelt zu einer äußerst guten Lüftung verholfen.
Maßnahme Nr. 1: Der Zeltstoff an der Apsis langt nicht bis zum Boden und entsprechend wird Luft zwischen beiden hindurchströmen und der gelangt via…
Maßnahme Nr. 2: …“Innen“zelttür ins Zeltinnere hinein. Diese Abtrennung vom Zeltinneren und der Apsis besteht nämlich gänzlich aus Moskitonetz.
Maßnahme Nr. 3: Über der Innenzelttür befindet sich ein mehr oder weniger zu verschließender Lüfter, der von Werk aus leider nicht mit Moskitonetz verschlossen ist. Finde ich ausgesprochen blöd, denn so läuft einem (mir!) das ganze Spinnenvolk direkt auf das feine Gearloft. Ungeschickt, weswegen ich mir den Lüfter auch mit entsprechendem Stoff zugenäht habe.
Maßnahme Nr. 4: Der absolute Hammer ist jedoch der hintere Zeltbereich, also alles hinter dem zweiten Gestängebogen. Warum? Nun, als eine äußere Lage hat MSR hier Moskitonetz angenäht, die innere Lage Stoff besteht aus dem normalen Zeltstoff. Soll heißen: sofern es nicht regnet kann man durchaus den wasserdichten Stoff wegzippen (also per Reißverschluss abtrennen und am „Innen“zeltboden verstauen). Nun genießt man einen fast freien Blick in die Sterne. Würde man zumindest genießen, wenn das nicht das Fußende wäre. Eigentlich ist es ja egal wie herum man sich ins Zelt legt, aber im Fußbereich ist das Zelt nun einmal noch schmaler. Passt schon, aber mehr Platz wäre mir doch irgendwie lieber gewesen.

Der Aufbau

Soll ich den Aufbau eines Tunnelzeltes hier schon wieder beschreiben? Ach, das wird ein kurzes Kapitel: Die Gestänge werden vorsichtig zusammengesteckt, das Zelt ausgelegt und an den vier Extrempunkten (Ecken) mit Heringen fixiert. Nun wird je ein Gestängebogen durch den ultrakurzen Gestängekanal geschoben und in die passenden Ösen gesteckt, womit sich das Zelt schon aufrichtet. Der Gestängekanal sollte dabei in die Mitte des Gestänges befördert werden, das macht er ungern von allein. Steht das Zelt, werden noch insgesamt acht Klippse an das Gestänge gepoppt, fertig. Der Aufbau geht superschnell und einfach. Zum Nachspannen gibt es nur an der Apsis entsprechende Versteller. Sinnvoll ist es, noch mindestens links und rechts der Innenzelttür einen Hering zu setzen, sofern man die Apsis seitlich öffnen möchte – sonst rutscht dieser Bereich gern weg.
Na, und die Sturmabspannungen sollte man auch nicht vergessen. Bei gutem Wetter setze ich gern nur die Abspannungen seitlich am Zelt, also die, die zwischen beiden Bögen direkt an den Zeltstoff greifen. Darüber hinaus gibt es noch vier Abspannmöglichkeiten beim Gestänge. Diese habe ich mir mit einer Schnur etwas verlängert, damit ich sie leichter (überhaupt erst) ums Gestänge wickeln kann. An beiden Gestängebögen befindet sich jeweils ganz oben noch ein Abspannpunkt. Nutzt man diese, so strafft sich das Zeltdach sehr angenehm, aber der Eingang wird etwas zuge…schnürt (Seil im Weg).

In der Praxis

Klein, einwandig… also nahm ich mir ein kleines Handtuch mit, um das Zeltinnere bei Bedarf vom anfallenden Kondenswasser befreien zu können. Eine gute Idee. Gleich die erste Nach im Skinny war recht feucht. Geregnet hat es nicht, aber dafür war, nach einer klaren Nacht mit rund 6°C, die Sichtweite am Morgen doch arg durch starken Nebel eingeschränkt. Der obere Lüfter war offen und den riesigen Hecklüfter hatte ich zu rund einem Drittel geöffnet (siehe Foto). Und, wie war es? Och, so schlimm eigentlich nicht, zumindest wurde ich nicht vom Dach her vollgetropft. Die Zeltwände waren innen recht feucht, aber so viel stärker als ich das von doppelwandigen kenne nun wohl auch nicht. Etwas blöd ist halt, dass der Schlafsack und alles was an die Wände kommt, und das geht bei dem Zeltvolumen sehr, sehr schnell, gleich nass wird. Aber okay, damit kann ich bislang gut leben. Morgens einmal drübergewischt und der Großteil der Nässe ist weg. Während des Frühstückens kann man den Riesenlüfter nach Lust und Laune öffnen, einen Teil der Apsis auch und schon kann der Wind gut durchpfeifen – das Zelt trocknet dann ziemlich schnell.

Wirklichen Wind hatte ich bislang nicht, von daher kann ich auch wenig über die Sturmstabilität aussagen. Die Lautstärke des Zeltes hielt sich bei mäßigem Wind, laut Anemometer ca. 7m/s, in Grenzen, gesetzt waren nur die zwei besagten, seitlichen Abspannungen. Geflattert hat vor allem das Dach, aber das ließe sich bei Nutzung der Abspannungen vorne und hinten am jeweiligen Gestängebogen oben noch gut in den Griff bekommen (getestet).

So, das wars erstmal (fast) von der Praxisecke. Ich hoffe aber, dass hier in Zukunft noch so einiges hinzukommen wird.

Zum Schluss nochmals kurz zu zur Größe. Der Käufer sollte wissen worauf er sich einlässt. Das Zelt ist wirklich so klein, wie es auf den Bildern aussieht – zumindest so schmal und niedrig. Also mach euch keine Illusionen. Wirklich komfortables Umziehen, Bewegen, Drehen ist in dem Zelt eher nicht möglich, zumindest nicht bei meiner Größe.

Und bevor ich es vergesse kommt hier noch etwas eher technisches, nämlich der Lieferumfang und das Gewicht.

1452g wiegt das Zelt ohne Heringe, Abspannleinen und den Heringsbeutel. 1530g bringt es auf die Waage, wenn man letztere mitrechnet. 78g Zubehör werden also mitgeliefert: 8 Heringe – oder waren es 10? – und zwei Abspannleinen von jeweils rund 2 Metern Länge. Das ist mager, aber eher typisch für MSR. Reparaturflicken sucht man vergebens, Nahtdicher ohnehin, ausreichend Abspannleinen und Heringe zum kompletten Abspannen auch. Da hofft MSR wohl, dass man deren sündhaft teures Zubehör noch hinzukauft?! Schaut euch mal die Preise davon an…

Fazit

Wer mit der Einschränkung der geringen Größe leben kann und mit der Tatsache des fehlenden  Moskitonetzes am vorderen Lüfter (ab einer bestimmten Höhe über „0“ mag das ja egal sein, aber ich nutze das Zelt ja auch gern hier unten), der bekommt für relativ wenig Geld ein sehr schönes, ordentlich verarbeitetes Zelt mit einem tollen Ausblick in die Sterne. Die Kondenswasserproblematik war bislang noch keine, ich bin gespannt welche Erfahrungen ich bei Regen machen werde…

Und mein Prädikat?

Sehr empfehlenswert – für den der weiß, was er will

Würde ich mir das Zelt nochmal kaufen?

Das Skinny One wirkt eine starke Anziehungskraft auf mich aus. Zu Fuß oder per Rad habe ich es gern dabei. Den Kauf würde ich dennoch nur wenigen Leuten empfehlen, dafür ist es einfach zu speziell. Und ich? Ich würde es sofort wieder kaufen.

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