Test: 66 North Mens Vik Hooded

Testbericht: 66 North Mens Vik Hooded aus Polartec Power Stretch

Vornweg erst einmal: vielen Dank an die Bergfreunde, die mir diese Power Stretch Jacke zum Testen zur Verfügung gestellt haben.

Mit der Produkt- und Materialbezeichnung ist schon einiges gesagt.
Power Stretch stammt von Polartec und ist eine Art Fleece  mit einer glatten Außen- und einer flauschig weichen Innenseite. Gegenüber normalem Fleece bietet Power Stretch einen etwas besseren Windschutz und sieht, naja, auch schicker aus. Typisch fürKleidung aus diesem Material ist dder stets enganliegende Schnitt.
Hooded? Klar, wir haben hier eine Jacke mit Kapuze – und die liegt genauso eng an wie die übrige Jacke.

Testumgebung

Der Schwarzwald, genauer der Zweitälersteig, war das diesjährige Ziel für unsere Ostertour. Die Temperaturen sollten für die Region auch in der Nacht etwas über dem Gefrierpunkt liegen. Entsprechend plante ich mit meinem Mountain Equipment Helium 250 und einer eher leichten Daunenjacke bewaffnet die Tour zu bestreiten. Sicherlich ginge es mit meinem Western Mountaineering Badger kuschelig wärmer, aber die Kombination aus einem eher kühlen Schlafsack mit einer warmen Jacke ist vielseitiger, nicht aber unbedingt schwerer.

Pünktlich zur Tour kam die Jacke per Post bei mir an. Eine Anprobe zeigt: Größe „L“ passt mir bei 183cm/83Kg perfekt. Im Bereich der Achseln ist der enge Schnitt zwar anfangs etwas ungewohnt, fällt jedoch schnell nicht mehr auf. Was hingegen auffällt: oouh, die Jacke ist kuschelig und schön warm. Der Kuschelfaktor relativiert sich zwar nach verschiedenen Wäschen, aber die Isolationsleistung bleibt ordentlich.
Na, dachte ich mir, wenn die 66 North so schön warm ist, ich eh noch eine Hardshell dabei habe die ich als Windschutz drüberziehe, dann brauche ich für die Pausen oder die Abende auch keine Daunenjacke. So dachte ich zumindest bis mir am Donnerstagabend auf dem Weg in den Schwarzwald dann einfiel: Mist! Die Daunenjacke ist doch vor allem als Zusatzisolation für meinen lütten Sommerschlafsack gedacht! Ohje, hatte ich zwischenzeitlich vergessen.
Jedenfalls war das der Grund, warum ich die 66 North die nächsten 96 Stunden nur noch zum Umziehen ausziehen sollte… schließlich wurden aus den erhofften Plusgraden leichte Minusgrade…und Schnee gabs auch.

Schnitt & Details

Eigentlich ist diese Jacke ja schon recht gewöhnlich, oder? Gut, sie ist schön eng geschnitten, besitzt eine eng anliegende Kapuze, einige auffällige Nähte – aber sonst? Zwei Details machen sie doch zu etwas (fast) besonderem. Großartig finde ich die sehr lang geschnittenen, mit Daumenschlaufen versehenen Ärmel auf der einen und den Gesichtsschutz auf der anderen Seite. Gesichtsschutz? Nun, der Hersteller hat mitgedacht und den Kragen – oder vielmehr dessen Vorderseite – auffällig und gefällig geschnitten. Der im oberen Bereich hinterlegte (Kinnschutz) Reißverschluss beschreibt nach oben hin einen leichten Bogen und verläuft entsprechend nicht mittig auf der Jacke. Zudem ist der vordere Bereich sehr hoch geschnitten und kann bei Bedarf über Mund und Nase gezogen werden. Da die Jacke auch untenrum, relativ lang geschnitten ist… Hach, ist das angenehm!
Der Schnitt und die Details sind schlicht prima. Fehlt irgendwas? Ehrlichgesagt hätte ich mich über einen Aufhänger und mindestens eine kleine Tasche gefreut. Unterwegs höre ich ja schon gerne Hörbucher oder Musik und hierfür wäre die Tasche doch schon ganz nett – oder mal zum Händewärmen.

Praxis

Am Donnerstagabend zog ich die Jacke an, am Montagabend wieder aus. Zwischendurch geschah das höchstens zum Umziehen. Das deutet a) darauf hin, dass es im Schwarzwald durchaus frisch war (und ich sonst nichts warmes dabeihatte) und sich b) die Jacke echt gut trägt.
Bewegungsfreiheit
Die Jacke liegt eng an, aber das bedeutet keine Einschränkung der Bewegungsfreiheit – das Material heißt nicht umsonst Power Stretch. Bewegungen werden also keineswegs eingeschränkt. Eine minimale Einschränkung stellt hier lediglich die Kapuze dar. Sie besitzt keinerlei Regulierung/Verstellmöglichkeit, liegt einfach nur eng an, schließt gut ab und dreht gut mit. Nur bei Extrembewegungen des Kopfes (Schulterblick) spannt der Stoff leicht. Das ist aber eher nur spürbar als das es praktische Relevanz hätte.
Klima
Top. Über Ostern trug ich, natürlich nacheinander,  drei verschiedene Shirts unter dem Power Stretch Teil: Merino (Aldi Süd), Decathlon (so ein einfaches Basicteil für 6€) und ein Mountain Hardwear Wicked Lite Short Sleeve. Eine zusätzliche Schicht (Mountain Equipment Firefox) hatte ich nur manchmal am Abend an, um einen zusätzlichen Windschutz zu erhalten. Wenngleich die Jacke ein wenig Wind abhalten mag, vor Wind schützt sie eher mäßig und ist keinesfalls mit einer Softshell oder einem Windbreaker zu vergleichen.
Tagsüber hat mir die Kombi, sofern ich in Bewegung war, locker gereicht und das auch noch bei leichten Minusgraden. Egal ob angestrengt bergauf oder entspannt in der Ebene – die Jacke hat stets Spaß gemacht. Ab und an öffnete ich sie einwenig, um etwas stärker abzudampfen, aber in der Regel war die Jacke einfach nur komfortabel zu tragen. Da es bei aufkommendem Wind durch die Jacke durchzieht ist man tendenziell einer permanenten Kühlung ausgesetzt, die ich im Genannten Einsatz stets schätzte.
Wurde es etwas windiger, kälter, unangenehmer, zog ich die Kapuze über und/oder nutzte ich den Windschutz vorm Gesicht. Überfordert war die Jacke nur während unserer Pausen, hier hätte ich mir eine etwas potentere Isolation gewünscht hätte – oder ich hab einfach meine Hardshell übergezogen. Ohne diese Maßnahme wurde es schnell kalt.
Wetterschutz
Vor Wind schützt die Jacke nur mäßig. Beim Wandern ist das bei moderaten Wetterverhältnissen angenehm, auf dem Rad eigentlich auch, aber es kann auch schnell mal ins Gegenteil umschlagen. Gerade auf dem Rad herrscht ja nun mal meistens (Gegen-)Wind und entsprechend beschränkt sich der Einsatzbereich auf nicht ganz soo kalte Tage. Bis rund 5 – 10°C trage ich die Jacke beim Radfahren solo mit einen Funktionsshirt drunter. Wird es kälter, so sollte man noch eine Windjacke o.ä. tragen. Die Jacke wärmt dann wie ein dünner Fleece.
Schutz gegen Regen bietet die Jacke eigentlich keinen. Natürlich kann sie schon mal ein paar Tropfen ab ohne dass das Wasser gleich bis auf die Haut vordringt. Hier verhält sie sich ähnlich einer Fleecejacke und hat ebenfalls „Notlaufeigenschaften“. Ist die Jacke nass, so wärmt sie trotzdem noch einigermaßen tapfer weiter. Anschließend ist sie recht schnell wieder trocken.

Fazit

Polartec liefert mit Power Stretch ein sehr feines und vor allem auch vielseitiges Material! Ordentliche Isolation und ein toller Klimakomfort sind für mich die großen Stärken. Zudem stretcht das Material sehr schön, was enge Schnitte hervorragend ermöglicht.
66 North schneidert aus dem Stoff eine hervorragend funktionelle und prima geschnittene Jacke. Eine Tasche fehlt mir persönlich zwar, aber das ist auch der einzige Wehrmutstropfen.

Und mein Prädikat?

Sehr empfehlenswert

Advertisements

Ein Gedanke zu „Test: 66 North Mens Vik Hooded

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s