Test: Robens Green Hawk

Testbericht: Robens Green Hawk

Die dänische Firma Robens kann Zelte bauen, das haben sie schon mit so manch einer Konstruktion bewiesen. Das Robens Sierra Lodge und das Trailstar 1 habe ich dabei selbst schon ausgeführt und beide hinterließen, gemessen an ihrem Preis, einen soliden Eindruck. Robens klassifiziert seine Zelte dabei in Adventure, Trekking, Lite und Xtra lite, die beiden angesprochenen Zelte fallen unter die Adventure-Kategorie.  Die „Lites“ sind sicherlich am universellsten einzusetzen, nicht zuletzt aufgrund ihrer guten Materialien.

Vergangenes Jahr „schoss“ ich solch ein Universalgenie aus der leichten Linie: das Robens Green Hawk. Unschwer ist zu erkennen, dass es sich dabei um eine etwas ungewöhnlichere Konstruktion handelt, nämlich einen Tunnel-Querschläfer. Auf den ersten Blick erinnert es somit an das etwa doppelt so teure Helsport Stjernetind oder das Xtend Adventure Blizzard. Zumindest grob ähnelt es natürlich auch dem grandiosen Exped Venus II, wenngleich dessen Konstruktion denn doch noch eine andere ist (–> Querlieger-Tunnelzelt mit Firststange).

Konstruktion & Aufbau

Beim ersten Aufbau, der wirklich leicht und schnell von der Hand geht, wird einem bewusst, welch ein Koloss das Robens in Wirklichkeit ist. 365x240cm Grundfläche sind alles andere als zierlich, hingegen sichern sie aber auch ein wirklich komfortables Leben im Innern des Zeltes. Aber mal der Reihe nach, zuerst muss das gute Stück ja aufgebaut werden. Gleich nach dem Auspacken, eigentlich sogar schon vorher, fallen wohl die Gestänge auf – und zwar positiv. Deren Länge ist einfach… ach, herrlich. Mit ihren weit unter 40cm (genauer: 33,5cm!) Segmentlänge kann man sich das Green Hawk ja fast schon quer in die Hosentasche stecken. Hat man die Gestänge komplett und, wie immer vorsichtig, zusammengefügt und liegt das Zelt vor einem aus, wird ersteres nun in letzteres gesteckt. Und worein? Tja, die Gestängekanäle verlaufen bei den „Lites“ auf der Innenseite des Außenzeltes, was das Zelt weniger anfällig für heftigen Wind machen soll. Fummelig ist das ganze dabei keineswegs. Das Gestänge wird einfach durch das Außenzelt nach innen geführt. Die entsprechende Stelle verfügt zwar über keine neongrün blinkende Laufschrift „Eingang“, aber durch ihre lichtreflektierende Applikation ist dieser auch in der Dunkelheit (bei Lichteinfall) gut zu finden. Bis der Gestängekanal in einer Sackgasse endet, läuft das Gestänge durch diesen sehr glatt und leicht. Auf der Einsteckseite wird das Gestänge ganz einfach in Köcher gesteckt. Sofern man dies noch nicht getan hat, sollte man das Zelt jetzt mit zwei Heringen an einer Schmalseite verankern, mit zwei weiteren Heringen um das Zelt herumlaufen und es entgegen der ersten Heringe auseinanderziehen und nun mit den beiden mitgebrachten Heringen sichern. Das Zelt steht und ist schon fast fertig aufgebaut. Allerdings muss man sich nun nochmal zu den beiden Gestängeköchern begeben und diese in Richtung Zelt spannen. Wobei, kann man eigentlich auch sofort in dem Aufbauschritt vorher machen. Egal. Das haben andere Hersteller besser gelöst: bei Robens muss man die Köcher in Richtung Zelt drücken, während man das durch den Köcher durchlaufende Gewebeband durch diesen durchzieht und über einen Plastikspanner spannt. Geht einigermaßen gut, ginge aber schöner. Nun noch die verbliebenen Abspannmöglichkeiten nutzen, bei Bedarf nachspannen – fertig. Wichtig sind hierbei mindestens die Sturmabspannungen der Lüfter. Setzt man diese nicht, hängt das Zelt über dem Innenzelt ein wenig durch. Und das Innenzelt damit auch.

Insgesamt ist der Aufbau wirklich sehr schnell, problemlos und einfach zu bewerkstelligen.

Nun steht es also vor einem. Die großen Lüfter erinnern mich fast schon an mein Hilleberg Nammatj 3 GT. Sie sind beim Robens zwangsmoskitobenetzt und mittels Reißverschluss und Außenzeltmaterial komplett von innen zu verschließen. Gut gemacht. Wer auf mehr Durchzug steht, der öffnet nicht nur die beiden Lüfter, sondern auch die vier Türen (das Green Hawk ist punktsymmetrisch aufgebaut) und freut sich nun über die Frischluftzufuhr und den guten Ausblick. Die Türreißverschlüsse laufen dabei quasi direkt neben dem Innenzelt, also am Übergang von diesem Bereich zur Apsis, was die Bedienung vereinfacht und verhindert, dass man zum Bedienen halb aus dem Zelt herauskraxeln muss. Gut gemacht. Und wo wir schonmal bei den Apsiden sind, diese Monster (110cm tief und ewig breit) bilden kein Dreieck, sondern ein Trapez und nehmen auch die fettesten Rucksäcke oder großes Radgepäck spielend auf und lassen dennoch Platz für allen möglichen Unfug. Sehr gut gemacht. Ach ja, natürlich darf ich nicht vergessen zu erwähnen, dass das Außenzelt rundherum komplett bis zum Boden gezogen ist und somit einen tollen Schutz vor allen Unbillen des Wetters bieten. Prima, weil das Zelt dennoch sehr gut belüftet werden kann und es seine Variabilität erhöht.

Okee, also nun zum Innenzelt. Die Eingänge sind sehr groß ausgeführt und lassen sich, wenn geöffnet, einfach in einer dafür vorgesehenen Tasche verstauen. Ich finde diese Lösung praktisch. Im oberen Drittel oder Viertel beider Türen findet sich abdeckbares Moskitonetz, das Einzige am ganzen Innenzelt. Im Sommer wäre mehr abdeckbare Moskitonetzfläche aber angenehm und sinnvoll.

Das Leben im Zelt

Das Raumgefühl ist nicht von schlechten Eltern. Prima ist auch die Liegebreite von 140cm – richtig Platz für jeden. Aber: ohweh! Die Liegelänge von am Boden gemessenen 220cm langt für meine ~182cm und meinen WM Badger aus. Längere Leute müssen das einfach mal probieren. Vielleicht ist die Liegelänge aber auch für größere Leute kein KO-Kriterium, schließlich hängt mir mein Nammatj-Fußteil auch stets auf den Füßen, gerade nach Schneefall. Also, testen und zur Not lässt sich das Außenzelt ja auch noch etwas nach außen abspannen. Sitzriesen werden des weiteren ggf. am Innenzelthimmel anstoßen, aber bis zum Außenzelt bietet es hier noch eine lockere Handbreite Platz, weswegen auch das unproblematisch ist. Ich kann das Anstoßen zwar provozieren, sitze aber doch meist leicht gebeugt und stoße eben nicht an.

Mal so als Zwischenfazit: die nicht komplett mit Moskitonetz versehenen Innenzelttüren sind der einzige Kritikpunkt, den ich bis zu diesem Zeitpunkt wirklich ausmache.

Angenehm, aber alles andere als ungewöhnlich ist die Farbe des Innenzeltes: gelb. Sie vermittelt ein gemütliches Innenleben, wenngleich der Außenzeltstoff eher dunkel ist – aber keineswegs unangenehm. Messies freuen sich über die beiden Taschen im Innenzelt, Hausfrauen und -männer über die eine Wäscheleine. Darüber hinaus gibt es im Zelthimmel keinerlei Schlaufen… außer eben den beiden, an denen die Leine hängt.

Wer kein Innenzelt braucht oder es schlicht mal aushängen möchte (z.B. um es nass zu verpacken): das geht spielend und am Boden per Blitzverschlüsse. Obenrum über Ringe und Knubbel, die an Elastikbändern hängen. Gegenüber dem (geöffneten) Außenzelt ist das Innenzelt etwas zurückversetzt, was Regen davon abhalten kann aufs oder in das Innenzelt zu fallen – sofern er nicht zu schräg fällt.

Verarbeitung & technisches

Nach meinen negativen Erfahrungen mit der Verarbeitung des Jack Wolfskin Atmosphere I überzeugt das Robens hier auf ganzer Linie. Zwar mag mal eine Naht nicht absolut gerade sein, aber das hält sich nun wirklich in Grenzen. Von einem sehr gut mag ich bei der Verarbeitung absolut nicht abgehen. Nee, wirklich nicht. Das passt einfach. Nebenbei sind die Materialien Top und haben noch keinen Grund zur Beanstandung gegeben. Die Zipper laufen super.

Nicht rekordverdächtig niedrig, aber, gerade gemessen an der Größe und dem Preis recht angenehm, ist das Gewicht. 3150 Gramm wiegen Innen- & Außenzelt inkl. aller Abspannleinen, dem Gestänge und beider passenden Packsäcke. Zum Aufbau empfehle ich mindestens 6 Heringe. Vier weitere sind für die seitlichen Sturmabspanungen sehr sinnvoll – und schon sind wir auf dem vom Hersteller angegebenen Minimalgewicht von 3300 Gramm. Ein ehrlicher Wert. Etwas schwerer wird’s natürlich noch mit der mitgelieferten Reparaturhülse, weiterer Heringe und deren Beutel.

Etwas besser hätte Robens sicherlich bei folgenden zwei Details arbeiten können. Spannt man zum einen die Gestängebecher am Außenzelt, so wirft das Zelt, und damit der Außenzeltreißverschluss, Falten. Die Bedienung des Reißverschlusses wird dadurch in diesem Bereich erschwert. Zum zweiten wäre es schön, könnte man die Kordeln, die die Außenzelttüren offen halten noch etwas stärker spannen, um sie besser zu fixieren. Naja, das mögen nur Kleinigkeiten sein, die höchstens mal etwas nervig sind. Mehr nicht.

Fazit

Das Robens Green Hawk gehört zu meinen absoluten Lieblingszelten und ist für mich mittlerweile stets die erste Wahl, wenn es auf Radreise geht. Warum? Nun, um das nochmal kurz zusammenzufassen:

  • Der Aufbau ist blitzschnell erledigt und supereinfach
  • Das Raumangebot ist vor allem in den Apsiden schlicht gigantisch
  • Material, Verarbeitung und Details stimmen
  • Packmaß und Gewicht sind im Vergleich zur Größe gut und auch beim Wandern zu zweit noch tragbar
  • Der Wetterschutz ist klasse
  • Der Preis ist heiß

Meine Wunschveränderung wäre die Innenzelttüren komplett mit Moskitonetz zu doppeln, dann würde das Zelt im Sommer noch mehr Spaß machen. Aber auch so ist mein Fazit schlicht und ergreifend…

Und mein Prädikat?

Sehr empfehlenswert +

Würde ich mir das Zelt nochmal kaufen?

Wenn das Zelt für Radtouren eingeplant wirtd, definitiv ja! Da gibt es für mich kaum bessere. Soll es allerdings nur im Rucksack transportiert werden, so würde ich wohl nach etwas leichterem schauen.

Links

Hervorragend hat das Robens im Windtest des Outdoor-Magazins abgeschnitten, den ihr euch mal anschauen solltet.
http://www.youtube.com/watch?v=MIoBi-1bArM&feature=related

Die Produktvorstellung direkt von Robens könnt ihr hier bewundern.
http://www.youtube.com/watch?v=b-zCE2z7-uk

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Ein Gedanke zu „Test: Robens Green Hawk

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