Test: MSR Sweet Water Purifier System

Testbericht über das MSR Sweet Water Purifier System

Es ist kein Geheimnis, dass die hervorragende Trinkwasserversorgung, die wir in Deutschland und einigen anderen Ländern genießen, weltweit gesehen eher die Ausnahme als die Regel darstellt. Um dies zu erfahren muss man nicht die „abgelegenen“ Regionen der Welt besuchen, schon eine Reise in unsere Nachbarschaft macht ein nachträgliches Aufarbeiten des Leitungswasser sehr sinnvoll. Beispiel Rumänien: In Teilen des Landes bezieht die Landbevölkerung ihr Wasser aus Brunnen von sehr unterschiedlicher Qualität. Also ich dort eine Weile lebte, konnte sich mein Körper nach einer Weile an das Wasser gewöhnen. Schnell können einem die im Wasser befindlichen Krankheitserreger aber den ganzen Urlaub verderben, hoffentlich nicht noch mehr. Wenn ich mich darüber hinaus an das Wasser erinnere, welches wir in den Zisternen entlang des Lykischen Wegs fanden… Die Zisternen sind nach oben hin grob mit Stöcken oder Brettern abgedeckt. Größere Tiere bleiben draußen, Insekten etc. fallen gern mal rein. Das Wasser holt man über ein Behältnis nach oben, ebenso die Tierchen, welche an der Oberfläche treiben. Und das Wasser soll ich nun trinken? Nix da, zuerst wird das aufgearbeitet. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten, gängig sind folgende:
1. Das Abkochen des Wassers verbraucht Brennstoff und dauert recht lang.
2. Das Wasser wird mittels natürlicher oder künstlicher (wesentlich schneller!) UV-Strahlung trinkbar gemacht
3. Das Wasser wird chemisch aufgearbeitet, schmeckt anschließend aber weniger gut.
4. Man nutzt einen Wasserfilter wie das MSR Sweetwater Purifier System.

Letztere Methode und vor allem der entsprechende Filter sollen hier vorgestellt werden.

Funktionsweise

Im Prinzip kann man sich einen Wasserfilter schlicht wie ein Sieb vorstellen. Bröckchenwasser kommt auf der einen Seite hinein, alles was größer ist als die Sieblöcher bleibt stecken, der Rest kommt auf der anderen Seite hinaus. Sichtlich verschmutztes Wasser kann man schlicht durch ein Tuch oder vergleichbares laufen lassen, das hält Schwebstoffe schon ordentlich zurück. Nun sind die Krankheitserreger aber bekanntermaßen wesentlich kleiner als alles, was man so sehen kann. Die Sieblöcher müssen also extrem klein sein. Im Falle dieses Filter sind die „Löcher“ rund 0,2 Mikron winzig. Das ist nun klein genug, um (nach MSR-Angabe) 99,9999% der Bakterien herauszufiltern. Schön, aber Chemikalien und Viren flutschen halt dennoch locker durch. Macht das was? Na klar! Also muss man auch hiergegen etwas tun. Gegen manche, aber lange nicht alle Chemikalien schützt die Verwendung von Aktivkohle im Filter, die auch den Wassergeschmack verbessern kann. Gegen Viren hingegen helfen weiterhin nur die anderen Aufbereitungsmethoden Chemie, Abkochen, UV-Licht. Man sieht also, ein Wasserfilter allein ist nicht 100%ig sicher, stellt aber die für mich sinnvollste Version der Aufbereitung dar.

Bevor ich nun auf diesen Filter zu sprechen komme, eine kleine Geschichte zum sicheren Umgang mit einem Wasserfilter. Zur eigenen Sicherheit und um die Lebensdauer des Filters zu erhöhen, sollte man stets das sauberste verfügbare Wasser nutzen. Das sind normalerweise schnell fließende, klare Gebirgsbäche. Als ich nun 2007 durch Rumänien tourte und mein Wasservorrat nahezu am Ende war, filterte ich mir klares, schnellfließendes Gebirgswasser in meinen Becher. Ich probierte, befand das Wasser für annehmbar, schluckte und spuckte. Plötzlich vernahm ich ein massives Brennen im Mund und Hals. Das letzte noch zur Verfügung stehende sichere Wasser nutzte ich zum Spülen meines Mundes. Als ich weiter den Berg hinauffuhr, standen da Baumaschinen im und am Wasser… Seither bin ich trotz Filter stets sehr vorsichtig und nutze nach Möglichkeit gekauftes Wasser, bzw. Leitungswasser, wenn dies sicher ist. So, nun aber zum MSR Filter.

Lieferumfang

Der Käufer ersteht mit dem Sweetwater einen kompakten, sehr einfach aufgebauten Wasserfilter, bei dem sich im Lieferumfang alles Notwendige befindet. Der Filter als solcher, Vorfilter und Schwimmer, verschieden farbige Schläuche zur sichereren Handhabung, ein Flaschenadapter für verschiedene Flaschensysteme (auch Weithals). Hinzu kommt ein Transportbeutel, eine recht ordentliche Anleitung und, zum Schutz vor Viren, die SweetWater Purifier Solution (chemische Wasseraufbereitung) und eine Reinigungsbürste, falls der Filter verstopfen sollte.

Bedienung & Verarbeitung

Vor der ersten Nutzung muss der Filter gebürstet und gespült werden, wie in der Anleitung beschrieben. Dann geht alles ganz einfach. Beide Schläuche werden korrekt angeschlossen, der Schwimmer auf die gewünschte Tauchtiefe des Grobfilters (und damit der Wasseraufnahnme) eingestellt, der Handgriff sehr einfach und schnell mit der Pumpe verbunden – schon ist der Filter einsatzbereit. Der Grobfilter wird in das zu filternde Wasser getaucht, der Flaschenanschluss an das gewünschte Behältnis angeschlossen… und nun wird gepumpt. Das angesaugte Wasser wird durch den Filter und die Aktivkohle gedrückt, damit gereinigt und läuft ordentlich schnell in den Zielbehälter. MSR gibt eine Durchflussmenge von ca. 1 Liter/Minute an. In der Praxis stimmt das nur bei sauberem Wasser. Je nach Verunreinigungsgrad (auch klar erscheinendes Wasser kann den Filter ordentlich zusetzen) sinkt die Rate aber auch ordentlich ab und das Pumpen wird entsprechend anstrengender. Nervig, aber normal. Sehr einfach und schnell geht nun jedoch die Reinigung von der Hand. Es wird einfach das Kopfteil, also die Pumpeinheit herausgeschraubt und mit der Bürste über das Innenleben des Plastikzylinders (den Filter) gebürstet. Zusammen mit dem Schmutz verschwindet dann auch jedes Mal ein wenig von dem Filter – er wird zunehmend dünner. Hat er eine bestimmte Stärke erreicht, so wird ein Indikator sichtbar, welcher dem Nutzer verrät: tausch mich mal lieber aus, ich filtere nicht mehr sicher!

Die Verarbeitung ist in Ordnung. Zwar macht die Pumpe rein optisch nicht den höchstwertigen Eindruck, dafür ist sie schlicht und durchdacht gestaltet und lässt sich insgesamt gut handhaben. Der Handgriff ist an seinem Ende leider etwas scharfkantig. Insgesamt ist die Konstruktion für den Verwendungszweck, also den mobilen Gebrauch, praxisgerecht, wenngleich mir ein MSR Miniworks oder Katadyn Vario solider erscheint.

Praxistest

Bei diesem Produkt muss ich klare Abstriche beim Praxistest machen, denn der einzige Verwendungszweck dieses Produkts ist nun einmal das Filtern und Trinkbarmachen von Wasser. Der Filter filtert halt Bakterien – aber wie soll ich seine dahingehende Qualität nun messen? Krank geworden bin ich nach seiner Verwendung noch nicht… ansonsten muss ich mich wohl auf den Hersteller verlassen. Einzig die Handhabung etc. kann ich bewerten und im großen und ganzen ist dies bereits im letzten Kapitel geschehen.
Insgesamt sehe ich im Betrieb keine eklatanten Unterschiede im seltenen Gebrauch dieses Filters oder eines anderen. Das bislang verwendete Wasser war bislang stets so klar, dass ich den Sweetwater noch nicht reinigen musste und insgesamt ist mir auch noch nichts aufgefallen, was mich an ihm wirklich stört. Vielleicht der etwas scharfkantige Handgriff, aber dem kann man ja mit etwas Schmirgelpapier begegnen.
Und die möglicherweise etwas weniger solide Konstruktion? Die bereitet mir keinerlei Kopfschmerzen. Sie trägt zum niedrigen Gewicht von XXX Gramm bei und sollte beim bestimmungsmäßigen Verwendungszweck (wenige Reisende, Gewicht hat Priorität) nun keinerlei Probleme bereiten. Für größere Gruppen und längere Reisen würde ich zu einem anderen Filter greifen.
Eine kleine Besonderheit bei dem Sweetwater stellt das mitgelieferte Fläschchen (59ml) Purifier Solution dar. Bevor ich abschließend darauf zu sprechen komme, möchte ich nur kurz ein paar Auffälligkeiten des Filters zusammenfassen.

Gut:
– Geringes Gewicht
– Die Pumpe besitzt ein Überdruckventil, die ein Durchdrücken der Bakterien bei zu heftigem Pumpen verhindern soll
– Für das Zerlegen des Filters benötigt man kein Werkzeug
– Der Flaschenadapter ist vielseitig einzusetzen

Nicht so gut:
– Hmm, wirklich negatives ist mir noch nicht aufgefallen. Das Packmaß könnte alles in allem kleiner sein, aber ich kenne keinen Filter, der sich effektiv kleiner verpacken ließe.

Sweetwater Purifier Solution

Ein kleines Fläschchen voller Gefahr befindet sich im Lieferumfang des Filters. Gefährlich ist der Inhalt in zu stark konzentrierter Form vor allem für die Augen, aber nicht nur diese… und sonst auch für alles, was sich nach dem Filtern noch im Wasser aufhält und zumindest irgendwie an Leben erinnert. Die Purifier Solution demoliert nun die sich im Wasser befindlichen Viren. Der Filter lässt diese ja, da sie viel zu klein für ihn sind, passieren und somit ist dieser Schritt noch sinnvoll.
Auf einen Liter Wasser werden schlappe 5 Tropfen der Lösung gegeben, nun muss kräftig umgerührt und eine Weile gewartet werden, bevor man das Wasser trinken sollte.

…und, wie isses? Ich führe das Glas zum Mund, atme vor dem ersten Schluck noch leicht ein und stöhne. Uaargh, Chlor – wie eklig. Dann probiere ich, halte aber weiserweise die Luft an: Geht eigentlich. Der Geschmack ist in Ordnung, ein leichtes Chloraroma fällt auf, aber das, so nehme ich an, rieche ich eher, als ich es schmecke.

In Begeisterungsstürme breche ich nach Anwendung dieser Chlorlösung zwar nicht aus, aber sicher kann sicher kann.

Fazit

Mit dieser Wasseraufbereitungskombi erhält der Käufer eine angenehm leichte und einfach zu verwendende Möglichkeit der Wasserversorgung unterwegs. Wer beim Filtern unbedingt Viren eliminieren möchte, ist jedoch nicht auf diesen Filter angewiesen. Ein entsprechender sonstiger Wasserfilter und eine extra gekaufte Lösung zur Virenbeseitigung hat natürlich den gleichen Effekt.
Für Gewichtssparer und selten Anwender ist der Kauf dieses Filters…

Und mein Prädikat?

Sehr empfehlenswert

Würde ich ihn weiterempfehlen?

Bedingt. Wer zwar einen Filter dabei haben, aber dennoch Gewicht sparen möchte und in kleiner Gruppe unterwegs ist, für den empfehle ich den Sweetwater weiter. Der Waterworks EX erscheint mir aber einfach solider – ich würde zu ihm raten. Alternativ ist der Platypus GravityWorks eine echte Empfehlung. Sehr leicht, er funktioniert via Gravitation und kann mit einem zusätzlichen Aktivkohleelement versehen werden, welches sich dann auch sehr einfach und günstig austauschen lässt. Das Problem der Aktivkohle: sie ist idR. lange vor dem Ende des Filters erschöpft .

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2 Gedanken zu „Test: MSR Sweet Water Purifier System

    • Stimmt, das liest sich erstmal komisch und ist wohl einfach meinem Schreibstil geschuldet. Allerdings vertraue ich nichts vollends und auch nach Filter & Chlor sollte man sich eben nicht absolut sicher fühlen – vielleicht sind keine Krankheitserreger mehr drin oder nur noch in harmloser Zahl, aber nachdem ich mir nach dem Filter von Gebirgswasser meinen Mundraum verätzt(?) hab, schreibe ich bei diesem Thema lieber vorsichtig.

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