Test: Soto Muka Stove

Testbericht über den Soto Muka Stove

Seit 2010 besitze ich bereits einen Edelrid Hexon und somit einen Kocher, der von Gas bis Diesel so ziemlich alles verbrennt, was ihm in den Tank kommt. Von den Beinen einmal abgesehen bin ich mit ihm auch hochzufrieden – also warum habe ich dann beim Soto Muka Stove nicht widerstehen können? Und: hat sich der Kauf gelohnt? Nun, bevor ich diese Frage abschließend beantworte, muss ich wohl erst einmal so einiges klären.

Funktionsweise

Die Fähigkeit Benzin ohne manuelles Vorheizen zu verbrennen hat den Soto Muka Stove in der Outdoorwelt recht berühmt werden lassen. Warum? Flüssigkeiten verbrennen nicht – was verbrennt sind deren Gase. Das (in diesem Fall) Benzin muss also in den gasförmigen Zustand gebracht werden. Hierzu wird bei einem herkömmlichen Benzinkocher der Vergaser vorgeheizt, das heißt… quasi in Brand gesteckt. Ist dies geschehen, so wird das Regelventil aufgedreht, das unter Druck gebrachte Benzin läuft durch den Vergaser, wird dort – wie der Name schon sagt – vergast und das Gas brennt nun. Beim Soto funktioniert das im Prinzip nicht anders. Auch hier wird in der Benzinflasche durch Pumpen ein Überdruck erzeugt, das Benzin vergast und entflammt. Worin liegen also die Unterschiede zu einem herkömmlichen Benzinkocher?

Besonderheiten des Soto Muka Stove

Der erste Unterschied liegt bereits im Druckaufbau. Während bei meinem Edelrid Hexon und voller Flasche vielleicht 20 Pumphübe zum Betrieb reichen, benötigt der Soto derer mindestens 80. Ist die Flasche leerer, kann man diese Zahl auch mal ganz locker mehr als verdoppeln. Hilfreich beim Pumpen ist ein kleiner Manometer: „rot“ zeigt an, dass man das Pumpen beenden sollte.
Der Druck ist aufgebaut, nun kann es losgehen. Der Regler wird entsichert (ein Stück herausgezogen), auf die Startposition gestellt und das herausströmende Gas entzündet. Whuuusch, der Kocher brennt und heizt sich die nächsten ca. 15 Sekunden vor. Ist das geschehen, so wird der Regler in den Regelbereich gestellt und brennt recht leise vor sich hin. Leise, aber mit infernaler Kraft!
Der Unterschied besteht also vor allem im Fehlen des manuellen Vorheizens. Manuelles Vorheizen bedeutet: Ventil kurz aufdrehen, etwas Benzin auf den Brenner tröpfeln lassen, Ventil verschließen, Benzin entzünden und mit dem erneuten Aufdrehen des Ventils warten, bis das erste Feuer fast runtergebrannt ist – ca. 45 Sekunden lang.

Vor- und Nachteile des „Selbstvorheizers“

Bevor ich nun weiter auf den Soto eingehe, möchte ich bereits an dieser Stelle auf die Vor- und Nachteile seiner Funktionsweise hinweisen.

Auf der Habenseite sehe ich:

Plus: Das manuelle Vorheizen entfällt, die Bedienung ist insgesamt einfacher und erscheint mir sicherer als bei anderen Benzinkochern.

Plus: Den Soto kann man ausmachen, gleich wieder „anschalten“, wieder aus, wieder an – kein Problem. Wenn ein üblicher Benzinkocher ausgemacht wird, muss er vor einem erneuten Entzünden meist abkühlen.

Minus: Der Soto läuft nur mit Rein- und Normabenzin. Ersteres ist in Deutschland recht teuer, letzteres… tja, seit wann gibt es an Tankstellen denn kein Normalbenzin mehr? Eine Weltreise mit unsicherer Treibstoffversorgung scheint mir entsprechend weniger sinnvoll mit diesem Teil. Schade eigentlich.

Minus: Die Benzinflasche benötigt ein größeres Luftvolumen als die eines herkömmlichen Benzinkochers. Die Benzinflasche für 480ml Benzin muss ein Gesamtinnenvolumen von ca. 700ml besitzen Eigentlich nicht tragisch, nur etwas unpraktisch fürs Packvolumen und Gewicht. Apropos Flasche: Soto besitzt einen eigenen Flaschenstandard: es müssen die original (teuren) Sotoflaschen zum Betrieb gekauft werden.

Minus: Zum Betrieb ist ein hoher Luftdruck in der Flasche nötig. Das macht sehr viele Pumphübe notwendig. Tendenziell fänd ich das nicht soo schlimm, aber die Pumpe könnte etwas präziser ausgeführt sein. Zumindest meine neigt auf den ersten Milimetern zum Verkanten, wenn man sie nicht sehr präzise herunterdrückt. Das ist schon etwas nervig.

Minus: Im Laufe der Zeit, so ab 20 Litern verbranntem Benzin, wird die immense Leistung des Kochers abnehmen. Nach wohl so 40 Litern muss der Generator ausgetauscht werden. Den Preis des Generators kenne ich nicht genau, ich hab da was von 50€ gehört. Klingt viel, aber Soto ist bei den Preisen von Ersatzteilen ordentlich… kreativ. Nun muss jeder für sich selbst schauen ob sich ein Kauf lohnt, denn auch 20 Liter Benzin zu verbrauchen kann eine gaanze Weile dauern.

Was haben wir denn nun? Einen Benzinkocher, der mit rund 200€ eine ganze Stange Geld kostet. Dafür darf man auf das Vorheizen verzichten, muss aber ordentlich pumpen. Und der Kauf eines wenig günstigen Ersatzteils ist vorprogrammiert. Ein Zwischenfazit gefällig? Spart euer Geld, kauft einen herkömmlichen Kocher – und lest unbedingt weiter!

Lieferumfang und technische Daten

So, jetzt geht’s mal so richtig ins Detail. Der Kocher wird in einer chic gestylten Pappverpackung geliefert, bei den Bergfreunden ist auch die passende Benzinflasche mit dabei. Und sonst? Alles zum Transport, zum Betrieb und zur Wartung notwendige ist bereits beim Kauf enthalten. Schnell noch Reinbenzin (Normalbenzin, White Gas, Waschbenzin) kaufen und schon kann es losgehen. Der Bodenreflektor schützt den Untergrund, der Windschutz die Flamme, die Anleitung den Nutzer. Apropos Anleitung: die ist mal echt gut, informativ und lässt wohl keine Frage offen – prima!

Verarbeitung und Konstruktion

Oooh, hier gerate ich so richtig ins Schwärmen. Sehr schön ist erst einmal die kompakte Bauform des Kochers. Im Vergleich zum Hexon wirkt der Soto richtig filigran und zierlich, irgendwie spinnenartig. Und im Unterschied zum Hexon hat er auch gescheite Beine. Beim Soto werden sie einfach ein- bzw. ausgeklappt. Zuerst schön kompakt, dann schön standfest: bis 4,5Kg und einen Topfdurchmesser von 21cm wird er von Soto empfohlen – kann und braucht man kaum besser machen.
Die Benzinleitung ist drehbar befestigt und sehr flexibel. Sollte sie im Dauerbetrieb keine Probleme bereiten – super! Und dann noch der Anschluss des Schlauchs an die Pumpe. Eine unverlierbare Schutzabdeckung muss abgezogen werden. Nun wird eine kleine Sicherung an der Pumpe zurückgezogen, der Schlauch in die entsprechende Pumpenöffnung gesteckt, die Sicherung losgelassen – fertig. Weder beim Anschließen, noch beim Abziehen tropft irgendwelches Benzin heraus – absolut klasse! Und die Pumpe? An sich prima: sehr solide gebaut, prima verarbeitet. Einzig die Pumpe verkantet, wie beschrieben, im Betrieb durchaus mal. Nun, hätte man schöner machen sollen. Das ist aber auch wirklich das einzige Detail, das mir nicht gefällt.

Bedienung

Zur Bedienung ist ja nun schon einiges gesagt. Der Regler besitzt eine Sperre (hereingedrückt), welche auch als „Not-Aus“ dient. Will man den Kocher nutzen, so zieht man sie heraus und wählt die entsprechende Reglerstellung: Start, Betrieb (Regelbereich), Air (Sauberblasen – Flamme wird erlöschen) und Stop. In dieser Reihenfolge erfolgt auch die Bedienung des sehr präzisen Reglers.
Vom Pumpen mal abgesehen, ist die Bedienung fast so einfach wie die eines Gaskochers. Von einem Gaskocher unterscheidet sich der Soto aber im Betrieb u.a. durch seine miserable Regulierbarkeit. Nun ist es ja nicht so, als ließe sich der Soto gar nicht regulieren, aber zwischen Vollgas (Raketentriebwerk) und Miniflamme (Flammenwerfer) zu wählen… naja… schön, aber auch als Flammenwerfer gelingt es nicht Nudelwasser ohne Überkochen köcheln zu lassen. Mit wenig Druck in der Benzinflasche geht’s irgendwie, aber praktisch ist das alles nicht. Natürlich ist die mangelnde Regulierbarkeit bei Benzinkochern ein häufiges Problem,  aber es kann halt auch viel besser gehen – wie beispielsweise annäherungsweise beim Hexon.

Okay, die Regulierung ist also schlicht schlecht. Spaß macht hingegen wieder der nächste Schritt, den Brenner nach dem Betrieb ausbrennen zu lassen. Einfach den Regler ein Stück weiter drehen – fertig. Beim Hexon muss man die Flasche umdrehen. Macht ja auch nichts, aber eleganter ist es bei Soto eben doch gelöst.

Fazit

Edelkocher, High-End Kocher… mit diesen Worten würde ich den Soto Muko Stove bezeichnen. Die Verarbeitung ist prima, viele Details wurden schön gelöst und das Vorheizprinzip ist mal fein innovativ. Dennoch, obwohl alles erst einmal toll aussieht will sich eine echte Kaufempfehlung bei mir nicht einstellen. Die Gründe sind bereits in den Vor- und Nachteilen genannt. Kurzgesagt ist der Brenner in der Anschaffung und im Betrieb sehr teuer, verträgt nur eine, bzw. zwei Sorten Brennmittel und eignet sich kaum um auch nur etwas anspruchsvoll zu kochen. Dafür gibt er einfach immer zu viel Gas, egal wie weit man ihn herunterregelt.
Eine dicke Kaufempfehlung spreche ich für Technikfetischisten aus, denen das investierte Geld weniger wichtig, bei denen die Brennstoffversorgung geklärt und die schlechte Regulierbarkeit zweitrangig ist. Insgesamt aber, es tut mir für dieses ansonsten sehr tolle Produkt fast leid, lautet mein Prädikat…

Und mein Prädikat?

Bedingt empfehlenswert

Würde ich den Kocher einem Freund empfehlen?

Ich würde ihm von einem Kauf nicht abraten, er muss nur wissen worauf er sich einlässt.
Und würde ich ihn mir wieder kaufen? Möglicherweise ja, denn mir macht er trotz allem richtig Spaß.

Weiterführende Infos

Herstellerseite, auf der es weiterführende, sehr interessante Videos zum Kocher gibt.

Ein informatives Video zu dem Kocher gibt es nachfolgend. Das Video stammt von diesem Blog, auf dem ihr auch noch einiges über ihn erfahren könnt.

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4 Gedanken zu „Test: Soto Muka Stove

  1. Hm, für den fall das du in mal wieder nutzt würde ich mich freuen wenn du mal darauf achtest und mir dann hier antwortest.

    Übrigens: die Beine sind echt scheisse, aber bei mir war der stand Super nachdem ich sie einmal mit Gewalt bis zum Anschlag in die „falsche“ Richtung eingeklappt habe.

    Ich finde den soto auch geil, ebenso den reactor, aber mich stört halt genau das daran das beide einfach nur eine Richtung kennen und zwar brutale power. Damit kann man nicht kochen und das ist bei einem Kocher in meinen Augen ein ko Kriterium.

    • Morgen!
      Am besten verhindert man das Sabbern, indem man z.B. den Moka Stove mitnimmt. 😉
      Nee, im Ernst: Was anderes als den Druck komplett ablassen und ein Tuch drumhalten fällt mir auch nicht ein. Nun überlege ich aber, ob der auch bei mir immer sabbert, ich hatte ihn schon eine Weile nicht mehr mit dabei…

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