Test: MSR Flex 3

MSR Flex 3 - IMG_03091Testbericht vom Kochset MSR Flex 3

So unterschiedlich die Trekker oder Radreisenden sind, so unterschiedlich sind auch deren Essgewohnheiten. Dem einen reichen Müsliriegel und derlei Dinge, um über den Tag zu kommen, anderen kochendes Wasser, um es in die Tüten ihrer Trekkingmahlzeiten zu gießen. Für die meisten Reisenden die ich kenne, ist das Abendessen jedoch ein besonderer Tageshöhepunkt. Nach einem anstrengenden Tag schmeckt zwar so ziemlich alles, aber ein mindestens teilweise selbst zurechtgeschnibbeltes Essen ist für uns immer etwas besonderes.
Die Basis stellt dabei meistens eine gute Portion Nudeln dar. Das Problem beim Nudelkochen ist nun, wie wohl ein jeder von euch weiß, dass man eine Menge Wasser für die Zubereitung benötigt. Der Standardtopf für unterwegs ist irgendetwas um die zwei Liter groß, häufig aber kleiner (z.B. beim Trangia max. 1,75 Liter). Für zwei Nudelesser passt es, darüber wird es schon eng. In der letzten Zeit sind wir meist zu viert unterwegs. Hier half bislang nur ein Kochen auf Raten (zwei kleinere Portionen nacheinander zubereiten) oder aber man mantscht mit den Nudeln herum, kocht sie in viel zu wenig Wasser in einem zu kleinen Topf. Die schönste Methode ermöglichten uns nun die Bergfreunde, bei denen wir uns das MSR Flex 3 System Kochset zum Testen gönnten.

Lieferumfang

Der aufmerksame Leser wird festgestellt haben, dass ich ein sehr ähnliches Set (das MSR Quick 2) bereits mein Eigen nenne und auch dies schon in meinem Blog vorgestellt habe. Das Flex 3 System unterscheidet sich von diesem vor allem schon mal in seiner Große. Statt 1,5 und 2,5 Liter bietet das 3er satte 2,3 und 3,3 Liter Topfvolumen. Für 3-4 Leute sollte das mal ausreichen. Ein weiterer Unterschied besteht in dem Lieferumfang, denn zum Flex 3 System gehören, neben den beiden Töpfen, dem Griff und dem Deckel, auch drei Teller und drei isolierte Becher. Fein fein.

Praxistest

Der einfachheithalber untergliedere ich den Praxistest mal in verschiedene Abschnitte und lasse meine Ansichten zu den verschiedenen Teilen los, derer es ja so einige gibt. Fange ich mal mit den Töpfen an.

Töpfe: Die Töpfe bestehen aus „DuraLite DX“. Der kleinere besitzt innen (leider) eine Antihaftbeschichtung, der größere eine harte Anodisierung, die ebenfalls eine recht gute Antihaftwirkung aufweist. Beide sind in 500ml Schritten skaliert, welche bei 2 bzw 2,5 Litern endet.

Ein Nachteil stellt für mich die Antihaftbeschichtung des kleineren Topfes dar. Klar, für Sachen die leicht anbrennen ist solch eine Beschichtung ideal, aber vor allem draußen ist die Haltbarkeit der Beschichtung doch eingeschränkt. Zwar hat dieser Topf hier noch keine Macke, aber der meines kleinen Kochsets hatte die erste bereits vor seiner ersten Verwendung – und ich habe keine Ahnung warum. Die harte Anodisierung wirkt ebenfalls gut antihaftend, ist darüber hinaus extrem robust und lässt sich gut abwaschen. Aluabrieb ist mit ihr kein Thema mehr und die Nutzung von Metallbesteck bereitet darüber hinaus auch keine Probleme, im kleinen Topf aber sollte man definitiv nur mit nicht kratzenden Utensilien hantieren!
Ausschütten kann man aus beiden Töpfen gut und ziemlich tropffrei. Blöd: Die Töpfe der verschiedenen Sets kann man untereinander schlecht kombinieren. So passt der 2,5er des Quick 2 z.B. nicht in den großen Topf des Flex 3 sofern man auch die Teller mit unterbringen möchte – er ist schlicht ein Stückchen zu hoch, um den Deckel zum Verpacken schließen zu können. Schade, dann hätte ich zwei gescheite HA-Töpfe mit dabei.

Deckel: Ganz toll ausgeführt ist der Topfdeckel, welcher auf beide Töpfe passt. Er besitzt einen isolierenden Griff und, besonders praktisch, Abgießlöcher. Richtig gut ist eine kleine Klammer, die sich beim großen Topf auf der dem Griff gegenüberliegenden Seite befindet und den Deckel beim Abgießen festzuhalten hilft. Prima Sache!

Griff: Klasse ist auch der Griff. Der ist lang, handlich und robust und sitzt zwar fest und arretiert am Topf, aber mit zwei Handgriffen ist er in Windeseile ab- und wieder dran montiert. Super gut! Ebenso gut: zum Transport wird der Griff über den Deckel geklappt und dort einfach fixiert. Toll gemacht!
Zur Perfektion fehlt ihm nur ein satterer Sitz am Topf, aber das ist nicht unbedingt von praktischer Relevanz. Und: habe ich den großen Topf gut gefüllt und kippe ich das (Nudel-)Wasser aus, dann mache ich mir stets Sorgen um die Verbindung (das Teil, wo man den Griff einklinkt) zum Topf. Sie hält problemlos, aber trauen tue ich ihr irgendwie dennoch nicht.

Ähnlich durchdacht wie das eigentliche Topfset sind auch die Teller und Becher. Eigentlich sind beide nicht außergewöhnlich, aber aufgrund ihrer Machart können die Becher hervorragend im kleineren Topf gestapelt werden – im größeren auch, im kleineren passen sie aber besser. Durch die farbliche Markierung weiß jeder Reisende, welcher sein Becher und welcher sein Teller ist.

Teller: Die Teller, naja, sind einfach ein plattes Stück Polypropylen mit schön hohen Rand (4cm!), um drinnen auch flüssigere Sachen zu halten. Sehr schön ist die nicht haftende Wirkung des Materials – der Abwasch geht superleicht von der Hand. Kleiner Nachteil: die gleich großen Teller sind nicht ineinander stapelbar.

Becher: Isolierte Becher finde ich vor allem im Winter gut. Zwar wärmen sie die Hände eher gar nicht, dafür hält das Getränk drinnen wesentlich länger heiß – vor allem wenn es dazu noch einen Deckel gibt. Diese Deckel hier sind aus Plaste und besitzen eine Durchtrinköffnung. Die Becher an sich bestehen aus Edelstahl. Ungewöhnlich ist natürlich deren Form, aber perfekt, um sie in einen runden Topf zu packen und erstaunlich ergonomisch in der Hand und angenehm am Mund! Von den meisten anderen Isobechern unterscheiden sie sich durch die Art der Isolierung. MSR arbeitet hier mit EVA, welches in diesem Fall anfangs unangenehm riecht. EVA ist hier aber nicht nur eher ungewöhnlich, es ist vor allem auch praktisch, denn die Isolierung ist nicht perfekt. Klingt komisch, aber als Resultat wärmt ein heiß eingefülltes Getränk die Hände noch leicht. Die Isolationsleistung bleibt dabei praxisgerecht.
Auffallend: Bei Kälte sitzen die Deckel nicht mehr sehr satt. Füllt man ein heißes Getränk ein, so sitzen sie wieder besser. Dicht waren sie aber bislang in jedem Fall. Nervig: Die EVA-Isolierung lässt sich nur sehr schwer vom Becher abziehen (nötig, wenn die Becher nach einer Tour in die Spülmaschine sollen). Möglicherweise kommt der Effekt schlicht daher, dass sich das weiche Material wie ein Saugnapf am Stahl festsaugt. Werde ich testen und in einen EVA-Boden ein kleines Loch reinschneiden.
Tipp: Kauft euch das Set/die Becher nicht direkt vor der Tour, sondern lieber etwas früher, um die Isolierung auslüften zu lassen. Meine rochen nach vielleicht zwei Wochen gar nicht mehr.
Lob: Nach enormer anfänglicher Spepsis was die Becher angeht, sind sie nun bei mir fester Bestandteil auf kühleren Touren und sogar bei mir daheim! Ich nutze sie ständig, auch jetzt gerade trinke ich meinen Kaffee draus.

Weitere Gedanken

Passt die Größe der Töpfe? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Uns reicht das Topfset auch zu fünft. Schön ist, dass wir dann schon (fast alle) Becher und Teller mit an Bord haben, die sich wunderbar in den Töpfen verstauen lassen. Wer diesen Zusatz nicht haben mag, der kann Geld sparen. Das normale Flex 3 Set kostet 89,95€, das Flex 3 System liegt bei 114,95€. Im Vergleich zum Einzelpreis der Becher und Teller kann man beim Setkauf also gut Geld sparen. Apropos Geld: mir erscheint das Set trotz der sehr guten Leistung teuer. Auch wenn MSR beim 3er ein wenig mehr Aluminium braucht sind 30€ (55€) Aufpreis zum Quick 2 doch sehr happig.
Passt das Gewicht? 1088g für das System sind… auch happig. Allerdings fällt rund die Hälfte des Gewichts auf die Becher und Teller aus. Das Topfset allein wiegt mit einem Deckel und einem Griff 555g. Das Gewicht benennt der Hersteller, ich habe folgende Gewichte ermittelt…

Gewicht

Großer Topf: 236g
Kleiner Topf: 183g
Deckel: 92g
Griff: 39g
Teller: 78g (1 Liter), 66g (0,75 Liter)
Becher: 95g (inkl. Deckel 107g; die Isolierung ist jeweils einbezogen)
Das Gesamtgewicht beträgt entsprechend 1093g – da war MSR sehr schön ehrlich.

Fazit

Die MSR Töpfe dieser Bauart sind meine favorisierten. Das liegt gar nicht unbedingt (natürlich aber auch) an den Töpfen an sich. Ob ich nun in einem HA-Topf von Trangia oder einem von MSR koche ist mir letztlich egal. Im Gegenteil, ein Topf mit Wärmetauscher kann z.B. noch Brennstoff sparen und die Kochzeit verkürzen. Das bieten diese hier natürlich nicht. Großartig sind aber vor allem der Griff mit seinem sicheren Sitz und der tolle Deckel. Letzterer ist schlicht perfekt.

Mit dem MSR Flex 3 System erhält der Käufer ein außerordentlich durchdachtes Kochset zu einem recht hohen Preis. Nach wie vor finde ich die Antihaftbeschichtung des „kleinen“ Topfes unpraktisch, da weniger robust. Aber ansonsten? Alles prima.

Und mein Prädikat?

Sehr empfehlenswert

Würde ich das Set einem Freund empfehlen?

Ja, definitiv. Da MSR viele verschiedene Varianten anbietet (Größe und Zusammenstellung/Material), sollte man genau schauen, was man wirklich braucht – hier kann man gut Geld sparen. Und natürlich muss man vorher überlegen: Nicht jeder Minikocher wird einen 3,3 Liter Topf schultern wollen. Schließlich ist dieser, sofern gut gefüllt, doch recht schwer.

Weiterführende Infos

Mein Testbericht vom praktisch baugleichen MSR Quick 2 Pot Set.
Herstellerlink
Sehr anschaulich ist die folgende Produktvorstellung:

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