Test: The North Face Tadpole 23 DL

Schön gefroren: Eisregen auf dem Tadpole.

Schön gefroren: Eisregen auf dem Tadpole.

Testbericht vom The North Face Tadpole 23 DL

Das The North Face Tadpole 23 DL ist ein altbekanntes, kompaktes und selbststehendes Zelt für zwei Personen und drei Jahreszeiten. Was es in seiner aktuellen Version taugt, wird dieser Test klären. Hierzu schauen wir uns erst einmal den Aufbau an.

Aufbau

Das Tadpole ist ein Semigeodät, bei dem das Innenzelt zuerst aufgebaut wird. Vor allem bei Regen ist diese Aufbauart nachteilig, hingegen kann man bei schönem Wetter das Außenzelt einfach weglassen und erhält dann eine luftigere Unterkunft.
Ganz praktisch ist es, wenn man das Innenzelt sofort mit den Heringen im Boden verankert. Da die Heringsschlaufen nicht in der Länge verstellbar sind, ist dieser Schritt in steinigem Boden mitunter etwas nervig. Wer dies möchte, der kann diesen Makel aber schnell und einfach beheben und sich verstellbare Schlaufen basteln.
Nun wird das farbkodierte Gestänge angebracht. Die beiden grün-grauen Gestänge werden in die kurzen Kanäle eingeführt. Farblich heben sich die Kanäle nicht vom Innenzelt ab und somit ist es gar nicht mal so leicht die Kanaleingänge im Dunkeln auf Anhieb zu finden. Reflektierende Applikationen am Kanaleingang wären eine sinnvolle Verbesserung. Die Gestängeenden werden in die Ösen der Zeltecken eingeführt, das Zelt somit aufgespannt. Nun kommt die goldene Querstange. Auch sie wird in die entsprechenden Ösen gesteckt und per Klips am Innenzelt befestigt. Wenn man nun noch die Klipse am grünen Gestänge befestigt hat, steht das Innenzelt bereits schön straff. Das Außenzelt wird übergeworfen und ebenfalls an den Gestängeenden und per Klettverschlüssen an den Gestängen befestigt und straffgezogen. Die Apsis wird mit zwei Heringen aufgespannt und ebenfalls straffgezogen – fertig.

Der Aufbau ist insgesamt einfach, dauert durch die vielen Schritte aber ein wenig länger als bei meinen anderen Zelten.

Erste Gedanken

Das Innenzelt von hinten. Die Belüftung ist gut zu sehen.

Das Innenzelt von hinten. Die Belüftung ist gut zu sehen.

Etwas geprüft, etwas geschaut, die Matte reingelegt und mich auf sie drauf. „Das Ding schicke ich gleich wieder zurück!“ War mein erster und ziemlich lange dauernder Gedanke. Warum? Das Tadpole ist ganz schön kurz und mit meinen 183cm ist es mir kaum möglich drinnen zu liegen ohne oben oder unten anzustoßen. Nun ja, ich würde kaum über das Zelt schreiben, hätte ich es nicht behalten – und gleich mit in den verschneiten Sumava, den Böhmer Wald mitgenommen. Aber nochmal zurück, hier die ersten Impressionen. Entgegen so mancher Beschreibung besteht das Innenzelt des Tadpole DL natürlich nicht aus Mesh (dies hätte dann nicht den Zusatz „DL“). Mesh gibt es, abdeckbar, nur an der kompletten Tür und an der Rückseite in Form eines Dreiecks. Obwohl das Außenzelt nicht bis zum Boden gezogen ist, ist der Windschutz damit dennoch gut.
Der Boden ist aus einem Stück Stoff geschnitten und kommt entsprechend ohne Tapes aus. Diese gibt es hingegen umlaufend an dessen Kanten. Direkt oberhalb der Kante gibt es Nähte (an den Befestigungen der Gestängeösen), die nicht getaped sind. Ob das in der Praxis für Wassereinbruch sorgen kann? Steht man im Sumpf, dann sicherlich – aber ansonsten? Ansonsten befürchte ich es eher nicht.
Praktisch sind die vier Taschen am Kopfende. Zwar gibt es auch eine Schlaufe, um die geöffnete Tür aufzuhalten, ich stopfe sie aber lieber in eine der Taschen, das geht schneller. Oberhalb des Belüftungsdreiecks gibt es eine und oberhalb der Tür zwei Schlaufen. Hier kann man eine Wäscheleine, Lampe odgl. dran befestigen. Zieht man eine Leine von vorne nach hinten durchs Zelt, so schränkt sie die Kopffreiheit ein.

Apropo Kopffreiheit, wie schaut es denn überhaupt mit dem Komfort im Zelt aus? Besagte Freiheit meines Kopfes ist im vorderen Bereich gegeben, aber auch nur dort. Nun muss ich nicht zwingend unter dem höchsten Punkt des Innenzeltes sitzen, aber bereits außerhalb dieses Bereichs eine leicht gebeugte Sitzhaltung einnehmen, wenn ich nicht anstoßen möchte. Zu zweit ist der Innenraum… na, das ist Geschmackssache. Ich finde es für zwei Leute recht klein, das Raumgefühl ist nicht soo prickelnd. Der Platz in der Apsis ist ebenfalls eher begrenzt. Mit meinem Black Diamond Mercury 75 war sie ziemlich voll.

Belüftet wird hinten über einen relativ großen, nicht verschließbaren, dabei gut versteiften Lüfter. Vorne gibt es dergleichen nicht, da muss man die beiden Türen von oben her über die 2-Wege Reißverschlüsse nutzen. Das ist nicht ganz praxisgerecht, ist aber halt so. Das Problem: So kann Regen oder Schnee recht leicht durch das Außenzelt eindringen und direkt auf den Innenzelteingang (und somit auf meinen Kopf) tropfen. Überhaupt: Die Kombination von Innen- und Außenzelt ist bei Regen und Schnee unpraktisch, denn bei einer geöffneten Tür fällt derlei Kram direkt ins Zelt.

Praxis

Einen ersten Test musste das Tadpole im Sumava bestehen. Schnee gab es dort reichlich, Wind immerhin bis (gemessener) Windstärke 7.

Zuerst: zu zweit möchte ich das Zelt im Winter nicht bewohnen, dafür ist es mir in der Apsis und im Innenzelt schlicht zu klein. Mit leichtem Gepäck wird es zu anderen Jahreszeiten gehen, jedenfalls wenn man sich mag. Komfortliebhaber sehen sich nach einem anderen Zelt um.
Aber eigentlich sollte ich ja von vorne anfangen. Die Verbindung von Innen- und Außenzelt würde mir über ein Blitzverschlusssystem (statt Ösen) besser gefallen. Bei Wind lassen sich Blitzverschlüsse sicherer verbinden, wenn das Zelt noch nicht ganz aufgebaut ist. Unpraktisch sind auch die nicht verstellbaren Heringsschlaufen und die nicht sehr gut ersichtlichen Gestängekanäle – wie bereits gesagt. Steht das Zelt aber, steht es gut und zumindest bis Windstärke 7 wackelt da gar nichts.
Bei Schneefall bietet das Tadpole dem Schnee eine wunderbare Plattform zum darauf liegenbleiben. Jaja, ich weiß: das Zelt wird für drei Jahreszeiten empfohlen – und der Winter gehört da nun mal nicht dazu. Gerade bei Schneelast pappt das Außen- am Innenzelt und das nicht nur oben, auch anderswo und auch ohne Schneelast passiert das gerne mal.
Die Lüftung ist übrigens nicht von schlechten Eltern. Klar, ich habe das Zelt mit dem Hintern und somit mit der Belüftung in den Wind gestellt und hatte mit Kondens überhaupt keine Probleme. Die beiden Türen waren dabei obenherum etwas geöffnet. Ein wenig Zugluft war durchaus zu spüren, aber sie hielt sich nun wirklich in sehr engen Grenzen.

Nervig ist die Neigung, dass Regen und Schnee bei geöffneter Tür ins Innenzelt gerät. Vom Himmel herab oder schlicht vom Außenzelt fällt und tropft es ganz ordentlich. Auch liefen die an sich gut gleitenden Reißverschlüsse am Außenzelteingang zum Teil schwer, dann musste ich etwas Spannung von der Apsis nehmen und es ging wieder.

Technisches

Gute Gestängeklipse.

Gute Gestängeklipse.

Packmaß: 59 cm x 14 cm (51cm Länge passt eher)
Gestänge: DAC Featherlight, 3 Bögen, je 9 mm Durchmesser, farblich markiert
Material Überzelt: 40D 238T Nylon Ripstop, 70 g/m2, 1500 mm PU/Silikon Beschichtung, wasserabweisende Imprägnierung
Material Boden: 70D 210T Nylontaft, 87 g/m, 2,5000 mm PU-Beschichtung, wasserabweisende Imprägnierung
Gewicht: 2.100 g (nachgewogen: 2268g ohne Heringe/Heringsbeutel)
Fläche: 2,4
Apsis-Fläche: 0,8 m²
(Quelle: globetrotter.de, vollständiger Link nicht mehr verfügbar)

Fazit

Mit dem Tadpole 23 DL erhält der Käufer ein kompaktes und robustes, freistehendes Zelt. Optimal aufgehoben erscheint es vor allem dort, wo nur eine geringe Stellfläche vorhanden ist. Entsprechend ist aber der Platz für zwei Personen nicht umwerfend. Dieses Los teilt es jedoch auch mit vielen anderen Zweipersonenzelten (und im Vergleich zu manch einem von ihnen ist es gar nicht mal so klein!).  Solo genutzt könnte es durchaus leichter sein, aber davon ab ist es für einen allein ein richtig schönes und vielseitig einsetzbares Zelt. Mit Einschränkungen halte ich es auch für wintertauglich.
Zwei Schläfer sollten sich an den angegebenen Einsatzzeitraum halten. Für zwei Winterschlafsäcke und entsprechendes Gepäck ist das Tadpole schlicht zu klein.

Und mein Prädikat?

Empfehlenswert

Würde ich es einem Freund empfehlen?

Das Tadpole 23 DL kostet runde 370€. Sollte das Zelt in erster Linie solo und in nicht extrem regenreichen Regionen genutzt werden, würde ich es empfehlen. Die verschiedenen Nachteile (vor allem kurzes Innenzelt, nicht regensicherer Eingang, nicht extrem leicht) sollte man aber bedenken.

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Ein Gedanke zu „Test: The North Face Tadpole 23 DL

  1. Pingback: Winterwanderung im Böhmerwald | Rad und Fuß

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