Test: Inook VXM Schneeschuhe

Unterwegs mit den Inook VXM.

Unterwegs mit den Inook VXM.

Testbericht von den Schneeschuhen Inook VXM

Mit den Inook VXM stellten mir die Bergfreunde ein paar mittelpreisige Kunststoffschneeschuhe zum Testen zur Verfügung – meinen besten Dank hierfür! Die VXM sind zu einem Preis von runden 150€ zu haben.
Kunststoff bedeutet hier nicht billig, Alu hingegen gut und teuer, vielmehr gilt das verwendete Material ein als Indikator für den Anwendungsbereich. Kunststoffschuhe werden bevorzugt im schön gebirgigen eingesetzt, ihre bespannten Alurohrkollegen eher nicht, allerdings mit Ausnahmen.

Ausstattung und technisches

Wie man sich aber sicherlich denken kann, sollte nicht nur der angestrebte Einsatzzweck das entscheidende Kaufkriterium sein. Ganz entscheidend ist u.a. auch das Gewicht des Schneeschuhläufers inkl. Gepäck in Kombination mit der Schneeart. Je schwerer der Nutzer und je fluffiger der Schnee, desto größer müssen die Schuhe ausfallen – schließlich sorgt die Kontaktfläche am Schnee für den nötigen „Auftrieb“. Die VXM werden herstellerseitig für ein Gewicht bis 110Kg empfohlen. Aufgrund ihrer Größe ist der Wert allerdings mit Vorsicht zu genießen, wenn man nicht nur in hartem Weiß unterwegs ist.

Da Eis und Schnee bekannter weise nicht zu den enorm rutschhemmenden Untergründen zählen, benötigt so ein Schneeschuh ordentlich Grip, Sprich Stahl an der Sohle. Einfach gesagt besitzen Schneeschuhe mehr oder weniger große, viele und verschiedentlich geformte Zacken, die sich in den Boden krallen. Der VXM zeigt sich hier mit sechs Stahlspikes eher bedeckt, das schaut bei manch anderem Schneeschuh, auch aus dem gleichen Hause, ein wenig anders aus. Beim Laufen (Abrollen des Fußes) greifen drei zusätzliche Eisen in den Boden. Zusätzlichen Halt kann ein Schuh wie der Inook VXM durch seine Form (scharfe Seitenkanten) bieten und ist dadurch Alurohrrahmen in diesem Punkt überlegen.

Die Steighilfe. Links: an den genoppten Stellen drückt man einen Trekkingstock zum Einstellen drauf. Praktisch.

Die Steighilfe. Links: an den genoppten Stellen drückt man einen Trekkingstock zum Einstellen drauf. Praktisch.

Nicht zu vernachlässigen sind natürlich auch die Punkte Steighilfe und Bindung. Letzteres zuerst:
Ein Knopf wird gedrückt und der Fersenanschlag nach vorne oder hinten verschoben. Somit werden die Inook völlig simpel auf die entsprechenden Schuhe eingestellt (Schuhgröße 35-47). Zwei vordere Riemen werden straffgezogen, dann folgt ein Klettverschluss… und fertig. Der Klett wirkt erst mal wenig vertrauenerweckend. Gefallen tut mir hingegen die Steighilfe, die sich gut mit Trekkingstöcken bedienen lässt. Ein Klick und die Ferse steht einige cm höher, prima bergauf. Ferner kann man den Schuh waagerecht fixieren oder sich komplett bewegen (quasi frei schwingen) lassen.
Was der VXM nicht kann: dem Fuß auf unebenem/schrägen Boden Spielraum gewähren, damit dieser, von hinten gesehen, nicht immer senkrecht zum Schneeschuh stehen muss. Das belastet den Fuß stärker, allerdings kann man den Schneeschuh besser kontrollieren/seitlich in den Hang „hacken“.

Die Phrase „wenig vertrauenerweckend“ fiel bereits. Das trifft für mich nämlich auf das Gelenk zwischen den Schneeschuhen (rot) und der Bindung (grau) zu. Beide sind über einen Stahlstift miteinander verbunden, die Führung für den Stahl wirkt aber recht klein. Ach komm, das hält schon… 😉

Das Gewicht? Jeder Schuhe bringt es auf sehr genau 1Kg.

Kurzer Überblick

Der erste Gedanke, den ich beim Auspacken der Schneeschuhe hatte war: „Ouha, Schneeschuhe aus dem Kaugummieautomat.“ Im Vergleich zu vielen anderen (gut, auch teureren) Schneeschuhen, wirken die relativ schweren VXM erst einmal weniger wertig gearbeitet. Die Steighilfe finde ich prima gelöst, die Bindung (Klett) aber einfach gehalten. Die Größenanpassung ist sehr einfach zu bedienen. Insgesamt wirken sie aber erstmal nicht extrem hochwertig. Soweit der erste Eindruck vom Begrappschen und Bestaunen. In der Praxis werden für mich vor allem auch folgende Fragen zu klären sein: 1. Reicht der Grip der VXM? 2. Wie schaut es mit der Tragfähigkeit aus? 3. Hält der Inook? 4. …

Praxis

Mit den Inook ging es also durch den Böhmerwald, wo Anfang 2013 noch ganz ordentlich Schnee lag. Alsbald zog ich die sie an, wenngleich der Schnee auf dem begangenen Weg so tief vorerst nun auch nicht war. Aber ich wollte sie ja unbedingt ausprobieren und ganz nebenbei hatte ich somit gleich 2Kg weniger am Rucksack hängen. Auch ganz schön.
Die Größenanpassung geschieht sehr einfach, ebenso der Einstieg. Die vorderen Riemen lassen sich halbwegs gut bedienen, der Klett natürlich sehr einfach. Wider erwarten bietet die Bindung einen guten Halt, das hätte ich ihr gar nicht zugetraut. So hatte ich sie nun also an und marschierte los. Und ob notwendig oder nicht, ich zog sie nicht mehr aus. Klar, am Fuß merkt man das Mehrgewicht schon, aber mir hat es Spaß gemacht mit ihnen zu laufen und ich genoss einfach nicht ins Rutschen zu kommen. Als ich die Schuhe das erste Mal wieder auszog und mich auf einer vereisten Fläche direkt auf den Hintern setzte – ach, ich lag komplett platt auf dem Rücken – zog ich die Inook sofort wieder an. Fortan gabs keine Probleme mehr, weder auf vereisten Flächen noch auf schneebedeckten Hängen (Böschung hoch, Böschung runter und seitlich am Hang). Auch der Grip hat meine Erwartungen übertroffen, wobei ich nicht wirklich viel Gelegenheit dazu hatte wirklich Hänge zu begehen.

Das Laufen in der Ebene war ganz problemlos. Eigentlich ist der Gang bei Schneeschuhlaufen ja etwas breiter, aber irgendwie hab ich das wohl häufiger vergessen und bin Mal um Mal über den unteren Schneeschuh geratscht. Das war kein Problem, der obere ist einfach drüber geglitten und hat nur leichte Spuren auf dem unteren hinterlassen. Insgesamt fand ich es bequem mit den Inook. Sie besitzen als Auftrittsdämpfung Gummipuffer und laufen sich schlicht gut. Schlürft man durch den Schnee, ermöglicht die schräg hochgezogene Spitze einen sehr guten Auftrieb und schiebt den Schuh hoch, wieder auf die Schneedecke.
Sehr schön: Schnee bleibt praktisch gar nicht auf dem Schuh liegen, sondern wird sogleich wieder abgeworfen.

Die Steighilfe lässt sich sehr einfach mit einem Trekkingstock bedienen. Sehr selten habe ich sie mal mit dem zweiten Schneeschuh getroffen und verstellt. Das merkt man aber sofort. Manchem mag die Steighilfe nicht hoch genug reichen, in gemäßigtem Gelände fand ich sie aber sehr passend. Ist sie aktiviert, dämpft der Schneeschuh den Auftritt durch Verwindung der grauen Bindung sehr stark. Das fühlt sich etwas unpräzise an, ist aber durchaus bequem.

Der Schnee war auf der Tour bis ca. 80cm tief. Überfordert waren die Schuhe mit meinen 83Kg + 23Kg Rucksack eigentlich nicht sonderlich. Natürlich schwebte ich mit ihnen nicht elfengleich über den Schnee, aber die Funktion der Inook stellte mich in diesem Schnee vollauf zufrieden, vor allem wenn ich sie mal aushatte und mit meinen Lowa Cevedale durch den Schnee stapfte. Tief war der Schnee…

Zur Haltbarkeit: Nach drei Tagen Böhmerwald fanden sich leichte Spuren am Schuh, sicherlich auch von den Bachquerungen über Steine. Ein weiterer Tag Schwarzwald mit einigem Steinkontakt hat so manche Kerbe in den Schuhe gedrückt (Fotos sind auf dem Stand vom Böhmerwald). Probleme gibt es aber natürlich (noch) keine, auch die Verbindung zur Bindung macht keinerlei Probleme.

Fazit

Wider erwarten habe ich mit den Inook VXM bislang sehr gute Erfahrungen gemacht. Natürlich sind die Schuhe nicht für jeden, jedes Terrain und jede Schneeart ideal, aber für einen halbwegs geringen Preis erhält man brauchbare Schneeschuhe für nicht allzu fluffigen Schnee.

Und mein Prädikat?

Empfehlenswert

Übrigens, einen hab ich noch! „Es wird davon abgeraten, diese Schneeschuhe auf abschüssigem und vereistem Gelände zu benutzen.“ So steht es auf dem Anhängsel an den Schneeschuhen… Ich gelobe, ich nutze sie nur in den Niederlanden… und derlei Gegend. 😉

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