Test: Mountain Hardwear Hooded Ghost Whisperer

Vermutlich wusste ich schon vorher wie eigenartig ich in der Jacke ausschaue...

So leicht und doch schön kuschelig…

Testbericht von der ultraleichten Daunenjacke Mountain Hardwear Hooded Ghost Whisperer

Liebe Güte, bevor ich richtig nachdachte hatte ich bei einem Adventskalenderangebot der Bergfreunde direkt zugeschlagen und nun besitze ich eine Daunenjacke mit, man glaubt es kaum, einem nachgewogenen Gewicht von 230g. Das ist, wie soll ich es sagen… so leicht, das meine Waage beinah rückwärts läuft. Und man bedenke: die Ghost Whipserer besitzt dabei sogar eine Kapuze. Donnerwetter. Schnell wird natürlich klar, dass die Jacke, um auf das Gewicht zu kommen, nicht sehr viel Daune mit an Bord haben kann. Kurz gefragt: kann sie was taugen?

Theorie

Hierzu schauen wir uns die Jacke erst einmal genauer an. Besagte 230g Gewicht (bei Gr. L) erreicht sie durch einen extrem leichten Stoff (Whisperer 7D x 10D Ripstop Nylon) und eine leichte, hochwertige Daunenfüllung mit 850 Cuin. 80g Füllung habe ich im Hinterkopf, bin mir nicht mehr so ganz sicher, das könnte aber so in etwa hinkommen.
Sonst wurde auf so ziemlich alles verzichtet, was das Gewicht erhöhen könnte. Verstellbare Armbündchen oder eine Kapuzenverstellung sucht man vergebens. Dankenswerterweise wurden aber dennoch Handwärmertaschen rangenäht. Genau, die gibt es, dann noch einen verstellbaren Saum und eben eine ordentlich geschnittene, aber nicht verstellbare Kapuze. Bei der Minimalausstattung stellen der hinterlegte Reißverschluss und der Jackenaufhänger bereits Highligts dar. 😉

Damit die geringe Daunenfüllung in Form bleibt, sind ewig viele Daunenkammern vonnöten. Die entsprechenden Nähte sind alle durchgesteppt, was natürlich das Vorhandensein sehr vieler Kältebrücken bedeutet .

Gibt es sonstige Auffälligkeiten? Hmm, eine positive: Die Jacke lässt sich sehr leicht in der eigenen Tasche verstauen. …und eine negative: Die Farben sind, gelinde gesagt, eigen. Muss man halt mögen, was praktisch keiner tut den ich kenne. Jaa, außer mir. Zumindest dieses gelb.

[Auf den Bildern trage ich unter der Kapuze eine dünne Powerstretch Mütze
und die herrliche Mammut Herron Jacket unter der Daunenjacke]
 

Praxis

Toll: eine Jacke, die man in der Hand kaum und am Körper fast gar nicht spürt. Das macht das Tragen extrem angenehm, auch weil sich das Material auf bloßer Haut sehr schön seidig anfühlt.
Die Kapuze sitzt auch ohne Verstellmöglichkeit gut am Kopf. Das Fehlen geht schon irgendwie in Ordnung, aber bereits beim ersten Tragen merkt man, dass die Kapuze nicht zu den Bewegungsfreudigen ihrer Art zählt. Ein Blick nach hinten bei aufgesetzter Kapuze? Der Kopf wird sich drehen, die Kapuze bleibt mehr oder weniger wo sie ist und schaut stur geradeaus.
Die Passform der Jacke ist für meinen Körper (183cm, 83Kg) noch in Ordnung. Sie sollte aber ruhig enger geschnitten sein. Aber das ist Geschmackssache, denn so passen noch andere dicke Isoschichten drunter. Ja, und wenn die Ärmel noch länger wären… Bei ausgestreckten Armen rutschen die Armbündchen doch ordentlich. Doof.

Gehen wir doch mal mit der Jacke raus. Huups, die Jacke fällt mir aus der Hand und gleitet sanft wie ein Blatt Papier zu Boden. 😉 Draußen angekommen laufe ich schlicht mit einem T-Shirt und dieser Jacke herum. Diesen Härtetest besteht die Jacke mit Bravour. Gut, das war bei der Wetterlage und beinah 10°C (über Null wohlgemerkt!) kein Wunder. Jetzt, einige Zeit später fröstelt mir im T-Shirt bei 0°C. Das packt dier Jacke nicht mehr ohne zusätzliche Isoschicht.

Schauen wir mal weiter. Aus purer Lust(?) trug ich die Jacke bislang bei einem 2,5 Stunden dauernden (danach war ich wieder daheim) Nieselregen (ab und an etwas stärker) auf dem Rad. Es hat eine ganze Weile gedauert, aber schließlich hat die Jacke doch nachgegeben und Wasser vor allem im Bereich der Oberarme durchgelassen. Das war nicht anders zu erwarten und eigentlich ist die Jacke ja auch weder für Regen oder fürs Radfahren gedacht. Falls wirklich jemand eine warme Jacke fürs Radfahren nutzen möchte, sollte er lieber zu einer Kunstfaserfüllung greifen. Die ist bei feuchtem Klima (Schweiß) besser aufgehoben. Übrigens sind die Ärmel fürs Radfahren wirklich nicht lang genug und es bedarf sehr hochgezogener Handschuhe.

Wind? Den kann die Jacke sehr gut ab, das Material ist quasi völlig winddicht. Ebenfalls gut ist der sehr gut dichtende Kragen. Die (nicht aufgesetzte) Kapuze vieler Jacken wirkt (vor allem beim Radfahren) wie ein potenter Windfänger und kühlt den Nacken und Hinterkopf stark ab. Diese Kapuze verhält sich da ein wenig angenehmer. Aufgesetzt funktioniert sie bis zu moderatem Wind gut. Ob sich die fehlende Verstellbarkeit bei höheren Windstärken negativ bemerkbar macht, kann ich noch nicht beurteilen.

Einen wirklich nur kleinen Schwachpunkt stellen die Ärmelbündchen dar, sie liegen nicht völlig an und lassen entsprechend ein wenig Wind durch. Ach, wie gern mag ich verstellbare Bündchen…

Die allerallerneusten Neuigkeiten von meiner Ghost Whisperer habe ich nach unserer Tour am Soonwaldsteig beizutragen (der bisherige Praxisbericht liegt schon bestimmt einen Monat zurück). In Kombi mit der Mammut Herron war sie ein angenehmer Begleiter in den Pausen, am Abend und Morgen. Nachts trug ich sie nur in Verbindung mit einem Funktionsunterhemd von Vaude (obenherum sonst nichts) und dem Cumulus LiteLine 300 – eine klasse Sache!

Fazit

Die Mountain Hardwear Hooded Ghost Whisperer ist die leichteste Daunenjacke, von der ich bislang gehört hab. Ultraleichtleute werden ihre helle Freude an ihr haben und ihnen würde ich die Jacke (sofern der Schnitt passt) praktisch uneingeschränkt empfehlen. Allen anderen? Für viele potentielle Käufer wird der Preis von rund 270€ ein großes Hindernis darstellen. Schließlich ist die Jacke doch was sehr spezielles. Die meisten Outdoor-Klamotten trage ich nämlich outdoor – nämlich auch im Alltag. Aber die Geisterflüsterer?  Nun, sie fällt beim Anblicken nicht auseinander, aber einen Rucksack möchte ich ihr nicht zutrauen und auch ansonsten werde ich sie sehr pfleglich behandeln. Sie kommt mit auf Tour, vielmehr nicht. Aber auch wenn dem so ist, das extrem geringe Gewicht und die dafür gute Isolierung sind überzeugend, der Schnitt (vor allem die Armlänge) weniger. Und von daher ist auch mein…

Und mein Prädikat?

Empfehlenswert

Aber würde ich die Ghost Whisperer auch einem Freund empfehlen?

Pfff, schwierig. Wenn er auf der Suche nach der ultimativ leichten Daunenjacke ist, dann bestimmt. Sollten ihn ein paar Gramm (über 100g) mehr nicht stören und er auf eine Kapuze und den Reißverschluss verzichten können, wäre die Klättermusen LIV eine toll gearbeitete und besser isolierende Empfehlung. Auch Patagonias Down Sweater Full-Zip Hoody könnte eine Alternative sein, die wiegt jedoch bereits ziemlich genau 200g mehr. Oder aber die Jack Wolfskin Atmosphere Down Half Zip. Sie hat nicht den besten Schnitt, ist aber mit 260g eine gute und günstige Alternative. Oderoderoder. Oder das Patagonia Ultralight Down Sweat. Nicht soo warm, keine Jacke, nicht viel billiger, aber nochmals leichter.

Würde ich mir die MH-Jacke nochmals kaufen?

Zu dem bezahlten Preis ja, zum UVP wohl nicht.

Weiterführende Infos

Herstellerseite
Einen sehr schönen Bericht gibt es bei outdoorgearlab

Und zu guter letzt, ein kurzer Videobeitrag

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