Test: Jack Wolfskin Sanctuary II RT

Das Jack Wolfskin Sanctuary 2 RT auf dem Soonwaldsteig.

Das Jack Wolfskin Sanctuary 2 RT auf dem Soonwaldsteig.

Testbericht vom Jack Wolfskin Sanctuary II RT

Ich habe es schon wieder getan. Einem Schnäppchenpreis konnte ich nicht widerstehen und so gönnte ich mir ein gebrauchtes Jack Wolfskin Sanctuary II RT. Genau, Jack Wolfskin sind die mit der Tatze. Doch, doch… von allen Urteilen und Vorurteilen mal abgesehen, Zelte bauen können sie. Zwar hatten deren Behausungen bislang meist Übergewicht, aber seitdem sie 2011 neue Zelte mit sehr hochwertigen Materialien auf den Markt gebracht haben, scheint sich dies geändert zu haben.

Der erfahrene Leser meines Blogs wird sich noch erinnern können, dass ich 2011 bereits ein Atmosphere Dome I erstehen konnte. Von der Verarbeitung einmal abgesehen, war und bin ich mit ihm sehr zufrieden. Bereits beim Auspacken des Sanctuarys werden Erinnerungen wach. Die Materialien sind mit denen des Atmosphere identisch. Völlig unterschiedlich ist jedoch das Konzept. Während das Atmosphere Dome, wie der Name bereits sagt, ein Kuppelzelt ist, handelt es sich beim Sanctuary um einen Tunnel. Entsprechend einfach ist der…

Aufbau

Ein Zeltende wird mit zwei Heringen gesichert. Das Gestänge vorsichtig zusammengefügt und in die einseitig geschlossenen Kanäle eingeführt und gespannt. Nun wird das Zelt entgegen der bereits gesetzten Heringe auseinandergezogen, gespannt und auch auf dieser Seite mit Heringen befestigt. Sinnvoll ist nun noch das Zelt komplett abzuspannen, fertig. Das geht alles sehr schnell und ist einfach zu erledigen. Und da das Innenzelt bereits im Außenzelt eingehängt ist (aber natürlich auch herausgeknüpft werden kann), entfällt ein zusätzlicher Schritt beim Auf- und Abbau.

Erste Gedanken

Das Sanctuary ist ein Tunnel-Längsschläfer, wie es viele andere gibt. Dennoch unterscheidet es sich rein äußerlich bereits in zwei Punkten von der Norm. Im jeweils untersten Gestängesegment, also dem, welches im aufgebauten Zustand Bodenkontakt hat, gibt es einen leichten Knick. JW nennt das die Real Tunnel Technology – sie soll die Windstabilität und das Volumen des Innenraums verbessern. Gut. Viel schöner finde aber zumindest ich die vier Aufstellstangen an den Zeltecken. Sie sorgen für mehr bzw. besser nutzbaren Platz. Supergut! Davon ab gibt es viel gutes, aber wenig wirklich aufregendes.

Die Besichtigung des Zeltes von außen nach innen: Zwei von innen bedienbare Lüfter befinden sich vorne und hinten im Dachbereich. Zwei Türen im Außenzelt ermöglichen es jeweils auf der windabgewandten Seite das Zelt zu betreten oder zu verlassen. Die Reißverschlüsse haben nur einen Zipper, ein zusätzliches Lüften über die von oben her geöffneten Türen ist also nicht möglich. Einseitig reicht der Außenzeltstoff bis zum Boden, auf der anderen Seite ist dort Platz zum Lüften. So kann man sich entscheiden, welche Seite man in den Wind dreht, je nachdem, wie viel Zugluft man haben mag. Die Apsis besitzt an den Türen ebenfalls Abstand zum Boden.

Das Zelt steht schlabberig, es wurde mit zwei Bänken abgespannt...

Das Zelt steht schlabberig, es wurde mit zwei Bänken abgespannt…

Öffnet man die Tür und blickt ins Innere, überrascht erst einmal die Apsis. Größer als andere ist sie nicht unbedingt, aber die Eckaufsteller zeigen einen wirklich guten Effekt. Sie wirkt größer und ist viel besser zu nutzen als üblich.

Das komplette Innenzelt besteht aus relativ windabweisendem Stoff. Moskitonetz findet sich nur an der Innenzelttür, sie ist komplett mit Moskitonetz gedoppelt. Leider lässt sie sich nur nach unten hin öffnen. Im geöffneten Zustand fällt die Tür zu Boden und, wenn man nicht aufpasst, in den Dreck.
Und ist die Innenzelttür schon mal offen… Im Innenzelt machen sich die Eckaufsteller ebenfalls gut bemerkbar, sie sorgen für viel Platz für die Füße.
Seitlich am Fußende finden sich sechs Taschen (am Kopfende keine) und eine nette Idee: per Reißverschluss kann man unten das Innen- und Außenzelt öffnen und hierüber zusätzlich lüften. Leider ist der Bereich am Innenzelt nicht zusätzlich mit Moskitonetz zu verschließen. Wer hier offen lassen möchte, öffnet Insekten Tür und Tor.
Ansonsten finden sich insgesamt 10 Schlaufen im Seiten- und Dachbereich des Innenzeltes, es lassen sich wunderbar mindestens fünf Wäscheleinen anbringen. Für was auch immer 😉

Das Innenzelt ist mit seinem Grau etwas trist und insgesamt ist es im Zelt eher dunkel. Gut für Langschläfer, schlecht wenn man lange Zeit im Zelt ausharren muss. Ein freundliches Gelb wäre gemütlicher.

Wer übrigens lieber zu dritt im Zelt liegt, wird beim Sanctuary zu der GT-Version, das heißt zu der Version mit einem dritten Gestängebogen und entsprechend einer langen Apsis greifen müssen. Das heißt dann schlicht Sanctuary 3 RT.

Materialien, Lieferumfang und technisches

Die Materialien sind prima, beim Atmosphere Dome gab es mit seinen identischen Materialien bislang noch keinerlei Probleme. Was wurde verbaut?

Außenzelt: HT (high tenacity, also hochfestes) 40D Ripstopnylon mit einer Wassersäule von 3000 mm, beidseitig zweifach silikonisiert mit einer Weiterreißfestigkeit von 16,3 Kg nach DIN EN ISO 13937-4, Stoffgewicht von 57 g/m2
Boden: 70D Nylon mit einer Wassersäule von 10000 mm
Gestänge: DAC Featherlite NSL green (alle Materialien: Herstellerangabe)

Die Maße sind praxisgerecht. Die Innenzeltlänge wird mit 220cm angegeben, was ich allerdings nicht nachvollziehen kann. 210cm habe ich gemessen, die Länge hält das Zelt dafür aber auch bis 25 oder 30cm über dem Boden. Die anderen Maße (BxH: 135/110 x 100 cm) stimmen aber recht genau.

Das Zubehör ist komplett. Sämtliche Aufbewahrungsbeutel sind aus dem Außenzeltmaterial gefertigt und entsprechend sehr leicht. Auch das übrige Zubehör ist komplett und lässt sich sehen: die 14 Heringe sind sehr feine DAC mit V-Profil und 16cm Länge. Oben sind sie für eine Kordel angebohrt, mit deren Hilfe man sie wieder gut aus dem Boden bekommt, eine solche ist jedoch noch nicht montiert – aber sehr lohnenswert nachzurüsten. Die 6 Abspannleinen sind mit guten und einfach zu bedienenden Verstellern bestückt. Ferner liegt dem Zelt eine Reparaturhülse und für jeden verwendeten Zeltstoff ein Ersatzstoff bei. Außerdem findet sich auch eine Tube SilNet zur Reparatur oder schlicht zum Abdichten, falls es an irgendeiner Naht zu Wassereintritt kommen sollte. Apropos: An verschiedenen Stellen ist das Zelt bereits von Werk aus mit SilNet abgedichtet. Alles prima!

Gewicht: Das Sanctuary ist leicht, aber mit einem Blick auf andere, meist kleinere 2er Zelte, kein Ultraleichtzelt. Das macht mir wenig. Auch 2545g (ohne Heringe und u.g. Zubehör) sind ein guter Wert und lassen sich zu zweit prima tragen – alleine eigentlich auch noch. Und auf dem Rad ist das eh egal.

Außen- und Innenzelt: 2133g (Packsack 42g)
Gestänge: 358g (Gestängebeutel 12g)
Heringe: 144g (Heringsbeutel 7g)
Zubehör: SilNet, Reparaturhülse, Stoffflicken 57g
Als typisches Packmaß gilt ca. 43x17cm. Gut.

Praxis

Der Aufbau funktioniert in der Praxis problemlos. Die Gestängekanäle sind zwar recht eng, auch ihr Eingang, es flutscht aber alles ordentlich. Besagter Eingang ist farblich mit einem grauen Gurtband abgehoben. Würde es reflektieren, wäre es im Dunkeln noch leichter zu finden.

Die Apsis bietet relativ viel Platz, der sich dank der Eckaufsteller wunderbar nutzen lässt. Im Winter stößt sie aber langsam an ihre Kapazitätsgrenzen, wenn man zu zweit unterwegs ist. Winter? Ja, das Sanctuary ist durchaus für den Winter geeignet. Schön ist es, dass Schneelasten den Stoff im Fußbereich dank der Eckaufsteller nicht so schnell herunterdrücken können. Der Schlafsack hat dadurch noch Luft bis zum Zeltstoff. Überhaupt ist im Innenzelt ordentlich Platz vorhanden. Zu viert kann man durchaus noch bequem drin sitzen. Zwei Schläfer haben sehr guten Platz in alle Richtungen. Mit meinem 183cm Länge habe ich keine Liegelängenprobleme und kann, manchmal schlafe ich halt so, einen Arm noch nach oben hin ausstrecken.

Der Wetterschutz ist prima. Regen ist kein Problem, auch nicht bei geöffnetem Eingang, Wind lange Zeit auch nicht, wobei ich mich hier auf einen Test des Outdoor Magazins beziehe. Recht haben sie dort auf alle Fälle: das Zelt gehört im Wind nicht zu den leisesten. Kondenswasser? Ist nicht übermäßig vorhanden. Die Fotos stammen übrigens von unserer kleinen Tour durch den Soonwald. Das Zelt stand dort neben einer kleinen Hütte auf einem Boden, der Heringen keinen Widerstand entgegensetzte, sie hüpften einfach wieder aus ihm hinaus. Also nahmen wir kurzerhand zwei Bänke als Heringsersatz. Das Ergebnis sieht nicht bahnbrechend aus: Das Zelt steht schepp und hängt ganz ordentlich durch die Gegend. In dieser Nacht war kein Wind zu spüren, dafür war es ordentlich nebelig und das Sanctuary am nächsten Morgen tropfnass.

Nervereien haben sich in der Praxis nicht gezeigt, allerdings frage ich mich, warum die Innenzelttaschen am Fußende angenäht wurden, sie wirken da etwas deplatziert…

Fazit

Jack Wolfskin hat mit dem Sanctuary 2 RT ein sehr schönes und geräumiges Zelt aus hochwertigen Materialien konstruiert. Wer nicht unbedingt das allerletzte Gramm Gewicht sparen möchte, dem bietet das Zelt viel Platz und guten Wetterschutz und eignet sich für die meisten Touren das ganze Jahr hindurch – egal ob zu Fuß, per Rad oder sonstwie. Ein erstklassiger Allrounder ohne wirkliche Schwächen!

Und mein Prädikat?

Sehr empfehlenswert

Würde ich es einem Freund empfehlen?

Schlicht und ergreifend: ja. Die UVP von knapp 500€ ist zwar ordentlich, aber das Sanctuary gibt es mittlerweile auch schon für unter 400€ zu kaufen und dafür ist es eine sehr klare Empfehlung, wenngleich es natürlich auch manch starke Konkurrenz gibt…
Bei mir hat das Sanctuary seinen festen Platz, es ist schlicht eines meiner Zeltlieblinge.

Weiterführende Links

Herstellerinfo
Test des Outdoor Magazins

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4 Gedanken zu „Test: Jack Wolfskin Sanctuary II RT

  1. Nachtrag: ich sehe grad, das Sanctuary II kostet zwar wieder 380,-€, aber dafür gibt es die größere 3P-Variante mit der GT-Apsis grad für 300,-€ und ein paar weitere JW-Zelte und Floorsaver zum halben Preis. Reinschauen lohnt sich also.

  2. Hallo,
    dann haben sie bei ihren Windmaschinentests aber schlecht durchdachte Regeln. Das Gestänge des Sanctuary knickt ja exakt oberhalb der unteren Abspannpunkte ein. Da hätten zusätzliche Leinen an den oberen Abspannpunkten eine wesentlich höhere Windstabilität ergeben.

    Bei McTrek gibt es z.Zt. eine Jack Wolfskin-Aktion, da gab es das Sanctuary zu 50% reduziert für schlappe 236,-€. Leider habe ich zu lange gezögert und sie haben den Preis nach zwei Tagen wieder hochgesetzt auf 380,-€, obwohl die Jack Wolfskin Aktion eigentlich noch läuft. Vielleicht ist ihnen da ein Fehler unterlaufen und sie haben ihn schnell korrigiert. Schade, wäre auf jeden Fall ein super Schnäppchen gewesen.

  3. Hallo,
    sehe ich das richtig, dass es an jedem einzelnen Gestängebogen eigentlich zwei Abspannpunkte pro Seite gibt? Sieht auf den Fotos zumindest so aus, als ob da ca. 30cm über den Abspannpunkten, an denen die Leinen befestigt sind jeweils noch ein weiterer Abspannpunkt vorhanden ist. Falls der Eindruck stimmt, hätte das Zelt der Windmaschine im Outdoormagazin-Video wohl besser standgehalten, wenn man die oberen Abspannpunkte mit benutzt hätte.

    • Hey,
      das siehst Du genau richtig, aber ist es nicht so, dass das Outdoor Magazin die Zelte nur mit den mitgelieferten Leinen abspannt? Ich meine, ich hätte das mal irgendwo gelesen, kann mich aber auch irren. Längere Leinen anzubringen, die gleichzeitig beide Abspannpunkte nutzen, erscheint mir ziemlich sinnvoll.

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