Soonwaldsteig, Teil 1: Von Bingen bis Rheinböllen

IMG_0620Soonwaldsteig Teil 1: Bingen – Rheinböllen

Ermuntert durch unseren Erfolg am Murgleiter im Schwarzwald (74 Km in 2 Tagen) dachten wir, wir fürchten uns vor keiner Wegstrecke mehr und alles unter 30 Km am Tag ist ein Rentnerspaziergang. So habe ich für unser Wanderwochenende diesmal den Soonwaldsteig geplant – Gesamtlänge ca. 84 Km, mit der Möglichkeit ca. 20 Km abzukürzen. Zu gehen wären also grobe 64 Km. Gut zu schaffen für zwei motivierte fast Bergsteiger.

Mit viel Freude und großer Motivation haben wir uns am Samstag um 6:00 Uhr früh mit dem Auto auf den Weg nach Kirn gemacht, das soll das Ziel der Wanderung sein. Den Eingang zu dem kleinen Städtchen bildet ein imposanter Steinbruch mit nicht zu übersehenden Blechstahlkonstruktionen… In Kirn haben wir unseren Zug nach Bingen genommen, den Ausgangspunkt der Wanderung. Bingen kennen wir u.a. schon vom Rheinburgensteig, den wir zusammen mit zwei Freunden vor einem Jahr gegangen sind. Die erste Etappe des Soonwaldsteigs gingen wir somit auch auf bekanntem Weg, der Soonwald- und Rhein-Burgensteig verlaufen einige Zeit zusammen. An der Burg Rheinstein ging es vorbei und bald durch das wunderschöne Morgenbachtal mit seinen steil abfallenden Felsenpartien (Klettertipp). Dort ging es langsam, aber stetig bergan.

Wo gehts lang? Da gehts lang.

Wo gehts lang? Da gehts lang.

Interessant war: Wir haben uns immer um die Schneegrenze herum bewegt. Während die Pfade in Bingen schneefrei waren, lag 300m höher leichter, meist nasser Schnee. Bei ca. 500 Meter u.NN war der Schnee schon fester, teilweise verharrscht. Viele kleine Bäche, die den Wanderweg kreuzen, waren stellenweise noch gefroren und immer wieder hatte man eine dicke Eisschicht unter den Füßen, was uns beide… näher zum Boden brachte. Am Salzkopf hatten wir hingegen sogar ordentlichen Tauregen. Der ganze Schnee der Nadelbäume hat uns direkt auf unsere Köpfe getropft.

Unsere Mittagspause verbrachten wir am Salzkopf mit seinem hölzernen Aussichtsturm. Da kamen viele Erinnerungen hoch,  v.a. wie ich es damals, vor einem  Jahr, erst im zweiten Anlauf schaffte ihn zu ersteigen. Es lag ja an… hmm nicht so wichtig. Diesmal konnten wir es kaum erwarten endlich auf dem Salzkopf anzukommen. Es lagen gerade mal so 17  Km hinter uns, aber wir waren ziemlich fertig. Und Andreas neuer Testrucksack von Wiebke und den Bergfreunden (Testbericht folgt in Kürze), hat ihm am Beckenkamm Schmerzen bereitet.  Die Mittagspause auf dem Turm haben wir kältehalber eher kurz gehalten. Das Highlight der Pause war die heiße Brühe, aber auch sie konnte die Kälte nicht so richtig vertreiben. So sind wir den Turm wieder heruntergeklettert (gar nicht so leicht, glitschig wie die Stufen waren) und haben unsere Wanderung fortgeführt. Es ging auf einer Ebene in ca. 600 Meter über dem Meeresspiegel mehr oder weniger flach vorwärts. Ab und zu mit schönen Weitblicken auf den Hunsrück, der uns immer wieder an meine beinahe und Andreas wahre Heimat erinnerte: Nordhessen. Bei Km 20 haben wir einen wunderschönen Aussichtsplatz an einer Wanderkreuzung mit Hütte gefunden (Schutzhütte Ohligsberg; Blick bis zum Rhein). Ein perfekter Platz zum Zelten!  Ich habe mich aber gefragt, warum kommt so eine stelle schon jetzt und nicht erst  in 10 Km. Es ist doch zu früh um hier zu bleiben, oder? Wenn wir hier bleiben können wir unsere Vorhaben, den Soonwaldsteig in zwei Tagen zu gehen, gleich vergessen. Aber andererseits waren wir heute ziemlich fix und fertig, es war anstrengend durch das frühe Aufstehen, die Kälte, den Schnee, der zwar nicht tief, aber rutschig war. Auch das Glatteis hat uns, wie schon erwähnt, jeweils einen Sturz eingebracht. Andreas hat die Entscheidung getroffen – er geht nicht weiter. Im Stillen habe auch ich mich darüber gefreut. Meine Beine und Knie sagten: passt schon.

Eingeschlafen sind wir um 20:00 Uhr. Der Tag muss ziemlich an den Kräften gezehrt haben, da wir beide 12 Stunden durchschliefen. Puhh… die Nase war am Morgen ziemlich kalt,  aber sonst konnte ich mich nicht beschweren. Trotz Temperaturen unter 0 Grad konnte ich mich die Nacht warm halten. Schließlich hatte ich ja einen gescheiten Daunenschlafsack, die Klättermusen LIV (Daunenjacke), eine Fleecejacke und -hose, Merinounterwäsche und zwei Paar Socken etc.  an. Es folgte ein sehr feucht-kalter Morgen. Der Nebel war sehr dicht, die Sichtweite betrug nur wenige Meter. Das JW Sanctuary war voller Kondenswasser, die Schlafsäcke außen ziemlich nass. Weitsicht über den Hunsrück gab es keine. Die Sonne ließ sich, wie bereits am Vortag, auch heute nicht blicken. Unter solchen Bedingungen ist es schwer den Ar… aus dem aufgewärmten Schlafsack heraus zu bewegen. Ja, und es hat schon gedauert bis wir mit dem Kaffee, Essen und Zelt abbauen fertig wurden. Na, da kam bald die Frage: was machen wir nun? Wollen wir heute 30 Km laufen? Oder machen wir einen lockeren Wandertag daraus. Nachdem wir uns zusammen die Karte angekuckt haben, wurde uns klar, dass im Soonwald nichts einfach ist! Es ist eine schwach besiedelte Region mit eher sparsamer Verkehrsanbindung. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Busse in solchen Regionen Sonntags so bis zu drei Mal am Tag fahren… Unsere Auto stand in Kirn und am Ende des Tages mussten wir irgendwie dahin. Wenn wir den Weg zwanzig Kilometer weiter laufen würden, wäre es uns nicht mehr möglich gewesen nach Kirn zu gelangen. So entschieden wir uns für die gemütlichere Variante. Die Wanderung dieses Tages war bis zur nächsten Ortschaft ganze 6 Km lang. Es ging durch einen kleinen Windpark mit drei Windrädern. Durch den Nebel haben wir sie eher gehört, als gesehen. Auf dem Weg lag denn auch noch die Emmerichshütte. Schön, schön. In Rheinböllen nahmen wir den Bus nach Bad Kreuznach, von dort die Bahn nach Kirn, wo wir im Anschluss an die anstrengende Tagesetappe einen Asiaten aufsuchten und nett speisten. Besondere Aufmerksamkeit schenkten wir dort der „Kania“ Salatsauce und dem kreativ gestalteten Nachtischtrog…

Fertig, ab nach Hause.

Fertig, ab nach Hause.

Der von uns begangene Teil des Sonnwaldsteigs bietet einen wunderschönen Waldblick in die Natur. Kilometerweit ist kein Dorf, keine Stadt und keine Industrie zu sehen. Eine Weite ohne viel Zivilisation. Uns hat es dort sehr gefallen, nur die Begehung des restlichen Steigs steht noch aus. Das machen wir dann nächstes Wochenende. 😉

Beide haben wir festgestellt, dass der Winter dieses Jahr etwas zu lange dauert und uns auch langsam reicht. Es wird Zeit, dass sich die Sonne mal wieder blicken lässt, hinter den Wolken hervor lugt und die Kälte wieder vertreibt..

(Autor: Magda)
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4 Gedanken zu „Soonwaldsteig, Teil 1: Von Bingen bis Rheinböllen

      • Unlecker war es nicht, ganz im Gegenteil. Unschön war halt nur die Nacht die folgte. Bei mir rebellierte der Verdauungstrakt recht genau 8 Stunden nach dem Fluss. Zum Glück hat es recht genau 10 Minuten voher aufgehört zu regnen. Wir sind dann nur noch nach Rheinböllen – Bingen und nach Hause 🙂

  1. Wir sind den Soonwaldsteig letztes Jahr in fünf (!!!) Etappen gelaufen und waren schon fertig. Das ganze Programm in zwei Tagen ist da schon echt harter Tobak. Hut ab! Auch für den Versuch!

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