Test: Mountain Hardwear Molimo 70

Einmal komisch gucken, bitte.Der Mountain Hardwear Molimo 70 im Test auf dem Soonwaldsteig im Hunsrück

Die Tour wird länger, die Temperaturen fallen, das Gepäck wird größer. Mountain Hardwear bietet mit dem Molimo 70 einen gefälligen, recht großvolumigen Rucksack für diese Zwecke an. Was er bietet, leistet und kann – und vor allem: was nicht, habe ich ihm auf einer ersten Testtour auf dem Soonwaldsteig zu entlocken versucht. Zuerst aber…

In der Hand

Puuh, verglichen mit meinem Black Diamond Mercury 75 fällt vor allem eines auf: es gibt einen ganzen Haufen mehr Gelummse dran, sprich Schlaufen, Bänder und derlei Nettigkeiten. Gemein ist beiden, dass es vor dem ersten Tragevergnügen den Hüftgurt zu monieren wird. Das ist mit ein wenig Gefummel verbunden, aber bald erledigt. Es gilt am Hüftgurt eine Querstrebe reinzufummeln, nachdem dieser mit dem zentralen Aluminiumelement des Rucksacks verbunden wurde. Somit entsteht ein auf dem Kopf stehendes „T“. Die Konstruktion ist bocksteif und während der Mercury durch seinen flexiblen Sitz trumpft, überzeugt der Molimo durch ein hohes Maß an Kontrolle. Aber ich greife vor.

Der Hüftgurt scheint an sich erstmal einfach gestaltet. Ein inneres Polster wird auf den steifen äußeren Rahmen geklettet. Wie fast immer wird der Gurt per Blitzverschluss geschlossen und kann über einen Flaschenzug schön stramm gezogen werden. Seitlich angebrachte Gurtbänder können dem Rucksack zusätzliche Steifigkeit geben, so man sie denn festzieht. Leider fehlen Taschen am Hüftgurt, die finde ich nämlich äußerst praktisch.

Geschickt gemacht ist die Verstellung der Rückenlänge. Es ist nicht nur möglich den Ansatzpunkt der Träger zu verstellen, es kann auch die nutzbare Länge der Schultergurte variiert werden. Alles via Klett, alles unkompliziert, schnell und einfach.

Drehen wir den Rucksack also mal auf den Rücken und betrachten ihn von… unten nach oben. Das obligatorische Schlafsackfach ist über eine recht große Öffnung hinter einem robusten Reißverschluss verborgen. Links und rechts außen davon sitzt jeweils eine geräumige Tasche. Bei prall gefülltem Rucksack ist deren Öffnung aber klein und dann eine Wasserflasche drin zu verstauen, wird sich als anspruchsvolle Aufgabe erweisen. Sinnvoller wäre es, hätten die MH-Leute eine, mindestens im oberen Teil, flexende Tasche verbaut, sie wäre größeren Objekten leichter zugänglich.
Im Verlauf des eben genannten Reißverschlusses befinden sich bereits die ersten beiden Kompressionsriemen. Zieht man sie enger, verkleinert man auch (etwas) die unteren Außentaschen.
Die Kompressions-/Materialriemen des Schlafsackfachs sind übrigens verstaubar, wobei man hier aber deren unteren Teil erst einmal aus der dafür vorgesehenen Schlaufe fummeln muss – und später wieder hinein.

Bleiben wir gleich mal bei den Kompressionsriemen. Die nächsten finden sich an der Frontflap – und diese hier finde ich klasse, denn selbst bei vollem Rucksack bietet sie genügend Platz, dass ich meine Schneeschuhe, die Inook VXM, recht passabel drin verstauen kann. Für Kleinkram bietet sie ein zusätzliches Fach und an der Front diverse, robuste Schlaufen zur Materialbefestigung.
Im oberen Bereich und über der Frontflap verbirgt sich ein Zugriff auf das Hauptfach des Rucksacks. Der ist natürlich und leider nicht so komfortabel und groß wie der des Mercury – aber besser als nix.
Materialschlaufen zur Befestigung von Trekkingstocken o.ä. sind zwei Stück vorhanden. Bei einem recht leeren Rucksack sind deren oberen Teile aber möglicherweise von dem Deckel verdeckt.

Die Deckeltasche ist für meinen Geschmack zu klein geraten, da passt nicht viel rein.

Die Deckeltasche ist für meinen Geschmack zu klein geraten, da passt nicht viel rein.

Apropos Deckel: Der eigentliche Deckel ist eher einfach gehalten. Es gibt ein relativ geräumiges Fach und obendrauf Schlaufen und ein umlaufendes Gummiband mit Versteller. Wer wünscht kann den Deckel aber sehr schnell via Blitzverschlüssen abnehmen… und weglassen, was immerhin 140g Gewicht spart. Sinnvoll ist das aber nur, wenn man ohnehin weniger Gepäck mit sich führt, denn die Volumenerweiterung lässt sich ohne Deckel nicht nutzen – es gibt neben dem eigentlichen Deckel noch einen… provisorischen (fest angenähten), der zu klein ist als das er über einen wirklich vollen Rucksack passen würde. Immerhin hält auch dieser ein Reißverschlussfach mit Schlüsselring parat, welches sich auch sonst gut nutzen lässt. Insgesamt eine schöne Idee, die auch ganz gut umgesetzt ist.

Vom Mountain Hardwear Fluid 48 kenne ich bereits das ausgelagerte Trinkblasenfach. Im Idealfall  (also eher selten) kann man den Rucksack nämlich bepackt lassen wenn man die Blase nachfüllen möchte. Das Fach ist über einen Reißverschluss zugänglich, welcher sich wenige Zentimeter über den Tragegriff des Rucksacks befindet. Wie gesagt, in der Theorie ist das eine gute Idee, in der Praxis funktioniert sie leider nicht so gut wie erhofft. Bei vollem Rucksack eine volle Trinkblase in das Fach zu quetschen ist gar nicht so einfach…

Das Innere des Packsacks hält nun keine Überraschungen mehr bereit. Positiv finde ich aber, dass „leave no trace“ Informationen gut sichtbar abgedruckt sind.

Sehr positiv und beim Fluid bewährt: die Reißverschlusszipperversteifungen (oder wie auch immer ich die nennen soll) lassen sich auch mit Handschuhen sehr gut greifen und bedienen. Das Öffnen/Schließen des Packsacks über die rote und die gelbe Schlaufe funktioniert vorbildlich. Alle Schnallen und Verschlüsse funktionieren tadellos und sind einfach zu bedienen.

Praxis

Ein erstes Probetragen erfolgte mit einem Gesamtgewicht von knappen 18Kg. Meine Rückenlänge befindet sich im Übergangsbereich von Größe „M“ und „L“ und ich entschied mich letztlich für die längere Version. Alles wurde richtig eingestellt, hier mal was probiert, da mal was geändert… Und so bin ich mit der Passform des Molimo erstmal zufrieden. Er liegt eng am Rücken an und sitzt bei mir schlicht sehr gut. Und auch wenn die Welt bestimmt schon dickere Polster am Hüftgurt oder den Trägern gesehen hat, sie sind beim Probetragen noch sehr bequem.

Einen ersten Praxistest, und auf dem Stand befinden sich meine Erfahrungen mit dem Molimo vorab, gab es auf dem schönen Soonwaldsteig. Der Rucksack wies am Ende ein angenehmes Gewicht von alles in allem 13,etwas Kg auf. Minimalbanal, aber mehr habe ich halt nicht dabeigehabt. Drei Liter Wasser, rund 2,5 Kg Rucksack, rund ein Kg Lebensmittel. Wie zu erwarten hatte der Molimo mit diesem Gewicht überhaupt keine Probleme. Er lag satt am Rücken und trug sich schlicht bequem. Zwar war ein leichter Hubbel oberhalb des Hüftgurts auszumachen, dieser war jedoch so minimal, dass ich gar nicht erst versucht habe ihn durch Zurechtbiegen des Rucksackgestänges zu minimieren.

Nochmal zur Flexibilität: Der Rucksack sitzt zwar nicht völlig bretthart am Rücken, weist aber auch keine sonderliche Flexibilität auf. Mit einem BD Mercury oder ähnlichen Modellen ist er (selbstverständlich) in keiner Weise zu vergleichen was diesen Punkt angeht. Seitlich des Hüftgurts findet der wehrte Nutzer Kontrollriemen, um die Flexibilität einzustellen. Warum? Weiß ich auch nicht, ich fand sie über die Maßen ineffektiv.

Davon ab sollte der Molimo also ein super Urteil bekommen? Schließlich scheint nun wirklich alles zu stimmen: er ist prima und praxisgerecht ausgestattet, besitzt eine ordentliche Lastübertragung, ist erstmal bequem, nicht zu schwer, relativ günstig – wäre da nicht… tja, was denn? Nach etwa 15 Kilometern begann mein Beckenkamm (dort, wo die Unterkante des Hüftgurts aufliegt) vom Druck des Hüftgurts zu schmerzen. Das hatte ich vorher auch noch nie. Passt der Hüftgurt einfach nicht gescheit zu mir, was war los? Praktischerweise besteht der Hüftgurt ja aus einem Kunststoff- und einem Polsterelement, ich experimentiere grad mit unterschiedlichen Befestigungsmöglichkeiten herum. Schauen wir mal, ob es besser wird, denn dann hätte ich einen für mich seehr schönen Rucksack gefunden. Einen Rucksack, an dem mir beim Testen aber noch dreierlei auffiel.
Auffaller Nr. 1: Die Oberkante des senkrechten Aluminiumprofils piekt obenherum ziemlich in den entsprechenden Stoff. MH hat hier hoffentlich gut gearbeitet und keine Sollbruchstelle konstruiert. Ich werde die Sache aber dennoch bald mal entschärfen und die Stelle entsprechend schützen.
Auffaller Nr. 2: Die Lastkontrollriemen sind obenherum jeweils an einer recht flexiblen Stelle angebracht, die beim Anziehen der Riemen nachgibt. In der Praxis war das völlig problemlos, es schaut aber schon komisch ungewollt aus.
Auffaller Nr. 3: Eigentlich ist mir der Rucksack nach der Herstellerempfehlung in „L“ mit einer Rückenlänge von 48cm zu groß. Ich meine aber: das passt (meine und fühle ich), schließlich verlaufen die Lastkontrollriemen in dem optimalen Winkel von ca. 45°. Und der Hüftgurt? Der bewegt sich noch im Rahmen.

Technisches

Material: 420D HD Nylon, Boden 840D HAT Ballystic Nylon
Gewicht (Herstellerangaben): 2150g, 2240g, 2350g (s, m, l)
Gewicht (nachgewogen): 2410g (l)
Drei Rückenlängen verfügbar: 38-46cm, 43-51cm, 50-57cm – Hiermit korreliert das Rucksackvolumen (65, 70, 75Liter)

Fazit

Anfangs war ich ja schon etwas skeptisch. Kann das zentrale Aluprofil eine ausreichende Lastübertragung gewährleisten? Die Antwort lautet: jepp, es kann. Und zwar gar nicht schlecht.
Der Molimo präsentiert sich als relativ leichter und sehr gut durchdachter Trekkingrucksack. Das Tragesystem verkraftet die Probezuladung von 18Kg völlig spielend – das Belastungsende muss ich noch ausloten.
Der Preis von ca. 200€ ist in Ordnung. Wen die geringere Flexibilität (steife Verbindung vom Hüftgurt zum Sack) nicht stört, der erhält einen Rucksack, der sehr gut probegetragen werden muss (passt der Hüftgurt?!), aber ansonsten schlicht folgendes ist …

Und mein Prädikat?

Sehr emfpehlenswert

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