Test: Arcteryx Axios 50

Arcteryx Axios 50 - IMG_0843Der Arc’teryx Axios 50 im Test auf dem Westweg und Schluchtensteig im Schwarzwald

Da ist der Arc’teryx Axios 50 doch wirklich ausgezogen, um meinem Standardrucksack, dem Mountain Hardwear Fluid 48, Konkurrenz zu machen. Und das macht er ausgezeichnet. Allerdings hat der Herausforderer auch seinem Preis, knappe 200€ sind für ihn fällig. Was man für den Preis bekommt? Böse Zungen würden sagen: nicht viel.

Ausstattung

Der Hauptsack besitzt ein seitliches(!) Trinkblasenfach, in den die 3 Liter Platypus sehr gut hineinpasst. Auf der anderen Seite befindet sich ein großer Reißverschlusszugriff auf das Hauptfach. Ein Schlafsackfach gibt es zwar nicht, dafür aber eine (auch bei voll beladenem Rucksack) ziemlich geräumige Känguruhtasche an der Front, die mittels Reißverschluss komplett geöffnet (geteilt) werden kann und nach oben hin eng abschließt. Wer gern außen am Rucksack Zeugs anbringt, findet einige nicht auftragende Schlaufen hierzu. Seitlich befinden sich vier Kompressionsriemen und jeweils eine elastische Netztasche. Gefällig ist die höhenverstellbare Deckeltasche mit ihren drei sehr geräumigen Reißverschlusstaschen (außen zwei mit wassergeschützten Zippern, eine davon mit Schlüsselring). Die Volumenerweiterung ist gut nutzbar, drüber läuft ein Überkopfzurrband. Leider fehlen Trekkingstockhalterungen.

Der Rücken besteht aus einer Art genopptem Kunststoffgewebe, was erstmal wenig luftig ausschaut. Da die Rückenlänge nicht verstellbar ist, muss der Axios von Werk aus passen, dafür gibt es ihn aber auch in verschiedenen Rückenlängen, ich nutze den „regular“. Die Schultergurte sind recht kräftig gepolstert, ebenso die konturierten Hüftgurte. Letztere verfügen über Gurtbänder zur zusätzlichen Fixierung des Rucksacks. Selbstverständlich findet man einen Brustgurt und natürlich auch Lastkontrollriemen.

Summa summarum ist der Axios 50 nicht wirklich üppig ausgestattet, aber dennoch nicht minder Praxisgerecht. Was mir fehlt ist höchstens eine geräumige Tasche am Hüftgurt für die Digicam. Wer auf Ausstattung verzichtet, möchte normalerweise Gewicht sparen und somit wiegt der Arcteryx in besagter Größe und Rückenlänge leichte 1395 Gramm.

Praxis

Der erste Probetragen bringt den Axios auf ein Gesamtgewicht von 14,6 Kg, die ziemlich ungeschickt verpackt sind (ich hab wieder mein Alkoholregal geplündert und die Flaschen in den Rucksack gesteckt). Der Rucksack kommt auf den Rücken, der Hüftgurt wird geschlossen und die Riemen eingestellt. Donnerwetter, der Axios sitzt wirklich gut und hinterlässt zumindest nach den ersten fünfzehn Minuten ein ausgezeichnetes Tragegefühl. Besonders gefallen mir die, gemessen am Rucksackgewicht, sehr gute Lastübertragung und der sehr angenehme Sitz im Lendenwirbelbereich. Der Rest ist unauffällig positiv. Zweifel habe ich jedoch an der Position des Trinblasenfachs. Wie erwähnt sitzt dies seitlich am Rucksack, was eigentlich gar nicht so schlecht erscheint, denn der Blick und der Griff in den Rucksack hinein wird damit weniger verstellt. Wenn ich nun aber drei Liter Wasser in ihr transportiere, sorge ich auf der anderen Seite doch für ein entsprechendes Gegengewicht, damit die Last auf dem Rücken gleichmäßig verteilt wird und sich der Rucksack nicht in eine Richtung neigt. Trinke ich die Blase aber nun leer, habe ich doch wieder ein Ungleichgewicht?! Der Beantwortung dieser Frage harre ich aufgeregt.

…und kann sie nun, einige Zeit später, beantworten.
Der „Haupttragetest“ findet auf den ersten Etappen des Westwegs im Schwarzwald statt. Dem Osterhasen zum Trotz herrscht dort noch immer Winter, es liegt Schnee und ist mit leichten Minusgraden noch recht frisch. Entsprechend schwerer ist unser aller Gepäck. Meins wiegt mit Lebensmitteln für vier Tage, drei Litern Wasser und dem Rucksack an sich rund 16,5 Kg. Trotz der guten Erfahrungen bei der Probebeladung überrascht der Axios 50, nun noch zwei Kg schwerer, mit einem überraschend guten Tragekomfort. Der Hüftgurt sitzt schlicht perfekt, aber das ist ja auch erst der Anfang der Tour und ich war auch schon voreilig von anderen Tragesystemen begeistert. Der Rucksackrücken liegt gut und eng an, verschmilzt förmlich mit meinem. Lediglich die Schultergurte drücken zwischendrin mal ein wenig am Schlüsselbein, aber das spüre ich auch nur mal vorübergehend und ist bald vorbei. Auch bei diesem Gewicht erscheint mir noch nicht das gewichtsmäßige Ende der Fahnenstange für das Tragesystem erreicht zu sein. Für solch einen leichten Rucksack finde ich das erstaunlich. Ebenso erstaunlich ist, dass ich das leergetrunkene Trinksystem auf dem Rücken gar nicht durch eine Gewichtsverlagerung wahrgenommen habe. Beim Packen neigt der Rucksack zwar stark zum Fallen auf die Seite des Trinksystems, dafür ist der Rucksackinhalt m.E. besser zugänglich und das erneute Verladen des vollen Systems einfacher.

Sitzt der Axios auch am Ende der Tour so bequem am Rücken wie zu Beginn? Kurze Antwort: Ja!
Der Hüftgurt sitzt (bei mir) perfekt und ich kann ihn auch nach Tagen der Wanderung nicht unangenehm spüren. Besser geht’s wohl nicht und auch sonst erhält der Axios von mir Bestnoten beim Tragekomfort.

Die fehlenden Halterungen für die Trekkingstöcke kann ich verschmerzen, die Stöcke kommen in eine Netzseitentasche und unter die Kompressionsriemen oder in die Känguruhtasche, die nebenbei auch noch die nicht zu fette Daunenjacke, Handschuhe etc. aufnimmt. Wünschen würde ich mir allerdings eine weitere geräumige Tasche für den Fotoapparat (Müsliriegel oder sonstwas) am Hüftgurt oder sonstwo, wo sie gut zu erreichen ist und man auch beim Laufen mal schnell herankommt.

Fazit

Einem erstklassigen Tragesystem wurde ein sehr gut durchdachter Rucksack…sack spendiert, bei dem einfach alles passt und gut durchdacht ist. Noch eine Hüftgurttasche und fertig ist der perfekte und leichte Rucksack für viele, viele Touren. Auf den ersten Blick ist der Axios 50 für rund 200€ nicht günstig, dafür ist er jeden Euro wert.

Und mein Prädikat?

Sehr empfehlenswert

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