Test: Gregory Z 35 – Rucksack

Gregory Z35 - IMG_0407Unterwegs mit dem Gregory Z35

Will ich mir denn wirklich noch einmal einen Rucksack mit Netzrücken antun? Sicher, gerade ich, der ich leicht schwitze, sollte sie wertschätzen. Aber meine bisherigen Erfahrungen mit ihnen (u.a. Vaude Jura und Bike Alpin) fielen negativ aus. Aber gut, ein einziges Mal versuche ich es noch und teste den Gregory Z35.
Woher kommt meine Abneigung gegen diese Art von Rucksack? Das ist schnell geschildert. Viele Modelle besitzen hinter dem straff gespannten Netz solch einen stark gebogenen Rücken, dass der Rucksackinnenraum seines Volumens beraubt wird und schlecht zugänglich ist. Überdies wird der Rucksackschwerpunkt vom Rücken weg verlagert, was den Trageeigenschaften abträglich ist. Die Lüftung der Netzrücken hingegen ist unerreicht.

Ausstattung

Nun liegt der Z35 also vor mir und verblüfft durch seine reichhaltige Ausstattung und das zumindest relativ geringe Gewicht von 1370g (Größe „M“; Gregory gibt ihn mit 1400g an) – womit er für die UL-Fraktion bereits ausgeschieden ist.
Aber von oben nach unten. Das nicht höhenverstellbare Deckelfach beherbergt eine sehr geräumige Außentasche mit Schlüsselring und eine kleinere innen. Das Hauptfach wirkt geräumig und (juhuu!) eine Rückenwölbung ist beinah gar nicht vorhanden – dafür aber ein Trinkblasenfach mit zwei Ausgängen und zwei weiteren Schlüsselringen. Der Zugriff auf das Hauptfach erfolgt wie gewohnt von oben oder über einen sehr großen, geschwungen verlaufenden Reißverschluss an der Front. Verdeckt wird dieser größtenteils von einer geräumigen Front-Flap, die auch einen Regenüberzug beherbergt. Eine zentrale Schlaufe (inkl. Gegenstück) findet man gut zugänglich an der Ober- und Unterseite der Flap.
Links und rechts gibt es je eine Netzausentasche. Jeweils einer der (pro Seite) zwei seitlichen Kompressionsriemen verlaufen über die Netztasche, was ich unpraktisch finde, denn der Inhalt ist somit unterwegs nicht so gut zu erreichen. Zwei ziemlich kleine Taschen findet man auch am Hüftgurt, einen weiteren Kompressionsriemen über Kopf, unter dem geschlossenen Deckelfach. Somit sind wir bereits beim Rucksackrücken.

Der Abstand zwischen Netz und Rucksackrücken ist nicht soo groß. Fein.

Der Abstand zwischen Netz und Rucksackrücken ist nicht soo groß. Fein.

Das Tragesystem nennt Gregory CrossFlo DTS. Sehr positiv ist dabei zu beurteilen, dass Gregory es hinbekommen, hat den Abstand zwischen dem Netz und dem eigentlichen Rucksackrücken gering zu halten. Der Rucksackkontrolle, den Trageeigenschaften und der Praxistauglichkeit des Hauptfachs kommt dies sehr entgegen.
Am Lendenbereich liegt ein kräftiges Polster an, der Hüftgurt wirkt weich und ist weniger kräftig gepolstert. Eine Rückenlängenverstellung gibt es nicht, dafür ist der Z35 in verschiedenen Rückenlängen erhältlich. Die Schultergurte sind im oberen Bereich sehr flexibel, somit können sie sich gut an die Anatomie des Trägers anpassen. Der Brustgurt ist über einen großen Bereich in der Höhe  verstellbar. Zuletzt: Gregory gibt eine Beladungsempfehlung von bis 16Kg an, was für einen 35 Liter Rucksack eine ganz schöne Hausnummer ist. Ob sie da etwas übertreiben?

Praxis

Ich plündere also (mal wieder) mein Alkoholregal und stopfe den Gregory bis oben hin mit diversen Flaschen voll. 14,2 Kg bringt der Z35 nun auf die Waage und auf meinen Rücken. Optimal beladen ist er natürlich nicht und in der Praxis wird man solch einen kleinen Rucksack auch kaum mit runden 13 Kg beladen. Der Hüftgurt wird geschlossen, die Schulterträger eingestellt. Der Rucksack kippt nach hinten, das Straffziehen der Lastkontrollriemen wirkt diesem Trend entgegen, kann es aber nicht abstellen. Der Lendenbereich spürt das zweigeteilte Polster, die Schultern spüren einen erhöhten Druck der Schulterträger. Groß unangenehm ist dies nach wenigen Trageminuten noch nicht, aber unangenehm wird es ja auch gern erst nach längerem Tragen.

So, die letzten Zeilen wurden schon vor einer ganzen Weile geschrieben. Seitdem habe ich den Z35 hier und da und vor allem im Alltag zu Fuß und auf dem Rad dabeigehabt. Der Rucksack hat sich dabei als ziemlich gut (aber nicht besser) und praxisgerecht herausgestellt. Über die Ausstattungsdetails kann ich von der Praxis her nichts Schlechtes berichten, wobei die Hüftgurttaschen auch unterwegs nicht größer wurden. Ein Schlüsselbund passt rein, vielmehr nicht. Das nicht höhenverstellbare Deckelfach hat sich unterwegs als nicht sonderlich limitierend fürs Gepäck erwiesen. Also alles im grünen Bereich?

Etwas klein geraten, die Taschen am Hüftgurt.

Etwas klein geraten, die Taschen am Hüftgurt.

Fast. Denn das Tragesystem kann meines Erachtens nicht ganz mit der hohen Qualität des übrigens Rucksacks mithalten. Was sich bereits beim ersten Tragen zeigte, verlor sich auch nicht unterwegs. Zwar bin ich von der Qualität des Tragesystems sogar überrascht, denn für einen Abstandsrücken taugt es einiges, aber im Vergleich mit guten Kontaktrücken verliert es m.E. dennoch an Boden. Summa summarum: der Käufer erhält ein für diese Rucksackgröße gut taugliches Tragesystem und mit ihm einen angenehm belüfteten Rücken

Und noch etwas: wer diesen Rucksack auch zum Radfahren nutzt, kommt in den Genuss einer angenehmen Massage im Bereich der Lenden – der kräftigen Polster an dieser Stelle sei Dank 😉

Fazit

Der Gregory Z35 ist ein sehr durchdachter und universell einsetzbarer Rucksack. Ob für Hüttentrekks oder im Alltag, stets ist der Rucksack ein passender Begleiter. Wenn die Belüftung wichtiger ist als eine bessere Lastübertragung, dann ist der Z35…

Und mein Prädikat?

Sehr empfehlenswert

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