Test: Salewa Finch II

Salewa Finch II

Micra + Ultima = Finch

Nachdem Martins Salewa Micra zwar noch nicht das Zeitliche gesegnet hat, aber schon etwas angeschlagen wirkte, hat er sich recht spontan zu einem Neukauf entschieden. Ein sehr junges Salewa Finch II gabs kürzlich günstig zu erwerben – gekauft.
Das Finch ist, ebenso wie das Micra, ein recht leichtes, dabei solides 1-2 Personenzelt. Vor ein paar Jahren brachte Salewa das Ultima II auf den Markt (Testbericht). Von diesem hat das Finch die Gestängekonstruktion geerbt und mich würde jetzt mal wirklich interessieren, ob beide Gestänge, Innen- und Außenzelte miteinander kompatibel sind. Das Ultima war eine Art aufgestocktes Micra. Es wurden bessere Materialien verarbeitet, das Außenzelt nicht genäht, sondern geklebt(!) und die Gestängeführung wurde aus Gewichtsgründen geändert. Das Micra besitzt zwei einfache Bögen, beim Ultima und Finch zwo wurden zwei Ypsilons aneinandergefügt und mit einer Firststange erweitert. Die Gestänge des Finch sind also quasi vom Ultima II, ansonsten, von den Materialien her, hat man ein Micra mit zwei Apsiden in den Händen. Die Idee ist eigentlich nicht schlecht, denn das Micra ist ja nun schon seit Jahren ein Verkaufsschlager und für den Preis nicht zu verachten. Nur sonderlich groß ist das Micra eben nicht, sofern man nicht nur allein unterwegs ist. Das Finch ist hier nun die sinnvolle Erweiterung. Vorgestern nun:

Der erste Aufbau bei mir im Garten

Auf große Überaschungen sind wir nicht gestoßen, für ein paar Schmunzler hat das Zelt denn allerdings doch gesorgt. Salewa hält viel von seinem SRS (Salewa Rapid Setup). Dabei handelt es sich schlichtgesagt einfach um eine Aufbauhilfe mittels Farbkodierung der Gestänge und der Teile wo sie durch- oder reingesteckt werden. Klingt nicht schlecht, ist es auch nicht. Aber im Falle des Finch II… Das Innenzelt liegt aus, das dreifarbige Gestänge ist zusammengesteckt. Nun heißt es gelb zu gelb und rot zu rot. Je zwei Gestängeenden werden also in die jeweils farblich passenden Ösen an den Innenzeltecken gesteckt. Warum nur sind die jetzt farblich markiert? Keine Ahnung, denn das Zelt ist symmetrisch aufgebaut und egal ob man nun die roten Stangen in die roten oder gelben Ösen steckt, das Zelt steht immer gleich.
Martin hat nun zuerst die farblich passenden Innenzeltklippse ans Gestänge gehängt. Es ist zwar nett, dass sie farblich markiert sind, an anderer Gestängepartien würden sie aber auch gar nicht passen. Nett, aber irgendwie auch sehr überflüssig beim Finch (aber nicht beim Micra, wo Gestänge und Klippsekuddelmuddel herrscht!). Nun packt Martin die silberne Firststange und steckt sie in die silbernen Ö…s…e…n. Moment, wo sind die silbernen Ösen? Wieso sind sie gelb – die Firststange ist doch silbern. Gut, stecken wir also die silberne Firststange in die farblich… passenden… gelben Ösen. Nun steht schonmal das freistehende Innenzelt und kann in trockenen und warmen Nächten vor Insekten und auch ein wenig vor Wind schützen. Wie im Micra, so hat man auch im Finch II recht wenig Platz drinnen. Die Innenzeltbreite ist mit 120cm zwar eigentlich ganz brauchbar, zumal wenn man solo unterwegs ist, im Zelthimmel wird’s aber relativ eng und die Wände sind nicht ganz so steil, wie man es sich vielleicht wünscht. Das MSR Hubba Hubba HP spielt bei gleicher (sogar geringerer) Grundfläche in einer ganz anderen Volumenliga. Das Raumgefühl ist bei letzterem nicht nur brauchbar, wie beim Micra, sondern gigantisch.
Der Enge im Zelthimmel ist es sicher auch geschuldet, dass das Finch II kein Gearloft (Ablage unterm Dach) besitzt. Immerhin gibt’s eine einzige Schlaufe zum Aufhängen einer Lampe… und an Kopf- und Fußende jeweils zwei Taschen. Das fehlende Gearloft war für Martin, glaube ich, der größte Kritikpunkt.

Ganz gut gefällt mir die leider nicht abdeckbare Moskitonetzfläche am Innenzelt, die nach obenhin glücklicherweise bald endet und sich nicht auch noch im Zelthimmel wiederfindet. Somit könnte das Innenzelt sogar herabtropfendes Kondenswasser bremsen… Aber ob das Gewebe tropfdicht ist?!

Das Außenzelt wird nun einfach drübergeworfen und an den vier Eckpunkten des Innenzeltes via Blitzverschlüssen befestigt. Die Gurtbänder sind auch hier wieder farblich markiert: an den Schmalseiten des Innenzeltes liegen jeweils zwei rote nebeneinander und auf der anderen Schmalseite zwei gelbe. Und am Außenzelt? Da wechselt sich gelb und rot ab: man muss also mal gelb in rot oder umgekehrt stecken. Schon lustig das SRS, sehr humorvoll die Salewianer…
Das Außenzelt an sich ist recht einfach gehalten. An den Schmalseiten gibt’s jeweils einen Abspannpunkt und einen halbwegs verschließbaren Lüfter. Dieser lässt sich aber nur unzureichend über einen mittig angebrachten und kurzen Klettverschluss verschließen (besser: verkleinern). Weht ordentlich Wind, wird der Lüfter sicher einfach aufpoppen. Insgesamt ist das Zelt relativ einfach gehalten, ebenso wie das Micra, und so fehlen auch dem Finch z.B. verstellbare Heringsschlaufen. Ist der Boden butterweich, so macht das nichts: 6 Heringe in den Boden gedrückt und fertig. Sollte der Boden aber sehr hart und mit Steinen durchsetzt sein, so ist es sehr praktisch mal hier und mal da mit dem Hering herumstochern zu können, um eine steinfreie Stelle zu finden. Dafür sind verstellbare Schlaufen, die man sich aber auch nachträglich dranbasteln kann, sehr praktisch. Schade, dass Salewa hier gespart hat.

 

Was halte ich also von dem Zelt?

Hmm, kaufen würde ich es mir sicher nicht, zumindest nicht für den Originalpreis. Da gibt’s einfach andere, die mir wesentlich besser gefallen. Für verbesserungswürdig halte ich dabei vor allem das Raumgefühl. Die Stummelfirststange hätte man doch echt noch etwas verlängern können (der Gewichtsvorteil zur ursprünglichen Gestängeführung wäre dann freilich dahin), dann würde man sich drinnen nicht nur viel wohler fühlen, das Innenzelt wäre bei geöffnetem Außenzelt auch wesentlich regensicherer. So ist es bei geöffneter AZ-Tür nämlich keinesfalls gegen Regen geschützt. Wäre es oben breiter, dann ließe sich auch ein Gearloft in den Himmel ziehen und es würde den Martin glücklich machen. Na, und die Lüfter hätte man doch auch mal gescheit konstruieren können? Und verstellbare Schlaufen? Auch die würden dem Zelt gut tun.
Auf der Habenseite steht erstmal das relativ geringe Gewicht von komplett nur 2480g. Klar, das erreichen viele andere Zelte auch. Aber man muss das in Relation zur Größe und dem Preis sehen – und dafür geht das Gewicht in Ordnung. Apropo Größe: wenngleich das Innenzelt nicht zu den Komfortabelsten des Marktes gehört, sind die beiden Apsiden doch echt brauchbar. Für einen nahezu verschwenderisch (naja), für zwei Leute gut ausreichend.

Wenn ich nun das Micra und das Finch gegenüberstelle… das Finch wiegt ein klein wenig mehr, bietet aber eine zweite Apsis und somit viel mehr Platz. Das Innenzelt ist bei keinem sehr geräumig, aber ich meine, dass das Micra ein wenig mehr Volumen bietet. Ansonsten sind sich beide schon sehr gleich, wenngleich das aktuelle Micra einen veränderten Außenzelteingang besitzt, dessen Reißverschluss einen Bogen beschreibt. Der vom Vorgänger verlief, wie beim Finch, gerade und der Eingang war dadurch variabler.

Aufgrund der zweiten Apsis würde ich, müsste ich mich zwischen beiden entscheiden, sicher das Finch wählen. Das Micra hingegen hat den Vorzug der kleineren Stellfläche. Für welches man sich entscheidet liegt in erster Linie sicher an diesen beiden Punkten und an der Gestängekonstruktion. Manch einer vertraut den Verbindungsteilen des Hauptgestänges zur Firststange nicht. Von diesbezüglichen Problemen hab ich jedoch noch nichts gehört.
Bei dem Finch handelt es sich ein Auslaufmodell, entsprechend sollte man sich nach Angeboten umschauen, wenn man sich für es interessiert. Sollte man es günstiger erhalten ist es für den gemäßigten Soloeinsatz oder für sich mögende Doppelreisende…

Und mein Prädikat?

…empfehlenswert

Alternativen gibt es am Markt einen Haufen, wobei man aber auch immer den Preis im Hinterkopf behalten sollte. Meine Empfehlung ginge sonst ganz klar in die Richtung
MSR Hubba Hubba HP (Test / anschauen), aber bei einem Preis jenseits von 400€, wird es für einen potentiellen Finch II Käufer sicher uninteressant sein.
Gerade für den Sommer kann auch das Twilight 2P eine Empfehlung wert sein, wenngleich ich es für mich als zu unpassend empfand. Aber offensichtlich gibt es viele glückliche Nutzer des Zeltes.
Marmot Twilight 2P (Test / anschauen).

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2 Gedanken zu „Test: Salewa Finch II

  1. hello, do you still poses this tent? i have a problem because i’ve lost the poles to my ultima 2 and i’d like to buy the replacement but i guess it’s impossible. i asked at salewa shop, but they don’t provide any and i don’t know the exact dimensions. would you be so kind to measure them for me? thanks in advance!

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